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Was beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw zu berücksichtigen ist

Elektro-LKW
Der Elektro-Lkw MAN eTGM fährt zu 100 % elektrisch. Er verfügt laut Hersteller über die gleiche Nutzlast wie ein Truck mit konventionellem Verbrennungsmotor und hat eine Reichweite von bis zu 190 Kilometer. (Bild: MAN Truck & Bus SE)

NPM skizziert Leitplanken zum Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw

Die ab 2025 geltenden Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge erhöhen den Druck, die Weichen für einen Hochlauf der Elektromobilität im Lkw-Bereich zu stellen. Damit einher geht der Aufbau der passenden Ladeinfrastruktur. Die Arbeitsgruppe 5 Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zeigt in ihrem am 20. April 2021 veröffentlichten Bericht konkrete Handlungsbedarfe auf, um einen bedarfsgerechten und wirtschaftlichen Aufbau von privater und öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw zu erzielen.

Die Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw befindet sich noch in einer sehr frühen Phase. Durch die in den nächsten Jahren in Kraft tretenden Regularien müssen aber aufgrund der Vorlaufzeit bereits heute Weichen gestellt werden, damit Logistikunternehmen, Flottenbetreiber, Ladeinfrastruktur- und Fahrzeughersteller sowie Infrastruktur-Entwickler passende technische Lösung und Einrichtungen finanzieren, aufbauen und bereitstellen können. Der Bericht macht deutlich, dass es für eine Investitionsbereitschaft seitens der Logistikbranche und der Infrastrukturentwickler zunächst verlässliche Zahlen zum Hochlauf der Fahrzeuge bedarf, die im Rahmen von Clean-Room-Gesprächen ermittelt und den beteiligten Marktakteuren zur Verfügung gestellt werden müssen.

Ladetechnik

Anhand der identifizierten Ladeszenarien schafft der Bericht einen Überblick, an welchen Standorten und mit welchen Ladeleistungen Elektro-Lkw im privaten und öffentlichen Bereich perspektivisch geladen werden. Dabei wird auf Basis des bestehenden Combined Charging Standards (CCS) das private Laden im Depot in einem ersten Schritt im Fokus stehen, sowie der Aufbau eines initialen öffentlichen Netzes. Anhand der Ladeszenarien wird deutlich, dass besonders hohe Ladeleistungen von bis zu 1 Megawatt auch im öffentlichen Bereich nicht immer notwendig sein werden, beispielsweise während des Ladens über Nacht („Overnight-Charging“), für das geringere Ladeleistungen in Verbindung mit Lastmanagement sinnvoller sind.

Netzanschluss

Der Netzanschluss nimmt sowohl für das private als auch das öffentliche Laden eine zentrale Rolle ein, und es gilt, für eine möglichst reibungslose Umsetzung den lokalen Netzbetreiber frühzeitig einzubinden sowie die notwendigen Informationen zum Leistungsbedarf für die vorausschauende Planung bereitzustellen. Darüber hinaus wird im Bericht deutlich gemacht, dass aus Zeit- und Kostengründen die Netzanschlüsse im Mittelspannungsbereich gehalten werden und nicht in den Hochspannungsbereich gehen sollten sowie Puffer-Systeme und Optionen der Eigenoptimierung sinnvolle Ergänzungen darstellen.

Standorte und Wirtschaftlichkeit

In der tiefergehenden Betrachtung der Standorte und der Wirtschaftlichkeit für das Depot-Laden wird deutlich, dass zum einen Betriebshöfe für die Ausstattung mit Ladeinfrastruktur prioritär zu behandeln sind. Um jedoch dies auch umzusetzen, bedarf es einer ausreichenden finanziellen sowie prozessualen Unterstützung für die Logistikunternehmen bei der Flottenumstellung und dem Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur.

Für das öffentliche Laden stellen sich hinsichtlich der Standorte und der Wirtschaftlichkeit ebenfalls Herausforderungen u.a. mit Blick auf die Flächenverfügbarkeit für Lkw-Ladeplätze. In einem ersten Schritt sollten hierfür die freien Flächen auf Autohöfen und Rastanlagen sowie standortgünstige Betriebs- und Messegelände genutzt werden. In einem zweiten Schritt müssen jedoch bei einem entsprechenden Hochlauf auch neue Flächen entlang der Hauptverkehrsachsen geöffnet werden. Auch die Frage zur Verortung der Ladebuchse am Fahrzeug muss abschließend geklärt und standardisiert werden für eine effektive Standortplanung.

Hinsichtlich des wirtschaftlichen Betriebs öffentlicher Ladeinfrastruktur wird in der Hochlaufphase eine Wirtschaftlichkeitslücke bestehen, die geschlossen werden muss, beispielsweise über eine Anschubfinanzierung oder auch ein Vergabemodell wie es aktuell für den Pkw-Bereich vorbereitet wird. Dabei müssen jedoch die höheren Anforderungen an die Standorte und die Ladetechnik für Elektro-Lkw berücksichtigt werden.

Digitalisierung

Abschließend wird besonders im Bereich der öffentlichen Lkw-Ladeinfrastruktur die Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen, wie es sich beispielsweise in der Notwendigkeit eines Reservierungssystems zeigt. Der Bericht verdeutlicht, dass es für den reibungslosen Ablauf in der Logistikbranche einer Reservierungsmöglichkeit für öffentliche Ladeinfrastruktur bedarf, damit Fahrten und Ankunftszeiten genau geplant werden können. Auch dafür besteht aktuell noch ein größerer Klärungsbedarf hinsichtlich der Aufgaben, Pflichten und der Haftung der Beteiligten, einer Fair-Use-Policy sowie der Voraussetzungen für die technischen Umsetzung.

Elektro-Lkw

Ladeszenarien für Elektro-Lkw mit empfohlener Ladeleistung. (Grafik: NPM)

Der Bericht steht unter > www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/berichte/ zum Download bereit.

Über NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität
Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klimagerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträgerübergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
www.plattform-zukunft-mobilitaet.de

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