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„Die effizienteste Wärmequelle für Fern- oder Nahwärme ist die Wärmepumpe“

Wärmepumpe
Stefan König, Geschäftsführer des Klima- und Technologiekonzerns Danfoss in Deutschland, erklärt welche Rolle Fern- und Nahwärme künftig spielen werden und warum die Wärmepumpe vor allem in zentralen Wärmesystemen energieeffizient ist. (Bild: Danfoss)

Wie die Wärmepumpe die Abhängigkeit vom Gas reduziert und dem Klimaschutz dient

Ab Mitte September 2022 werden effiziente Wärmenetze vom Bund gefördert. Der Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen gilt als Kerninstrument der Energiewende und verringert die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Zu den weltweit führenden Anbietern energieeffizienter Lösungen für die Kälte- und Wärmetechnik gehört das dänische Unternehmen Danfoss. Stefan König, Geschäftsführer der Danfoss GmbH in Deutschland und Präsident der Region Zentraleuropa, beantwortet die wichtigsten Fragen zu energieeffizienten Wärmenetzen und erklärt, warum nicht nur Hauseigentümer vom Ausbau der Nah- und Fernwärme auf Basis der Wärmepumpe profitieren.

?: Die Bundesregierung fördert den Ausbau von Fernwärme. Müssen Mieter jetzt fürchten, dass durch den Austausch ihrer Gastherme ihr individueller Verbrauch nicht mehr erfasst werden kann?

!: Das ist zu kurz gedacht. Im Wärmebereich ist zentrale Erzeugung effizienter als dezentrale Einzelerzeugung. Die Fernwärme ist daher effizient, weil sie eine zentrale Wärmeerzeugung darstellt. Schon das Kohlekraftwerk mit Fernwärme war effizienter als der Kohleeinzelofen. Im nächsten Modernisierungsschritt wurden Kohlekraftwerke wegen des geringen CO2-Abdrucks durch Gaskraftwerke ersetzt. Unter Energieeffizienzaspekten ist das zentrale Gaskraftwerk deshalb besser als dezentrale Gasthermen in Einzelwohnungen. Der nächste Schritt ist nun das Abschalten der Gaskraftwerke und das Ersetzen durch eine Großwärmepumpe. Und natürlich kann der individuelle Einzelverbrauch dabei genauso erfasst werden.

?: Eignet sich die Großwärmepumpe nur für Fernwärme und damit für große Versorgungseinheiten?

!: Mit dem technischen Grundprinzip lässt sich auch Nahwärme erzeugen. Damit eignen sich Wärmepumpen als Wärmequelle ebenso für kleinere Wärmenetze mit zehn oder 15 Gebäuden. Auch diese Wärmenetze, die Gebäudekomplexe oder Stadtviertel versorgen, lassen sich mit einer kleineren Wärmepumpe betreiben. Fest steht: Die effizienteste Wärmequelle für Fern- oder Nahwärme ist die Wärmepumpe.

Mit einem Teil Strom lassen sich drei Teile Umweltwärme gewinnen“

?: Warum lässt sich der Energieverbrauch durch den Einsatz der Wärmepumpe senken?

!: Mit der Wärmepumpe lässt sich der Energieverbrauch um 75 % reduzieren! Die Wärmepumpe macht Umweltwärme, die z.B. aus der Luft, dem Grundwasser, oder aus Flüssen gewonnen wird, nutzbar. Dazu muss aber etwas Energie in die Wärmepumpe hineingesteckt werden. Mit einem Teil Strom lassen sich drei Teile Umweltwärme gewinnen.

Bildlich gesprochen: Tauscht man die Gastherme in Einzelwohnungen gegen ein auf Wärmepumpen basiertes Wärmenetz aus, wird der alte Energiekuchen von 100 % auf 25 % reduziert. Die 25 % sind der Strom, der in die Wärmepumpe geht, die 75 % die gewonnene Umweltwärme. Damit werden gleichzeitig der Gasverbrauch und der CO2-Abdruck reduziert. Berücksichtigt man zusätzlich, dass der Strom für die Wärmepumpe nach dem deutschen Energiemix schon zu gut 40 % aus erneuerbaren Energien stammt, ergibt sich im Vergleich zum Verbrauch der Gastherme eine Einsparung von konventionellen Energieträgern von mindestens 80 %.

?: Wodurch trägt Nah- und Fernwärme dazu bei, die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren?

!: Wer seine Wohnung mit einer Gastherme heizt, sitzt im kommenden Winter unter Umständen im Kalten. Mit der beschriebenen Lösung wird Gas durch Strom ersetzt. Der Strom kommt zu gut 40 % aus Wind und Sonne. Erneuerbare Energien werden massiv ausgebaut. Bis der Strom vollständig aus Erneuerbaren kommt, können andere Energieträger Gas im Strommix ersetzen.

Mit Wärmepumpe die Abhängigkeit vom Gas reduzieren“

?: Fernwärme in Kombination mit Wärmepumpen ist also nicht nur energieeffizienter, sondern auch kostensparender?

!: Der Gaspreis ist inzwischen um ein Vielfaches so hoch wie vor einem Jahr. Allerdings ist die Rechnung etwas komplizierter, weil die Technik teuer ist. Überall dort, wo es existierende Fernwärmenetze gibt, ist diese Lösung kostengünstiger. Dort muss nur der Gaswärmeerzeuger abgebaut und eine Großwärmepumpe eingebaut werden. Fehlt eine zentrale Wärmeversorgung, müsste zunächst ein Fern- oder Nahwärmenetz gebaut werden. Kurzfristig ist daher eine Kosteneinsparung nicht möglich, sie dauert etwas. Das ist der Stand heute.

Die aktuelle Energiekrise verändert die Vorzeichen. Früher waren Gas und entsprechende Gasthermen günstig. Durch die Gaskrise und die drastisch steigenden Gaspreise ist davon auszugehen, dass auch die Nebenkosten um ein Vielfaches steigen werden. Dadurch sieht die Anfangsrechnung anders aus. Es geht jetzt darum, dass Fern- und Nahwärmesysteme in Kombination mit Wärmepumpen auch unsere Abhängigkeit vom Gas reduzieren.

Länder wie Dänemark haben diesen Schritt schon vollzogen – obwohl das Land wenig große Städte hat, für die sich Fernwärmeversorgung anbietet. Aber vor dem Hintergrund der damaligen Ölkrise haben die Dänen in den 70er Jahren einen langfristigen strategischen Prozess gestartet, um sich aus der Ölabhängigkeit lösen zu können.

Nahwärme für Unternehmen ein zusätzliches Geschäftsfeld“

?: Vor allem der Ausbau von Nahwärme sollte demnach vorangetrieben werden. Für wen kommt dieses System in Frage?

!: Das können Kommunen sein, aber auch zunehmend Wohnungsbaugenossenschaften, weil der Ausbau gefördert wird. Für Unternehmen ist diese Lösung attraktiv und ein zusätzliches Geschäftsfeld, weil sie damit ihren Mietern oder Mitgliedern nicht nur Wohnraum zur Verfügung stellen, sondern auch die Energie liefern.

Weil zentrale Wärmesysteme energetisch sinnvoll sind und Effizienzgewinne liefern, sind sie ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzeptes der Bundesregierung – unabhängig davon, ob sie von einer Gemeinde, Kommune oder einem Unternehmen betrieben werden. Der Mieter ist in jedem Fall vom Gesetzgeber geschützt, weil er nicht schlechter gestellt werden darf als bei einer dezentralen Energieversorgung.

?: Herr König, vielen Dank für das Gespräch.

Über Danfos
Danfoss ist ein weltweit führender Anbieter von Energieeffizienzlösungen und erwirtschaftete 2021 einen Jahresumsatz von 7,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen entwickelt Lösungen zur Reduzierung von Emissionen und Energieverbrauch, für die Elektrifizierung und zur Steigerung der Maschinenproduktivität. Danfoss-Technologien werden in Bereichen wie Kühlung, Klimatisierung, Heizung, Energieumwandlung, Motorensteuerung, Industriemaschinen, Automobil-industrie, Schifffahrt sowie Off- und On-Highway-Ausrüstung eingesetzt. Als globaler Technologiepartner bietet das Unternehmen darüber hinaus Lösungen für erneuerbare Energien, wie Solar- und Windenergie und E-Mobilität sowie für die Fernwärme- und Fernkälte-Infrastruktur in Städten. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Nordborg/Dänemark, wurde 1933 gegründet und ist nach wie vor im Privatbesitz der Gründerfamilie. Danfoss beschäftigt weltweit mehr als 40.000 Mitarbeiter, bedient Kunden in über 100 Ländern und ist global mit 95 Produktionsstätten präsent.

Danfoss in Deutschland
Danfoss ist seit 1952 in Deutschland vertreten und beschäftigt hier rund 2.900 Mitarbeiter. Deutschland ist europaweit der größte Markt des dänischen Unternehmens. Danfoss ist mit allen Geschäftsbereichen sowie 15 Standorten – davon acht Produktionsstandorten – in Deutschland präsent. Deutscher Hauptsitz des Unternehmens ist Offenbach.
www.danfoss.de

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