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Französischer Energieversorger Engie übernimmt Mobisol GmbH

Solarzelle auf Reetdach
Was Strom für die Menschen in Afrika bedeutet, vermittelt Mobisol auf der Homepage anhand einiger Beispiele: Vorgestellt wird dort u.a. „Herr Teti", der in der ländlichen Gegend von Madji ya Chai in Tansania lebt. Er besitzt vier kleine Unternehmen: Einen Lebensmittelladen, eine Telefonladestation, einen Friseurladen und ein Schneidergeschäft. Alles wird von einem einzigen 200-Watt PV-Modul von Mobisol betrieben! Zusätzlich erwarb Teti einige DC-Geräte von Mobisol: Mit dem Mobicharger kann er zehn Kundentelefone gleichzeitig aufladen. „Ich liebe es, dass ich mit meinem Solarsystem Geld verdiene und die Raten von dem, was ich verdiene, abzahlen kann", wird er zitiert. Das Bild an dieser Stelle (von Teresa Cotrim / Pixabay) hat mit dem Projekt nichts zu tun.

– Mitarbeiter behalten ihre Arbeitsplätze
– Operativen Tochtergesellschaften werden übernommen

Der französische Energie-Versorger Engie wird neuer Eigentümer der Mobisol GmbH, Start-Up mit Sitz in Berlin und Vorreiter in der Entwicklung von Solaranlagen für Haushalte und Kleinstunternehmen ohne Stromnetzanbindung in Afrika. Der Gläubigerausschuss hat diesem Vorschlag der Eigenverwaltung und des Sachwalters zugestimmt. Zum endgültigen Abschluss der Transaktion bedarf es noch der Genehmigung durch regionale Kartellbehörden, insbesondere Tansania. 

Sanierungs-Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger (Restrukturierungspartner KG) sagt: „Es freut mich sehr, dass mit der Sanierung sowohl das Unternehmen Mobisol wie auch die Idee dahinter weiterlebt.“ Und Mobisol-Sachwalter Friedemann Schade (BRL BOEGE ROHDE LUEBBEHUESEN) fügt hinzu: „Neben der sehr zügigen Übernahme ist besonders schön, dass alle Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Weniger und Schade sind langjährige Sanierungsexperten mit Erfahrungen im Startup- und Energie-Sektor.

Komplexität durch sieben verschiedene Jurisdiktionen

Mit gleicher Erfahrung unterstützt Daniel Fritz (DENTONS Europe LLP) Mobisol in der Eigenverwaltung. Der Chief Insolvency Officer (CIO) betont: „Eine besondere Herausforderung war die immense Komplexität aus sieben verschiedenen, teils sehr speziellen Jurisdiktionen. Laufend abgestimmt werden musste der gesamte Prozess mit englischem, chinesischem, deutschen, kenianischem, ruandischem, tansanischen und mauritianischem Recht. Hier hat das gesamte Team wunderbar zusammengewirkt.“

Engie plant, die Mobisol GmbH nach deren formellen Übernahme weiterzuentwickeln. Das französische Unternehmen war ursprünglich aus der Fusion des mehrheitlich in staatlicher Hand befindlichen Gasversorgers „Gaz de France“ und des Mischkonzerns „Suez“ 2008 unter dem Namen „GDF Suez“ hervorgegangenen. Seit 2015 trägt die Gesellschaft ihren heutigen Namen. Mobisol befindet sich seit Mitte April 2019 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Bis zur Kartellgenehmigung bleiben alle Restrukturierungsverantwortlichen mit an Bord.

„Internationaler Verkaufsprozess in Rekordzeit“

Stefan Weniger: „Sehr schön ist, dass wir mit Engie einen wirklich hervorragenden Partner unter vielen, hochprofessionellen Bietern gefunden haben und für die über 60 Mitarbeiter in Berlin aber auch die über 500 festen und weiteren 300 freien Mitarbeiter in Afrika eine Perspektive schaffen konnten“. Daniel Fritz betont: „Alles in allem handelt es sich damit um einen internationalen Verkaufsprozess in Rekordzeit, was dem konstruktiven Mitwirken aller Beteiligten auch auf Seite der internationalen Kreditgeber zu verdanken ist. Damit ist für über eine halbe Million Menschen auch weiterhin eine netzunabhängige Stromversorgung gewährleistet.“

Abgewartet werden muss noch die Entscheidung der Kartellbehörde in Tansania. Hier gehen die Beteiligten von einer Entscheidung im Herbst aus. „Grundsätzlich sind wir zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörde grünes Licht gibt und damit den gerade für tansanische Verhältnisse bedeutsamen Arbeitgeber und Off-grid-Stromversorger erhalten werden,“ so Friedemann Schade.

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