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Dr. Peter Heuell, EMH metering: »Ökonomische Gründe sprechen für einen Full-Rollout intelligenter Messsysteme«

Dr. Peter Heuell, EMH metering, erwartet Full-Rollout
Dr. Peter Heuell, Geschäftsführer der EMH metering GmbH & Co. KG: „Wir können heute schon sehr viel mehr, als die Politik freigegeben hat." (Bild: ZVEI / Mark Bollhorst)

„Die praktische Umsetzung des Rollouts rückt in den Fokus“

Die EMH metering GmbH & Co. KG mit Sitz in Gallin zählt zu den bislang drei Herstellern, die für ihre Smart Meter Gateways vom BSI die Zertifizierung nach Common Criteria erhalten haben und Geräte nun verkaufen dürfen. Energie.blog (EB) sprach mit Dr. Peter Heuell (PH), Geschäftsführer des Unternehmens, über die Marktsituation, nachdem das BSI mit der Markterklärung grünes Licht für den Pflicht-Rollout intelligenter Messsysteme (iMSys) signalisiert hat. Unter anderem erwartet er einen Full-Rollout.

EB: Welche Eindrücke haben Sie von Ihren Gesprächen auf der E-world mitgenommen?

PH: Durch die Markterklärung vom BSI wird in der Branche klar, dass es jetzt ernst wird mit dem Rollout der intelligenten Messsysteme. Vor diesem Hintergrund erleben wir nun sehr pragmatische Diskussionen. Wurde vorher noch eher grundsätzlich gefragt, wie was funktioniert, heißt es nun konkret: Was muss ich tun, um die Geräte ins Feld zu bringen? Wie sieht die Lieferkette aus? Welche Schulung brauchen die Mitarbeiter? Die praktische Umsetzung des Rollouts rückt in den Fokus. Das ist das Spannende.

EB: Gilt das für alle Messstellenbetreiber? Obwohl sich der iMSys-Rollout mit langem Vorlauf angekündigt hat, hält es offenbar mancher nach wie vor mit dem Motto: Den frühen Vogel holt die Katz.

PH: Wissenschaftliche Untersuchungen zur Akzeptanz neuer Trends besagen, dass 20-30 % der Gruppe der First Mover zuzuordnen sind. 10-15 % sind Late Follower, das Gros bewegt sich in der Mitte. Diese Verteilung ist vermutlich auf unsere Industrie übertragbar. Das hat auch damit zu tun, wie weit die Prozesse im Unternehmen schon etabliert sind. Nicht jeder Messstellenbetreiber hat sich bereits für einen Gateway-Administrator entschieden. Wer diese Entscheidung noch treffen muss, ist mit der Umsetzung dann etwas später dran.

EB: Über welche Produktionskapazitäten verfügt EMH metering? Werden Messstellenbetreiber auf Smart Meter Gateways warten müssen?

PH: Unsere Kapazitäten sind auf 600.000 Stück im Jahr ausgelegt. Natürlich muss die Produktion jetzt erst einmal hochgefahren werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Rollout an der Kapazität der Hersteller scheitern wird.

„Durch einen Full-Rollout entsteht eine ganz andere Kostenstruktur“ 

EB: Zumal man von einigen Gateway-Administratoren hört, dass sie nichts überstürzen wollen…

PH: Ich glaube schon, dass mindestens die vorgeschriebenen 10 % der insgesamt knapp vier Millionen Pflichteinbaufälle in den ersten drei Jahren eingebaut werden. Wir erwarten einen progressiven Prozess. Man wird 2020 noch etwas verhaltener losgehen, weil die Prozesse noch geübt werden müssen. Da spielen die Lieferketten eine Rolle, die Einbauprozesse, das Datenmanagement usw. Wenn man auf Basis anfangs überschaubarer Stückzahlen Erfahrungen gesammelt hat, wird es kontinuierlich nach oben gehen. Wobei ich fest davon ausgehe, dass wir aus rein ökonomischen Gründen auf einen Full-Rollout zusteuern. Es gibt eine starke Motivation, die spezifischen Kosten durch ein höheres Einbauvolumen zu drücken. Man kann die Wirtschaftlichkeit der Prozesse im Feld erhöhen, indem man etwa die Zähler in einem Mehrfamilienhaus auf ein Gateway bündelt. Durch einen Full-Rollout entsteht eine ganz andere Kostenstruktur.

EB: Ein viel diskutiertes Thema im Zertifizierungsprozess der Smart-Meter-Gateway-Hersteller war am Ende SiLKe, die sichere Lieferkette. Sie haben mit dem Transportbeutel eine für viele überraschende Lösung entwickelt. Wie kam es dazu?

PH: Wir haben unsere SiLKe auf Basis der Safebags realisiert, um auch speziell für Kunden eine Lösung zu haben, die kleinere Gerätestückzahlen über größere Flächen verteilen müssen. Da ist die Einzelverpackung einfach flexibler als eine Transportbox. Man hat bis zu einem gewissen Grad vereinfachte Prozesse. Beispielsweise brauchen wir nicht zwingend SiLKe-Schulungen durchzuführen, das können unsere Kunden auch selbst machen. Ich würde aber gar nicht die Unterschiede der Lieferketten in den Vordergrund stellen, sondern sie als verschiedene Angebote betrachten, zwischen denen die Kunden wählen oder die sie kombinieren können. Ein Unternehmen, das einen Bündelkunden adressiert, hat ganz andere Anforderungen als ein Stadtwerk mit einem zentralen Lager. Deswegen gibt es aus meiner Sicht nicht die eine Lieferkette, sondern für den Anwendungsfall optimierte Lieferketten. Wir setzen aber auch stark auf die Vereinheitlichung der Prozesse der verschiedenen SiLKen und unterstützen diese Entwicklung.

„Wir können heute schon sehr viel mehr, als die Politik freigegeben hat“ 

EB: Das BSI hat in seiner Markterklärung EEG- und KWKG-Anlagen sowie steuerbare Verbrauchseinrichtungen und RLM-Kunden zunächst noch vom iMSys-Pflicht-Rollout ausgenommen. Nachvollziehbar?

PH: Meine Botschaft ist, dass wir technisch schon so weit sind. Technisch können wir heute beispielsweise steuern, wir haben die Steuerbox im Portfolio. Wir arbeiten weiter an den nächsten drei TAFs und werden noch weitere Innovationen herausbringen. Die Frage ist, wann sie zertifiziert werden. Wir können heute schon sehr viel mehr, als die Politik freigegeben hat.

EB: Die Energiewirtschaft würde gern das 450-Mhz-Funknetz für seine Zwecke nutzen, unter anderem für den Messdatentransfer aus intelligenten Messsystemen. Wie ist Ihr Standpunkt in dieser Frage?

PH: Für das intelligente Messwesen ist die 450-MHz-Frequenz sehr nützlich und wünschenswert. Denn beim Einsatz der Gateways in tiefliegenden Kellern kommt die Mobilfunktechnik an ihre Grenzen. Ein derzeit diskutiertes zweites Kommunikationsmodul, das die Daten per Mobilfunk an die Marktteilnehmer senden soll, hilft daher auch nicht weiter. Aus unserer Sicht ist das eine völlig abwegige Lösung. Die 450-MHz-Frequenz sollte stattdessen für alle Smart Meter-Aufgaben freigegeben werden. Für die Mehrzahl der Einbaufälle hat dieses Thema allerdings überhaupt keine Relevanz. Die Digitalisierung der Energiewende kann sofort beginnen.

EB: Herr Dr. Heuell, vielen Dank für das Gepräch.

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Über die EMH metering GmbH & Co. KG

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