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Das Ohr am Puls der Stadtwerke-Transformation

Stadtwerke-Transformation
Stadtwerke-Transformation im Fokus: Blick ins Plenum des smartOPTIMO Forum Netz und Vertrieb 2022 in Münster. (Bilder: Ingo Lübke)

Das neue GNDEW bringt Schwung in die Stadtwerke-Transformation

Das war perfektes Timing! Am Vorabend des Forums Netz & Vertrieb bei smartOPTIMO wurde der Referentenentwurf zur Novelle des neuen Messstellenbetriebsgesetzes veröffentlicht. Gut zwölf Stunden später konnte Jan-Hendrik vom Wege (BBH) den Gästen in Münster schon die wesentlichen Inhalte präsentieren. Sein Vortrag zum „Entwurf eines Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende – GNDEW“ – so der neue programmatische Titel des Gesetzes – war der Auftakt einer von A bis Z superspannenden Veranstaltung, die smartOPTIMO unter das Motto „Change – Stadtwerke in der Transformation“ gestellt hatte.

smartOPTIMO-Geschäftsführer Dr. Fritz Wengeler äußerte sich erfreut und optimistisch zur Gesetzesnovelle: „Jetzt kommt richtig Schwung in die Sache. Umso wichtiger ist es, für alle Stadtwerke und insbesondere grundzuständigen Messstellenbetreiber, den Rollout intelligenter Messsysteme voranzutreiben, denn der Druck steigt. Wir gehen mit aller Kraft die verbliebenen technischen Baustellen wie GWA-Prozesse und CLS-Management an, da ist in den nächsten Monaten noch etwas zu sortieren. Wenn das klar ist, werden wir eine Vervielfachung der Rollout-Stückzahlen erleben. Dass die Geschwindigkeit der Veränderungen steigen wird, passt zum Leitthema unseres Forums Netz & Vertrieb – wir müssen alle schneller und agiler werden.“

Sie wollen mehr zur Novelle wissen? smartOPTIMO bietet hierzu am 14. Dezember 2022 eine Sonderveranstaltung „Stadtwerke Treffpunkt Aktuell“ an, Anmeldung unter https://www.smartoptimo.de/seminare/

GNDEW bringt Entbürokratisierung und Prozessvereinfachung

Was bringt das GNDEW? Durch Entbürokratisierung und Prozessvereinfachung drückt der Gesetzgeber beim Rollout (iMSys) massiv aufs Tempo. Hier einige Kernpunkte des Entwurfs:

  • Es soll keine Marktanalysen und keine Marktverfügbarkeitserklärungen durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mehr geben.
  • Die Drei-Hersteller-Regel soll entfallen. Das Tempo bestimmt der innovativste Anbieter.
  • Agiler Rollout: Sofortiger Start bei Letztverbrauchern unter 20.000 kWh Jahresverbrauch und Anlagenbetreibern bis 25 kW installierter Erzeugungsleistung.
  • Funktionen wie Steuern und Schalten sollen nachträglich durch Anwendungs-Updates auf die SMGWs aufgeschaltet werden können.
  • Beschleunigte Einführung dynamischer Tarife (ab 2026 Pflicht für alle Lieferanten).
  • Gerechtere Kostenverteilung zwischen Anschlussnutzern und Netzbetreibern. Letztgenannter gilt als „besonderer Profiteur“ und trägt mit einem Sockelbetrag von 80 Euro das Gros der Kosten.
  • Vereinfachung der sicheren Lieferkette: Der massengeschäftstaugliche Geräteversand beispielsweise per Post wird möglich.
  • Neue Ausbauquoten u.a. für alle Letztverbraucher und Anlagenbetreiber beim Pflicht-Rollout: 10 % aller auszustattenden Messstellen bis 2025, 50 % bis 2028 und 95 % bis 2030. Bei Nichterfüllung der Einbauquoten droht keine Zwangsausschreibung mehr, sondern die BNnetzA kann Pönalen verhängen.
  • Fällt der grundzuständige Messstellenbetreiber (MSB) aus, übernimmt ein bundesweiter Auffang-MSB.
„Transformation ist mehr als Change“

Ein Höhepunkt, weil seltene Einblicke gewährend: der Vortrag von Stefan Grützmacher, Vorstand der Stadtwerke Osnabrück AG. Er berichtete über seine Learnings als „Notfall-/Interimsmanager“ bei Stadtwerken, die – aus welchen Gründen auch immer – in Schieflage geraten sind: „Transformation ist mehr als Change. Wir müssen mit dem, was wir tun, im Kerngeschäft widerstandsfähig sein und uns trotzdem mit der Zukunft auseinandersetzen. Wir müssen schauen, wie wir das sowohl prozessual aber auch mit den Menschen an Bord hinkriegen. Dabei ist – ganz wichtig – Führung gefragt. Klarheit und Eindeutigkeit und Wahrheit sind ganz wesentliche Aspekte der Führung, gerade in Krisensituationen. Dabei müssen wir auch schwierige Entscheidungen treffen.“

Corona und Ukraine-Krieg haben den Rollout massiv beeinträchtigt

Besonders praxisorientiert war der Vortrag von David Tetz, der bei der Ovag Netz GmbH den Smart Meter-Rollout verantwortet und über die bisherigen Erfahrungen seines Unternehmens berichtete. Die Hessen haben unter den Mitgliedern im smartOPTIMO-Netzwerk bislang die meisten iMSys eingebaut. Tetz erläuterte die Rollout-Strategie seines Unternehmens und berichtete über durchwachsene Erfahrungen. Die Fallstudie zeigte unter anderem, dass im Jahr 2021 Corona und seit Mai dieses Jahres der Ukraine-Krieg mit seinen Folgen den Hochlauf massiv beeinträchtigt haben. Mangels Materials ruht der iMSys-Rollout bei Ovag Netz seit Juni komplett.

Vorbild Klimakommune Saerbeck

Die Klimakommune Saerbeck (nördlich von Münster) hat den Leitgedanken der Veranstaltung bereits umgesetzt und die Transformation großenteils geschafft – in diesem Fall zur Plusenergieregion. Guido Wallraven, der Klimakommunen-Manager aus Saerbeck, erläuterte, wie es in der 7.000-Einwohner-Gemeinde gelungen ist, unter Einbeziehung der Bürger die gesamte Stromversorgung im Ort auf Basis von Photovoltaik, Wind und Biomasse nicht nur komplett zu dekarbonisieren, sondern bilanziell weit über den eigenen Bedarf hinaus grünen Strom zu erzeugen. In den Sektoren Wärme und Verkehr soll die Umstellung auf Erneuerbare bis 2030 erreicht werden. Zur Anschauung und Nachahmung empfohlen!

Klare Ziele und Pläne

„Stadtwerke im Wandel: Kopf in den Sand stecken oder auf dem Weg zum regionalen Vorreiter?“ lautete das Thema der Abschlussdiskussion. Moderator und Energie-Podcaster Timo Eggers arbeitete zusammen mit Stefan Grützmacher, Guido Wallraven, Carsten Tessmer (EY) und Franz Süberkrüb (Stadtnetze Münster) das Gehörte und Gesehene des Tages noch einmal auf. Dabei wurde deutlich: Zumindest unter den auf der Bühne Anwesenden steckt keiner den Kopf in den Sand, sondern jeder hat klare Ziele und Pläne. Kooperation und Kommunikation sind immer Teil der Lösung. Das beweisen auch die Unternehmen smartOPTIMO und items, die mit innovativen Entwicklungen und Services in kommunalen Gemeinschaften vorangehen, Digitalisierung ermöglichen und damit Zukunft gestalten.

Stadtwerke-Transformation

Podiumsdiskussion beim smartOPTIMO Forum Netz und Vertrieb mit (von links): Timo Eggers, Stefan Grützmacher, Carsten Tessmer, Guido Wallraven und Franz Süberkrüb.

Weitere Vorträge
  • Pascal Stephan, Business Development Manager bei der metergrid GmbH, referierte über „Mieterstromverwaltung: Modell der Zukunft oder Abrechnungsfiasko?“
  • Markus Niehaus aus dem Vertrieb der EMERGY Führungs- und Servicegesellschaft mbH sprach über „Kalte Nahwärme – ein Schlüsselfaktor für die Wärmewende?“
  • Christopher von Gumppenberg, Geschäftsführer der KUGU Home GmbH, erläuterte gemeinsam mit Marius Schreckenberg von der medl, was sich hinter „Lösungen für die Wohnungswirtschaft nach vorne gedacht“ in der Praxis verbirgt.
  • Dr. Wolfgang Schmitz von der Versorgerallianz 450 stellte die „450-MHz-Technik als Beschleuniger für die Digitalisierung der Energiewende“ vor und erläuterte insbesondere Ziele, Status, Zeitplan und Nutzungskonditionen.
Veranstaltung mit Marktplatzatmosphäre

Unmittelbar eingebettet in das Forum Netz & Vertrieb waren diesmal die ausstellenden Partner des Stadtwerkenetzwerks, auch schon bei der Vorabendveranstaltung: PPC, Reisewitz, Theben, Iometer, items, EMH metering, GreenPocket, Swistec, SmartCityHouse, Versorger-Allianz 450 und eBZ. So atmete die Veranstaltung nach zweimaligem digitalem Intermezzo eine dichte Marktplatzatmosphäre. Ein Teilnehmer sprach vom „besten Forum Netz & Vertrieb ever“. Einigkeit herrschte jedenfalls darin, dass der unmittelbare persönliche Austausch selbst durch die beste digitale Veranstaltung nicht ansatzweise zu ersetzen ist. 135 teilnehmende Personen – neuer Höchstwert für die Veranstaltung trotz parallelen anderen Info-Angeboten – untermauern dies auch mit Zahlen.

smartOPTIMO GmbH & Co. KG

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