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Wann gibt es endlich wieder echte Messen? Eine Liebeserklärung

Messen
Da schien die Welt der Messen noch in Ordnung. Szenenbild von der E-world energy & water 2020 in Essen. (Bild: Messe Essen)

Die Messe ist gewesen? Hoffentlich nicht!

Von Gerhard Großjohann

Als die E-world energy & water im Februar dieses Jahres stattfand, war die Welt noch in Ordnung. Eine tolle Kongressmesse mit Rekordteilnehmerzahlen! Allenthalben zu spüren waren Aufbruchsstimmung, Optimismus und Vorfreude auf das, was da im Energiemarkt nun Spannendes kommen würde. Corona war gefühlt noch weit weg, allenfalls im Hinterkopf als möglicher Störenfried verankert. Selige Zeiten…

Absage reiht sich an Absage

Nur wenige Wochen später der Schock: Shutdown! Das gesamte öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Reihenweise werden seitdem Veranstaltungen aller Art abgesagt, auch Messen, Kongresse und Tagungen im Energiebereich: die Energy Storage in Düsseldorf, die Hannover Messe, der BDEW-Kongress in Berlin, die gat/wat in Berlin, die it-sa in Nürnberg, The Smarter E in München, kürzlich die Metering Days in Fulda und just auch die Energy Decentral in Hannover – um nur einige zu nennen. Von vielen Firmenveranstaltungen, die ins Wasser gefallen sind und fallen werden, ganz zu schweigen. Nur die Macher der Intergeo halten die Fahne der Entschlossenen hoch, am 13.-15. Oktober 2020 in Berlin tagen zu wollen. Die Wind Energie Hamburg hat sich auf den 1.-4. Dezember 2020 vertagt…

Risiko und Verantwortung

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieses Jahr und womöglich lange darüber hinaus – jedenfalls solange Corona unter uns ist – irgendein Kongress oder irgendeine klassische Messe stattfinden wird. Ganz einfach, weil es unverantwortlich und sinnlos wäre. Maskenpflicht, Abstandsregeln und Hygienebestimmungen hin oder her: Die Aussteller werden ihre Mitarbeiter nicht dem Risiko aussetzen, sich auf Messen anzustecken. Die potentiellen Messebesucher werden den Teufel tun, sich ohne Not unter Menschenmengen zu mischen. Deswegen werden die potentiellen Aussteller auch wirtschaftlich keinen Sinn darin sehen, auszustellen. Und die Messeveranstalter werden aus den genannten Gründen und weil ihre Veranstaltung unter keinen Umständen zum Corona-Hotspot werden darf, ebenfalls abwinken und sich vertagen.

Ausweg virtuelle Messen?

Wie Pilze schießen jetzt virtuelle Messen als Alternative aus dem Boden. Der neue Hype? Ich glaube, dass die Digitalisierung, die sonst alles zum Einsturz bringt, diese Bastion nicht wirklich stürmen wird. Dafür ist das, was die Besucher virtueller Veranstaltungen am Bildschirm erwartet, einfach zu langweilig und steril. Die virtuelle Messeteilnahme funktioniert allein schon deshalb nicht, weil es am Schreibtisch im Büro oder Homeoffice tausend Ablenkungen und Störungen gibt, die eine dauerhafte Fokussierung verhindern.

Was virtuelle Messen im Gegensatz zu realen Veranstaltungen nicht bieten können, ist physische Nähe, ist der Augenkontakt, ist das Gruppenerlebnis, ist Messestimmung, ist die Übereinkunft der Community, zu einer bestimmten Zeit physisch an einem bestimmten Ort zu sein, ist die After-Work-Party auf dem Messestand, ist der Spirit.

Enttäuschung programmiert?

All das können digitale Veranstaltungen nicht bieten. Virtueller Infokonsum ist extrem flüchtig, wenn die Inhalte nicht flashen. Gefällt mir nicht? Schon habe ich weitergeklickt. Es fehlen zudem Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit des persönlichen Austausches. Das virtuelle Experiment wird vielleicht nicht explizit scheitern (niemand wird das ggf. zugeben), aber es wird die meisten Mitmacher enttäuschen.

Andererseits: Virtuelle Messen sind sicherlich besser als nichts, denn die Firmen wollen sich ja weiterhin mitteilen und zeigen (obwohl es dafür auch viele andere, günstigere Wege und Plattformen gibt – etwa energie.blog). Zudem sind Investment und Risiken für die „Aussteller“ virtueller Messen relativ gering. Warten wir es also ab. Versuch macht bekanntlich klug.

Unabhängig vom Ausgang des virtuellen Experiments sehne ich die Tage herbei, wenn ich wieder leibhaftig durch die Messehallen in Essen, Hannover, München, Köln, Fulda oder sonst wo schlendern kann, wenn ich liebgewonnene Menschen wiedersehen, neue Kontakte knüpfen und – last but noch least – vibrierende Messeluft atmen kann.

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