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Transparente und kundenfreundliche Vergleichsportale für Strom- und Gastarife braucht das Land

Lars Quiring, Vorstand der GET AG
Lars Quiring, Vorstand der GET AG, kündigt ein neues Vergleichsportal für Strom- und Gastarife an (Bild: GET AG).

»Wir starten ein Vergleichsportal, das vieles anders machen wird als heute üblich«

Vergleichsportale für Energietarife: Wie könnte ein wirklich faires und nachhaltiges Portal aussehen? Gespräch mit Lars Quiring, Vorstand der GET AG in Leipzig, die ein neues Vergleichsportal auf den Markt bringen wird.

energie.blog: Immer mehr Internetnutzer schließen Strom- und Gasverträge über Portale ab. Wie ist diese Entwicklung für Verbraucher und Versorger zu bewerten?

Quiring: Auf den ersten Blick bieten die großen herkömmlichen Portale eine Win-Win-Situation für Anbieter und Verbraucher: Die Anbieter können ihre Tarife der passenden Zielgruppe präsentieren, und die Nutzer erhalten schnell und bequem das günstigste Angebot. Weil dies so bestechend einfach erscheint, sind Vergleichsportale auch extrem erfolgreich – und das gilt für viele Branchen. Jedoch gibt es einige versteckte Mechanismen, die es zu beachten gilt: Vergleichsportale fordern bei erfolgreicher Vermittlung teilweise hohe Provisionen und andere Konditionen, die gerade für kleinere Unternehmen meist nicht verhandelbar sind. Durch diese Provisionszahlungen sind diese Portale auch nicht so unabhängig, wie es für Verbraucher scheint. Gleichzeitig wird den Verbrauchern jedoch suggeriert, sie nähmen an einem idealen, transparenten Markt teil. Nicht umsonst hat das Bundeskartellamt letztes Jahr eine Untersuchung von Vergleichsportalen eingeleitet.

energie.blog: Wie bewerten Sie die auf den herkömmlichen Energie-Vergleichsportalen angebotenen Tarife?

Quiring: Viele auf diesen Portalen angebotene Tarife zielen mit hohen Bonusangeboten auf häufige Tarifwechsler ab. Diese Tarife werden im zweiten Beitragsjahr deshalb oftmals teurer. Das müssen sie auch, weil sie nicht deckungsbeitragspositiv kalkuliert sind. Der Preis der Tarife im ersten Jahr ist also niedriger als die Summe aus Netzentgelten, Steuern, Abgaben, Umlagen und Beschaffungskosten. Dies ist dann eher eine »Lose-lose-Situation« für beide Seiten: Für Versorger bedeuten Neukunden, die nach dieser Portallogik gewonnen werden, zunächst Verluste. In vielen Fällen dauert es Jahre, bis sich diese Kundengewinnungskosten amortisieren – allerdings wechseln viele Kunden bereits nach Ablauf der Vertragslaufzeit den Anbieter. Diese »Wechselfreudigkeit« liegt ja auch im Interesse der großen Tarifportale.

Kunden, die nicht jedes Jahr neue Angebote vergleichen wollen, sondern sich nur wünschen, dass mit ihrem Strom- oder Gasvertrag »alles rund läuft«, werden durch diese Preiserhöhungen jedoch oft überrascht und sind dann unzufrieden mit dem Anbieter. Keine guten Voraussetzungen für eine positive und nachhaltige Kundenbeziehung! Dennoch ist ein anderer Mechanismus auf den meisten Vergleichsportalen kaum möglich, weil Tarife mit hohen Bonuszahlungen ganz oben gelistet werden. Wenn ein Anbieter sich dem verweigert zugunsten eines nachhaltigeren Angebots, dann ist er schnell »unter ferner liefen« zu finden.

Auch der Verbraucherschutz kritisiert diese Prozesse stark und fordert ein anderes Vorgehen. Wir von der GET AG sehen das genauso. Nachdem wir als Informationsdienstleister für die Energiebranche  fundierte Kenntnisse und vertiefte Einblicke in den Markt besitzen, haben wir uns entschlossen ein neues Vergleichsportal für Strom- und Gastarife zu starten, das vieles anders machen wird als heute üblich.

energie.blog: Welche Forderungen hat der Verbraucherschutz an Vergleichsportale?

Quiring: Verbraucherschützer bemängeln die fehlende Transparenz in diesem Markt. Die meisten Vergleichsportale finanzieren sich durch Vermittlungsprovisionen oder Werbeeinnahmen, legen dieses Geschäftsmodell vor den Verbrauchern aber nicht umfassend genug offen. Darüber hinaus werden kundenfreundlichere Vertragsbedingungen angemahnt, also zum Beispiel eine Vertragslaufzeit für das erste Jahr von maximal zwölf Monaten.

energie.blog: Was schlagen Sie vor, um diese Forderungen für Energie-Vergleichsportale umzusetzen?

Quiring: Einfacher Abschluss, faire Konditionen und Nachhaltigkeit: Diese Aspekte wünschen sich Strom- und Gaskunden. Warum sollte man diesen Wünschen also nicht einfach nachkommen? Und zwar zum Vorteil der Verbraucher und der Versorger, die dadurch langfristige Kundenbeziehungen aufbauen können. Ein transparentes Portal sollte auf nachhaltige und vergleichbare Tarife setzen, die sich an den Richtlinien des Verbraucherschutzes orientieren und  beispielsweise faire Vertragslaufzeiten anbieten. Darüber hinaus sollte es keinen Neukunden-Bonus geben, um von vornherein auszuschließen, dass Verträge dadurch auf häufige Wechsler ausgerichtet sind. Seriosität der Anbieter ist ein weiterer wichtiger Faktor – ein faires Portal sollte nur Angebote von bonitätsgeprüften Anbietern listen, um Verbraucher vor »schwarzen Schafen“ zu schützen. Ganz wichtig auch: ein transparentes Ranking der Tarife – und zwar nicht nur anhand des Preises. Vielmehr sollten auch Qualitätskriterien und Kundenbewertungen eine Rolle spielen.

Last but not least: Wenn es in einem Portal keine Werbung innerhalb des Rankings gibt, dann kann diese das Ergebnis auch nicht verfälschen. All diese Aspekte wird die GET AG in ihren geplanten Vergleichsportal für Strom- und Gaskunden umsetzen, um ein faires und transparentes Angebot zu schaffen.

energie.blog: Welche Vorteile bringt ein faires Vergleichsportal den Strom- und Gasanbietern?

Quiring: Ganz klar: Der Vorteil ist ein fairer Wettbewerb ohne Preis-Dumping. Dies erreichen wir, in dem auf dem Portal der GET AG von vornherein alle nicht kostendeckenden Tarife ausgeschlossen sind. Auch sollten Vergleichsportale Unternehmen nicht durch individuell ausgehandelte und oft sehr hohe Provisionen unter Druck setzen. Auf dem Portal der GET AG wird deshalb jeder Partner die gleiche Gebühr für den Abschluss von Verträgen zahlen, statt individuell ausgehandelter Provisionen.

Außerdem stehen langfristige und positive Kundenbeziehungen für Versorger klar im Fokus – dieses Ziel kann durch nachhaltige und für beide Seiten faire Tarife erreicht werden. Verbraucher sind gegenüber  Energieversorgern relativ skeptisch eingestellt. Durch die Chance auf eine nachhaltigere Tarifgestaltung könnte sich auch dieses Bild in der Öffentlichkeit mittelfristig ändern.

energie.blog: Welche Partner sind bereits mit an Bord und sind Sie auf der Suche nach weiteren?

Quiring: Das Portal der GET AG wird verschiedene Strom- und Gastarife von relevanten Partnern in der Energiebranche listen, unter anderem von den Stadtwerken Heidelberg, E wie EINFACH und GAS IN. Wir sind momentan im Gespräch mit weiteren Partnern und sind jederzeit offen für Versorger und Anbieter, die auf langfristige und faire Kundenbeziehungen setzen wollen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies für einen Großteil der Branche gilt. Die GET AG ist ein erfahrener und neutraler Informationsdienstleister der Energiebranche – unsere bestehenden und zukünftigen Partner arbeiten also mit einem Portalbetreiber zusammen, der sich genauestens mit dem Energiemarkt auskennt.

energie.blog: Herr Quiring, vielen Dank für das Gespräch.

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