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Sanierungsprojekt mit Vorbildcharakter: In Radolfzell wurde aus einem ehemaligen Wasserturm ein Energiespar-Hotel

Bauherren aus Radolfzell haben einen alten Wasserturm in ein Energiesparhotel umgebaut.
Bauherren aus Radolfzell haben einen alten Wasserturm in ein Energiesparhotel umgebaut. (Bild: SEM`S Media Michael Schellinger)

Monitoring bestätigt Energieeffizienz des einzigartigen Nullenergie-Hochhauses

In Radolfzell am Bodensee haben Bauherren einen 34 Meter hohen Wasserturm in ein Nullenergie-Hotel verwandelt. Die Energieversorgung des 2017 in Betrieb gegangenen Gebäudes erfolgt über 1.000 Photovoltaikmodule, 54 Quadratmeter Solarthermiekollektoren, eine kleine Windenergieanlage auf dem Dach und eine Wärmepumpe im Keller. Eine sehr gute Dämmung sorgt für einen geringen Heizenergiebedarf. Das Monitoring des vergangenen Jahres bestätigt nun die hervorragende Energiebilanz des Hotels: Die Gebäudetechnik verbraucht mit 31 Kilowattstunden Strom pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a) nur rund 45 % des vor Ort produzierten Ökostroms. Die CO2-Emissionen liegen dank der ausschließlichen Nutzung selbsterzeugter erneuerbarer Energien und den geringen Verbrauchswerten bei null. Auf das vorbildhafte Sanierungsprojekt mit seinem hohen Nutzerkomfort weist Zukunft Altbau hin, das vom Umweltministerium geförderte Informationsprogramm.

Bereits mit 17 Jahren interessierte sich Norman Räffle für den alten Wasserturm in Radolfzell. Nach Lehre und Studium wagte er sich im Jahr 2008 schließlich an den Umbau des außergewöhnlichen Gebäudes. Gemeinsam mit Vater, Mutter und Bruder und den Mitarbeitern einer eigens für das Projekt gegründeten Baufirma wollte der Architekt dem Turm neues Leben einhauchen. In der achtjährigen Umbauphase hat das Team die unterschiedlichsten Arbeiten ausgeführt: Dazu gehörten Tiefbau, Abbruch, Rohbau, Fassade und Dämmung, Fenstermontage sowie die Heizungs-, Sanitär- und Elektroarbeiten.

Eine Vision wird Wirklichkeit

Einfach war die Sanierung nicht. »Für den komplexen, achteckigen Baukörper mussten wir einige Speziallösungen erfinden, um das Gebäude mit Passivhaustechnologie auszustatten«, sagt Planer Norman Räffle. Da es beispielsweise keine geeigneten Passivhausfenster für Hochhäuser gab, entwickelte Räffle mit einem Fensterhersteller Doppelfenster mit einer Holz-Alu-Konstruktion: außen zweifach und innen dreifach verglast, mit einer speziellen Zwischenraumbelüftung über Thermoschieber. In diesen Zwischenraum ist auch der Sonnenschutz integriert – außen angebracht würde er durch die stärkere Windlast in der Höhe rasch beschädigt werden. Beim Umbau legten die Bauherren zudem großen Wert auf ressourcenschonende und ökologische Maßnahmen. So erfolgte die Dämmung der Fassade und des Daches mit Steinwolle in Stärken zwischen 20 und 36 cm. Die Kellerdecke erhielt eine Steinwolledämmung mit 20 Zentimetern Stärke.

Für frische Raumluft sorgen dezentrale Lüftungsanlagen. Diese verfügen über eine Wärmerückgewinnung mit einem Effizienzgrad von über 90 % und Feinstaub- sowie Pollenfilter. Damit gelingt ohne nennenswerte Energieverluste der kontrollierte Austausch von verbrauchter mit frischer, sauberer und sauerstoffreicher Außenluft.

Erheblicher Anteil erneuerbarer Energien

Der umgebaute Turm verfügt über ein innovatives Energiesystem aus Sonnen- und Windenergie sowie Geothermie. Zur Nutzung der Sonnenenergie wurden Photovoltaikmodule mit einer installierten Leistung von fast 70 Kilowatt windsicher und wärmebrückenarm befestigt. Die Solarthermiekollektoren sind an einen Wärmespeicher gekoppelt und decken rund 45 %des Heizwärmebedarfs sowie 80 % des Warmwasserbedarfs. Der Restenergiebedarf wird mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe gedeckt.

Eine kleine Windkraftanlage mit 5,5 Kilowatt installierter Leistung auf dem Dach und ein Stromspeicher ergänzen das Energiekonzept. Bei seiner Fertigstellung war das Hotel das weltweit erste Hochhaus mit Passivhaustechnologie, das mindestens so viel Energie erzeugt, wie es für die gesamte Gebäudetechnik benötigt. So liegt der Stromverbrauch für Beheizung, Warmwasser, Kühlung, Lüftung, Aufzug, Pumpen und Hilfsstrom bei 31 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a). Ihm stehen 48 kWh/m2a vor Ort produzierten Ökostroms gegenüber.

Inklusive Wellness, Küche und Elektroladestationen liegt der Gesamtenergiebedarf des Hotels bei 58 kWh/m2a. Durch diverse Optimierungsmaßnahmen konnte er in den ersten Monaten dieses Jahres um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden. Verstetigt sich die Tendenz im Jahr 2019, erreicht das Gebäude auch unter Einbeziehung dieser zusätzlichen Energieverbrauchsposten eine ausgeglichene Energiebilanz beim Gesamtverbrauch.

Nachhaltige Innenausstattung

Auch bei der Innenausstattung legten die Bauherren Wert auf regionale Wertschöpfung und ökologische Materialien, wie Holz, recycelte Holzwerkstoffe, Natursteinböden sowie Kalk- und Tonputz. Letzterer besteht aus natürlichen Rohstoffen und verbessert die Behaglichkeit und Luftqualität durch seine Eigenschaften wie Schad- und Geruchsstoffabbau sowie seine antistatische Wirkung. Der Turm verfügt außerdem über den sparsamsten Wasserhahn der Welt, der den Wasserverbrauch auf nur 0,7 Liter pro Minute reduziert. »Familie Räffle ist ein einzigartiges Bauwerk mit energetischem Vorbildcharakter gelungen«, lobt Frank Hettler von Zukunft Altbau. „»Man kann die Bauherren für das entstandene Plusenergiehotel mit hervorragender Ökobilanz nur beglückwünschen.«

Diese und weitere energetische Sanierungen sind auf www.sanierungsgalerie.de zu finden.

Ansprechpartnerin Zukunft Altbau:
Ana Puls, Zukunft Altbau,
Gutenbergstraße 76, 70176 Stuttgart,
Tel. +49 711 489825-13,
ana.puls@zukunftaltbau.de, www.zukunftaltbau.de

Urheber:
Axel Vartmann, PR-Agentur Solar Consulting GmbH,
vartmann@solar-consulting.de

 

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