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„Smarte Netze bieten immense Optimierungschancen“

Fokus auf smarte Netze: Die VIVAVIS AG bündelt Kompetenzen und IT-Lösungen für Netzbetreiber. (Bild: VIVAVIS)

Alles aus einer Hand für smarte Netze

Wie auf energie.blog kürzlich > berichtet, wurden zum 31. August 2020 die IT-Unternehmen VIVAVIS GmbH, IDS GmbH, GÖRLITZ AG und Erwin Peters Systemtechnik GmbH zur VIVAVIS AG verschmolzen. Damit hat die VIVAVIS-Unternehmensgruppe die Zusammenführung ihres Lösungsgeschäftes für Energieversorger vorläufig abgeschlossen. Anlass, mit Ralf Thomas zu sprechen. Der promovierte Elektrotechniker, bei der VIVAVIS AG verantwortlich für Unternehmenskommunikation, M&A sowie Qualitätsmanagement, hat den gesamten Prozess begleitet, seit 2014 in verantwortlicher Rolle. Über die in der VIVAVIS AG verschmolzenen Kompetentenzen und IT-Lösungen für smarte Netze verfüge in dieser Breite und Tiefe kein anderer Anbieter.

Smarte Netze

Dr. Ralf Thomas, VIVAVIS AG

e.b: Herr Dr. Thomas, die Zusammenführung von vier Unternehmen zur VIVAVIS AG markiert das Finale eines langen Integrationsprozesses. Können Sie bitte den roten Faden erläutern? Was waren die Gründe für die Neuorganisation?

Thomas: Vor rund zehn Jahren hat sich die damalige IDS GmbH neu ausgerichtet. Bis dahin war das Unternehmen ausschließlich im Bereich Netzleittechnik aktiv. Netzbetreiber haben zur Erfüllung ihrer Aufgabe aber nicht nur Netzführungstechnik im Einsatz, sondern viele andere Systeme, etwa für die Zählerablesung, die geobasierte Netzdokumentation, das Asset Management und Energie-Management. Ferner benötigen die Netzbetreiber grundlegende IT-Unterstützung. Durch die Digitalisierung begannen all diese Systeme zusammenzuwachsen. Deshalb haben wir damals beschlossen, uns breiter aufzustellen und dadurch unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

e.b: Mit der Folge, dass mehrere Firmen erworben wurden?

Thomas: Richtig. Zwischen 2011 und 2016 haben wir eine Reihe von Firmen hinzugekauft. Die GÖRLITZ AG mit der Fokussierung auf das Metering, die Erwin Peters Systemtechnik GmbH als Spezialist für Automatisierung und Netzführung, die Firma CAIGOS mit ihren GIS-Systemen, die Firma BERG mit dem Fokus auf Energie-Controlling und Energie-Management-Systeme sowie die Systema Datentechnik GmbH als klassisches IT-Systemhaus. Ergänzend kamen Lösungen für Asset Management und Workforce Management hinzu. Mit diesem Portfolio waren wir in der Lage, Netzbetreibern praktisch alles zu liefern, was sie an Software und IT für den technischen Bereich benötigen.

„Firmen, Menschen und Technik verzahnen und integrieren“

e.b: Sie hatten nun viele Lösungen unter einem Dach versammelt, konnten diese aber vermutlich noch nicht aus einer Hand anbieten…

Thomas: Klar, zunächst stand im Fokus, Firmen, Menschen und Technik zu verzahnen und zu integrieren. Es folgte eine Phase von ca. drei Jahren, in der die Zusammenarbeit zwischen den Firmen stark im Vordergrund stand. Wir haben viele gemeinsam Projekte in Deutschland und Europa abgewickelt. Dabei ging es darum, dass wir uns kennenlernen und die Prozesse im Bereich des Vertriebes, der Entwicklung, des Produktmanagements, des Projektmanagements und des Services harmonisieren. Parallel haben wir in den letzten zwei Jahren weitere Geschäftsfelder erschlossen, die wir mit unserem digitalen Leistungsspektrum sehr gut abdecken können. Diese neuen Geschäftsfelder liegen in den Bereichen Quartiere, E-Mobility, Wasserwirtschaft und Industrie.

e.b: Wie ging es organisatorisch weiter?

Thomas: Wir wollten natürlich nicht dauerhaft als Blumenstrauß an Einzelunternehmen auftreten, sondern gemeinsam unter einer Fahne. So kam es dazu, dass alle Firmen der damaligen IDS-Gruppe, die sich mit dem Thema Energie beschäftigen, zusammengeführt wurden. Das begann schon 2016 mit ersten gemeinsamen Messeauftritten. Der nächste große Schritt war, dass wir die Holding-Gesellschaft in VIVAVIS umbenannt haben und die neuen Geschäftsfelder schon unter der Marke VIVAVIS angeboten haben. 2020 war es an der Zeit, sich auch gesellschaftsrechtlich zusammenzutun. Die VIVAVIS GmbH, die IDS GmbH als ehemalige Holding, die GÖRLITZ AG und die Erwin Peters Systemtechnik GmbH fusionierten zur neuen VIVAVIS AG.

e.b: Eine Reihe weiterer Unternehmen und Geschäftsbereiche im Konzern agiert unter separater Flagge. Warum ist das so?

Thomas: Das liegt hauptsächlich daran, dass diese Tochterunternehmen der VIVAVIS AG in anderen Branchen und Märkten unterwegs sind. Die GIS-Systeme der Firma CAIGOS werden vor allem im kommunalen Sektor eingesetzt. Wir haben die Firma BERG noch nicht in den Fusionsprozess hineingenommen, weil sie schwerpunktmäßig im Bereich der energieintensiven Industrie tätig ist. Die VIVASECUR GmbH konzentriert sich auf den BOS-Bereich, sprich auf Lösungen für Behörden, Organisationen und Sicherheitsaufgaben. Wir liefern dort Leitstellen für Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizei. Die AMW Anlagen-Montagen Werder GmbH, Spezialist für Hoch-, Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen, haben wir erst kürzlich erworben und muss noch integriert werden. Die Systema Datentechnik GmbH, bei der die VIVAVIS AG ebenfalls die Führungsgesellschaft ist, stellt als Digitalisierungspartner für Betreiber kritischer IT Infrastrukturen und intern für unseren Unternehmensverbund die nötigen IT-Lösungen zur Verfügung.

„Der Markt begrüßt diesen Schritt“

e.b: Wir reagiert der Markt auf die Fusion?

Thomas: Der hat das schon lange erwartet und begrüßt diesen Schritt. Nachdem wir festgestellt haben, dass wir tatsächlich gut zusammenpassen, haben wir beschlossen, ihn auch umzusetzen.

e.b: Was ist beim Zusammenschluss im Hintergrund passiert?

Thomas: Eigentlich gar nicht mehr viel. Wir haben dem, was wir in der praktischen Arbeit gelernt und trainiert haben, einen gesellschaftsrechtlichen Rahmen gegeben. Natürlich werden wir noch enger zusammenwachsen. Das betrifft etwa die IT-Infrastruktur innerhalb der Unternehmen, obwohl da inzwischen auch viel passiert ist. Wir betreiben schon seit längerer Zeit gemeinsame Systeme für die interne Prozesssteuerung und das Wissensmanagement. Vor allem aber treten wir nun nach dem Motto „one face to the customer“ auf.

e.b: Was standortübergreifend kein Problem ist?

Thomas: Überhaupt kein Problem. Wir bewegen uns in den bekannten räumlichen und organisatorischen Strukturen. Die Zentrale der VIVAVIS AG befindet sich in Ettlingen, die Standorte der fusionierten Unternehmen – Bochum, Koblenz und Berlin – sind nun Niederlassungen der VIVAVIS AG. Der Vorstand besteht praktisch aus den Führungskräften der alten Unternehmen. Durch Überkreuz-Geschäftsführungen haben wir dieses Konstrukt praktisch schon vorher gelebt.

e.b: Hat die Corona-Pandemie die Fusion und Ihr Geschäft beeinflusst?

Thomas: Nicht wirklich. Man kann heute sehr viele Dinge in virtuellen Räumen erledigen. Bei klassischen Montagen vor Ort oder beim Aufbau von Rechenzentren gab es hier und da mal kleine Verzögerungen, weil wir nicht auf die Baustelle gekommen sind oder keine Unterkünfte für Monteure gefunden haben. Insgesamt haben wir als IT-Unternehmen von der Pandemie eher etwas profitiert. Natürlich wünscht man sich mehr persönliche Kontakte.

„Kunden haben es nur noch mit einem Vertragspartner und weniger Ansprechpartnern zu tun“

e.b: Welche operativen Vorteile haben Sie und ihre Kunden von der Fusion?

Thomas: Wir sparen uns immens viel Aufwand bei Administration, Markenpflege, Produktpflege etc. Diese Aufgaben lassen sich nun viel einfacher koordinieren. Prozesse wie Controlling, Rechnungswesen, Personalwesen, Qualitäts- und Informations-Sicherheitsmanagement wurden schon vorher zentral gesteuert. Was sich aber wesentlich ändert: Der Verrechnungsaufwand zwischen den einzelnen Unternehmen fällt weg. Entsprechend einfacher wird es auch für unsere Kunden, die es nur noch mit einem Vertragspartner und weniger Ansprechpartnern zu tun haben.

e.b: Ist es das, was der Markt von VIVAVIS erwartet?

Thomas: Unsere Kunden erwarten von uns primär, dass wir sie als schlagkräftiger Helfer bei der Umsetzung der Digitalisierung unterstützen. Es ist ein ganzes Bündel an Anforderungen, dem sich die Branche stellen muss. Der Gesetzgeber und die Marktentwicklung erzeugen großen Veränderungsdruck. Heute sieht die Welt mit hunderttausenden volatilen Erzeugern und Verbrauchern im Verteilnetz ganz anders aus als früher, als der Strom nur eine Fließrichtung kannte. Das Thema Netzstabilität, das früher in Deutschland allein auf den Schultern der vier Transportnetzbetreiber lag, verlagert sich in den Aufgabenbereich der Stadtwerke. Wenn wir an Elektromobilität, smarte Quartiere und Smart Home denken, kommen viele neue Steuerungs- und Optimierungsfunktionen hinzu. All dem sind viele mittelgroße und kleine Stadtwerke allein kaum gewachsen, gerade auch was die IT-Sicherheitsanforderungen betrifft. Vor diesem Hintergrund ist unsere Fusion der richtige Schritt und das Signal, dass wir als Partner der Branche dafür gewappnet sind.

„Sämtliche IT, die ein Netzbetreiber benötigt, liefern wir aus einer Hand“

e.b: Was ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal der VIVAVIS AG?

Thomas: Wir bieten im deutschsprachigen Raum eine einmalige Konstellation, denn wir können sämtliche IT, die ein Netzbetreiber benötigt, aus einer Hand liefern. Ich sehe im Markt keinen Anbieter, der in dieser Breite und Tiefe über ein vergleichbares Portfolio verfügt. Das kommt bei unseren Kunden hervorragend an. Sie haben auch weniger Schnittstellen zwischen ihren IT-Systemen, weil wir die intern vorweg abstimmen.

e.b: Was sind die nächsten Ziele?

Thomas: Wir wollen weiter wachsen, auch in Richtung Europa. 70 % unseres Geschäftes entfallen aktuell auf den D-A-CH-Bereich, 30 % auf das weitere Ausland, von Finnland über Marokko bis Dubai. Unseren Markt definieren wir anschaulich als den Bereich, den man binnen vier Stunden mit dem Flugzeug erreichen kann. Die Bedarfe in internationalen Märkten sind ähnlich. Insofern sehen wir dort einen großen Markt für uns.

e.b: Ihre Botschaft an den Markt im Zeitalter der Digitalisierung?

Thomas: Wir versuchen unseren Kunden davon zu überzeugen, Energie klug und effizient zu erzeugen und zu verteilen. Es wäre zu einfach, auf die aktuellen Herausforderungen damit zu reagieren, dass man einfach zehnmal so starke und teure Kabel vergräbt. Aber das erfordert natürlich enorme Investitionen. Man kann durch Optimierung und Steuerung viel tun, um das Potenzial des existierenden Netzes besser zu nutzen, ohne dafür so tief in die Tasche greifen zu müssen.

e.b: Ist beim Optimieren noch viel Saft in der Orange?

Thomas: Das Optimierungspotential entwickelt sich. Bislang erleben wir eine Phase starken Ausbaus dezentraler Energieerzeugung. Aber jetzt kommen wir in eine zweite Phase mit immer mehr Prosumern, die hunderttausende Elektromobile ans Netz anschließen. Dieses Szenario müssen die lokalen Netzbetreiber intelligent organisieren – bis hin zu der Option, dass die Batterien der Elektromobile ihre Energie auch zur Spitzenlastabdeckung wieder dem Netz zur Verfügung stellen können. Smarte Netze bieten immense Optimierungschancen!

e.b: Herr Dr. Thomas, vielen Dank für das Gespräch!

Über VIVAVIS

Informationen zum Unternehmen finden Sie in der Company-Box.

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