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Offshore-Windenergie – Branche blickt in Deutschland trotz Ausbaulücke optimistisch in die Zukunft

Offshore-Windenergie
Ein Schlepper zieht die Hubinsel Buzzard ins Baufeld. (Bild: Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE / Matthias Ibeler)

7.760 MW installierte Gesamtleistung bei Offshore-Windenergie zum 30. Juni 2020

„Besonders vor dem Hintergrund des geringen Zubaus begrüßen wir, dass durch die Verankerung der 20 GW Offshore-Windenergie bis 2030 und 40 GW bis 2040 nun langfristige Planungssicherheit geschaffen wird. Mit den erhöhten Ausbauzielen stärkt die Offshore-Windenergie den Klimaschutz und schafft wirtschaftliche Entwicklung“, kommentieren die Branchenorganisationen BWE, BWO, VDMA, WAB und die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE die heute von der Deutschen WindGuard veröffentlichten Offshore-Ausbauzahlen.

Wie bereits Anfang des Jahres prognostiziert, wurden im ersten Halbjahr 2020 lediglich 32 Offshore-Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von 219 MW an das deutsche Netz angeschlossen. Dieser Wert entspricht rund 11 % der installierten Leistung von 2 GW, welche die heimische Wertschöpfungskette im Jahr 2015 realisieren konnte. Damit liefern in Deutschland nach aktuellem Stand 1.501 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 7.760 MW zuverlässig Offshore-Windstrom. Das Ausbauziel der Bundesregierung für 2020 wurde bereits im ersten Halbjahr erreicht.

„Nicht zuletzt aufgrund der langen Vorlaufzeit von Offshore-Windparks haben wir lange davor gewarnt, dass uns eine Ausbaulücke bevorsteht. Nun stecken wir mitten drin. Die Herausforderung besteht jetzt darin, diese Ausbaulücke so klein wie möglich zu halten und den Heimatmarkt für Offshore-Windenergie wieder nachhaltig und dauerhaft zu stärken. Neben der gesetzlichen Verankerung der Langfristziele gehört dazu auch die schnellstmögliche Ausschreibung der verfügbaren Flächen sowie die Wahl eines volkswirtschaftlich effizienten Vergütungssystems für zukünftige Offshore-Windprojekte“, so die Branchenorganisationen. Die Grundlage dafür sollte zügig nach der Sommerpause und im Dialog mit der Branche geschaffen werden.

Differenzverträge sind volkswirtschaftlich effizient

Wie der Bundesrat spricht sich auch die Branche dafür aus, die Einführung von Differenzverträgen ernsthaft zu prüfen und unter Einbeziehung aller relevanten Stakeholder zu diskutieren. Dieses Modell gibt es bereits in anderen europäischen Ländern – beispielsweise in Großbritannien, Frankreich, Italien und Dänemark. Es würde also auch grenzübergreifende Ausschreibungen vereinfachen.

„Die in der Änderung des WindSeeG vorgesehene zweite Gebotskomponente erhöht hingegen die Investitionskosten und somit auch die Stromgestehungskosten“, so die Branchenorganisationen. Für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise sind international wettbewerbsfähige Strompreise jedoch von großer Bedeutung. Ansonsten droht ein weiterer Verlust wichtiger Arbeitsplätze sowie „Carbon Leakage“ durch Abwanderung deutscher Industrieunternehmen ins Ausland.

Anders als die zweite Gebotskomponente könnten Differenzverträge die Realisierung von Offshore-Windprojekten sichern und so zur Erreichung der nationalen sowie europäischen CO2-Minderungsziele beitragen. „Dabei gilt es zu prüfen, ob eine Verbindung mit Power Purchase Agreements (PPA) oder sonstigen Vermarktungsformen und damit eine Weitergabe der grünen Eigenschaft möglich ist. Derart ausgestaltete Differenzverträge sorgen für einen kosteneffizienteren Ausbau der Offshore-Windenergie, verhindern in Verbindung mit wettbewerblichen Ausschreibungen eine Überförderung und gewährleisten langfristig niedrige und stabile Stromkosten“, argumentieren die Branchenorganisationen. Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gehen davon aus, dass die Stromgestehungskosten durch Differenzverträge um etwa 30 %gegenüber den aktuell vorgelegten Vorschlägen des BMWi gesenkt werden können.

Offshore-Windenergie hervorragend zur Produktion von grünem Wasserstoff geeignet

Die Verbände begrüßen den in der nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) angelegten Hochlauf im Heimatmarkt und unterstreichen, dass der Offshore-Windenergie hierbei eine Schlüsselrolle zukommt. „Mit ihren hohen Volllaststunden ist Offshore-Windenergie hervorragend zur Produktion von grünem Wasserstoff geeignet“, erklären die Branchenorganisationen. Da eine direkte Elektrifizierung nicht in allen Sektoren technisch oder wirtschaftlich realisierbar ist, sind synthetische Energieträger auf Basis erneuerbarer Energien ein unverzichtbares Element zur Erreichung der Klimaziele.

„Mit der NWS eröffnet sich die Chance, etwa 3 GW Offshore-Windenergie zur Produktion von grünem Wasserstoff zu nutzen. Hierfür müssen möglichst zügig zusätzliche Flächen voruntersucht und ausgeschrieben werden“, so die Branchenorganisationen. Das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) hat im Vorentwurf des Flächenentwicklungsplans die ersten beiden Flächen für Power-to-X in Nord- und Ostsee benannt. Der Beginn des Vergabeverfahrens für diese Flächen sollte 2021 sein. Auch hier muss ein Anreizsystem mit effizienten Abgabe- und Umlagemechanismen entwickelt werden, um einen schnellen Markthochlauf von grünem Wasserstoff in Deutschland herbeizuführen.

Voraussetzungen für grenzüberschreitende Offshore-Projekte schaffen

Im Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wird Offshore-Windenergie ebenfalls als wichtige Säule der „Green Recovery“ und der Energiewende anerkannt. Da Deutschland seit Jahresbeginn zusätzlich den Vorsitz der Nordseekooperation innehat, bietet das kommende halbe Jahr gute Voraussetzungen, um den Grundstein für grenzüberschreitende Offshore-Windprojekte zu legen.

„Die internationale Vernetzung von Offshore-Windparks ist eine strategische Aufgabe, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Initiative zur maritimen Raumplanung ist hier aus unserer Sicht ein entscheidender erster Schritt“, erklären die Branchenorganisationen. Es braucht jetzt eine zügige Festlegung, welche Flächen für grenzüberschreitende Projekte geeignet sind, um darauf aufbauend den Investitionsrahmen zu klären.

Offshore-Windenergie wird signifikanten Beitrag zu „Green Recovery“ leisten

„In der Nord- und Ostsee sind die Potenziale noch nicht ausgereizt. Dazu zählen auch verfügbare Flächen und freie Netzkapazitäten in Höhe von 1.860 MW, die kurzfristig vergeben werden könnten. Wenn die Weichen jetzt richtig gestellt werden, werden diese nicht nur einen signifikanten Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise leisten, sondern darüber hinaus auch in hohem Maße zur Erreichung der Klimaziele und zur Versorgungssicherheit während der Energiewende beitragen“, kündigen die Branchenverbände an.

www.offshore-stiftung.de

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