„Es geht nicht nur um einen zusätzlichen Vertriebskanal, sondern um eine andere Form der Zusammenarbeit“
Die Kraftwerk Software Gruppe setzt mit Joules.DIREKT auf einen neuen Ansatz im Energievertrieb: direkte Kooperationen zwischen Energieversorgern und Handelsvertretern – ohne Zwischenplattformen, ohne versteckte Margen, ohne Umwege. Jean-Michel Vierthaler, verantwortlich für den Vertrieb von Joules.DIREKT, erklärt im Gespräch mit energie.blog, warum klassische Distributionen und Vergleichsportale für viele Marktteilnehmer nicht mehr die erste Wahl sind, wie sich das Geschäftsmodell finanziert und warum das Interesse nach der E-world deutlich gestiegen ist.
Der klassische Weg: Über Zwischenplattformen zum Kunden
e.b: Herr Vierthaler, Joules.DIREKT wirbt mit „direkter Zusammenarbeit ohne Mittelsmänner“. Wie läuft denn der Vorgang klassisch bei anderen Versorgern und Softwareherstellern ab?
Jean-Michel Vierthaler: Wenn man heute auf den Markt schaut, ergibt sich ein klares Bild: Energieversorger wollen ihre Produkte überregional vertreiben, gleichzeitig gibt es Vertriebspartner, die diese Produkte beim Kunden verkaufen. In der Praxis läuft das meist über zentrale Plattformen. Dort hinterlegen Versorger ihre Preise, Produkte und Verträge, während sich Vertriebspartner anmelden und die Tarife über Tarifrechner oder ähnliche Tools vertreiben.
Man trifft sich also immer über eine dritte Instanz und vertreibt die Produkte, die dort hinterlegt sind – häufig über sogenannte Distributionen. Alternativ gibt es Vergleichsportale, bei denen der Endkunde direkt abschließt. In beiden Fällen steht ein Mittelsmann zwischen Versorger und Kunde.
e.b: Der Mittelsmann wäre dann zum Beispiel Verivox oder ähnliche Portale?
Jean-Michel Vierthaler: Genau, zum Beispiel. Aber nicht nur. Es gibt auch sogenannte Distributionen, also Plattformen, über die Vertriebspartner auf Tarife und Provisionen zugreifen und auf denen sich Energieversorger und Vertriebspartner registrieren. Handelsvertreter können dort Tarife auswählen und diese bei ihren Kunden vertreiben – im Door-to-Door-Vertrieb, im Telefonvertrieb oder im persönlichen Gespräch vor Ort. Das beschreibt die aktuelle Marktstruktur recht gut.
Der Handelsvertreter ist nicht mehr darauf angewiesen, welche Versorger auf einer Plattform gelistet sind. Stattdessen kann er gezielt auswählen, mit wem er zusammenarbeiten möchte, und Kooperationen direkt starten
Was Joules.DIREKT anders macht
e.b: Und wie unterscheidet sich der Ansatz Joules.DIREKT davon?
Jean-Michel Vierthaler: Wir bieten mit Joules.DIREKT eine Lösung direkt für den Handelsvertreter. Er kann sich registrieren und einloggen und erhält ein System, mit dem er seinen Vertrieb steuern kann – inklusive CRM, Einsicht in Verträge und Provisionen, also alles, was im Vertriebsalltag benötigt wird. Der entscheidende Unterschied: Er ist nicht mehr darauf angewiesen, welche Versorger auf einer Plattform gelistet sind. Stattdessen kann er gezielt auswählen, mit wem er zusammenarbeiten möchte, und Kooperationen direkt starten. Dadurch ist man näher am Versorger und deutlich schneller. „Ohne Mittelsmann“ bedeutet in diesem Fall vor allem kürzere Wege.
Kostenvorteile und transparente Preisgestaltung
e.b: Was sind die konkreten Vorteile, wenn ich über Joules.DIREKT gehe, anstatt über Mittelsmänner?
Jean-Michel Vierthaler: Ein Vorteil ist die Flexibilität bei der Auswahl der Versorger. Man ist als Handelsvertreter frei in der Entscheidung, mit wem man zusammenarbeitet. Dazu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Unsere Plattform finanziert sich über eine transparente SaaS-Gebühr. Je nach Größenordnung gibt es unterschiedliche Modelle, die im Vorfeld klar definiert sind. Mit steigender Anzahl an Verträgen verändern sich die Konditionen entsprechend.
Bei klassischen Plattformen fällt zusätzlich eine Marge für den Mittelsmann an. Diese Kosten werden letztlich weitergegeben. Bei einer direkten Kooperation entfällt dieser Anteil. Der Vertriebspartner zahlt nur die SaaS-Gebühr und erhält die vereinbarte Provision vollständig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: In bestehenden Modellen gehen teilweise bis zu 25 Prozent der Provision an die Plattform. Dieser Anteil entfällt komplett bei uns.
Wie die Plattform funktioniert
e.b: Dieses Prinzip funktioniert für kleine genauso wie für große Stadtwerke?
Jean-Michel Vierthaler: Ja, grundsätzlich für alle. Gerade kleinere und mittlere Stadtwerke stehen oft vor der Herausforderung, einen externen Vertrieb wirtschaftlich aufzubauen. Im Privatkundengeschäft sind die Margen gering. Wenn zusätzlich Plattformkosten anfallen, rechnet sich das häufig erst nach längerer Kundenbindung. Deshalb verzichten viele auf diesen Weg. Mit Joules.DIREKT können auch kleinere Versorger einfacher mit Handelsvertretern arbeiten – vorausgesetzt, sie nutzen Joules als Basis. Das ist die technische Voraussetzung für die gesamte Infrastruktur.
e.b: Wie lange dauert es, wenn jemand Ihr Tool installieren möchte?
Jean-Michel Vierthaler: Wer Joules bereits im Einsatz hat und ein Handelsvertreter die Erweiterung Joules.DIREKT lizenziert, kann die Verbindung technisch sofort hergestellt werden. Produkte und Preise sind bereits in Joules hinterlegt. In der Praxis müssen dann noch vertragliche Themen wie Provisionen geklärt werden. Das ist meist der einzige relevante Zeitfaktor. Die technische Umsetzung selbst geht sehr schnell.
Wenn ein Energieversorger Joules noch nicht nutzt, sieht es etwas anders aus. Dann muss zunächst die Joules-Basis eingeführt werden, also die Struktur für Produkte, Preise und Provisionen aufgebaut werden. Für einen reinen Vertriebs-Use-Case kann das relativ schlank umgesetzt werden, typischerweise in wenigen Wochen. Wenn Joules umfassender in die Systemlandschaft integriert wird, etwa mit Anbindung an bestehende ERP- oder Abrechnungssysteme, hängt der Aufwand stark von den vorhandenen Prozessen und Schnittstellen ab.
Grundsätzlich ist die Plattform so ausgelegt, dass sie unabhängig vom jeweiligen Abrechnungssystem funktioniert. Die Verträge werden übergeben und anschließend im System des Versorgers weiterverarbeitet.
e.b: Wie berechnet sich dabei der Preis?
Jean-Michel Vierthaler: Grundlage ist die Anzahl der abgeschlossenen Verträge. Ein einzelner Handelsvertreter könnte beispielsweise rund 100 Euro im Monat zahlen und erhält dafür die komplette Infrastruktur inklusive CRM-Funktionen. Zusätzlich fällt ein Betrag pro Vertrag an. Mit steigender Nutzung sinkt dieser Anteil, während sich die Grundgebühr entsprechend anpasst. So entsteht ein kalkulierbarer Durchschnittswert.
Es geht nicht nur um einen zusätzlichen Vertriebskanal, sondern um eine andere Form der Zusammenarbeit. Perspektivisch denken wir den Vertrieb breiter – also auch in Richtung Photovoltaik, Wallboxen oder Glasfaser.
Großes Interesse nach der E-world
e.b: Sie haben Joules.DIREKT erstmals auf der E-World vorgestellt. Wie war denn die Nachfrage?
Jean-Michel Vierthaler: Das Interesse war deutlich spürbar. Unsere Vorträge waren sehr gut besucht, und auch danach gab es viele Anfragen. Ich habe aktuell mehrere Gespräche mit Interessenten, die zeitnah starten möchten. Auch international, zum Beispiel aus Wien, gibt es erste Kontakte.
e.b: Und wie groß ist das Interesse von Seiten der Vertriebspartner?
Jean-Michel Vierthaler: Das Interesse kommt aktuell vor allem von den Vertriebspartnern. Viele suchen nach schlankeren Lösungen. Gespräche mit Energieversorgern drehen sich eher darum, wie sie über Joules.DIREKT neue Vertriebspartner gewinnen können.
Strategischer Ansatz für den Vertrieb der Zukunft
e.b: Ist Joules.DIREKT für Sie ein zusätzlicher Vertriebskanal – oder ein Ansatz, der den Energievertrieb grundsätzlich verändert?
Jean-Michel Vierthaler: Für uns ist das ein strategischer Ansatz. Es geht nicht nur um einen zusätzlichen Vertriebskanal, sondern um eine andere Form der Zusammenarbeit. Perspektivisch denken wir den Vertrieb breiter – also auch in Richtung Photovoltaik, Wallboxen oder Glasfaser. Energieversorger müssen heute stärker darüber nachdenken, welche Produkte sie anbieten und über welche Kanäle sie diese vertreiben. Über Joules.DIREKT kann man vom Privatkunden bis zum Gewerbekunden alles abbilden – von klein bis groß.
„Wir nutzen die gemeinsame Umstellung als Chance, unsere IT- und Geschäftsprozesse grundlegend zu modernisieren und auf eine integrierte Plattform zu überführen. Damit schaffen wir die Grundlage für weitere Digitalisierungsschritte und sind für die Anforderungen der Zukunft gut aufgestellt.“
Thomas Mendl, Geschäftsleiter der Stromversorgung Greding
Auch die Stadtwerke Hemau versprechen sich von der Migration eine deutliche Vereinfachung ihrer Abläufe.
„Als kommunaler Eigenbetrieb brauchen wir eine leistungsfähige Lösung, die gleichzeitig effizient zu betreiben ist. Die kraftwerk.Plattform bietet uns genau das – einschließlich moderner und sicherer Cloud-Infrastruktur sowie der Perspektive auf KI-gestützte Funktionen über Microsoft Copilot“,
Thomas Mehring, Werkleiter der Stadtwerke Hemau
Offizieller Projektstart April 2026
„Projekte wie dieses zeigen, dass unsere Plattform gerade für kleinere und mittlere Versorger einen echten Mehrwert bietet“, so Mike Horne, Geschäftsführer iS Software/kraftwerk. „Die gemeinsame Einführung bei zwei Unternehmen, die sich in Größe und Struktur ähneln, ermöglicht es uns, Synergien im Projekt gezielt zu nutzen und den Aufwand für beide Seiten zu reduzieren. Gleichzeitig erhalten die Stromversorgung Greding und die Stadtwerke Hemau jeweils eine Lösung, die ideal zu ihren Prozessen passt.“
Die Beauftragung des Projekts erfolgte im Februar 2026, der offizielle Projektstart ist für April 2026 vorgesehen. Am 5. März 2026 fand zudem bereits ein gemeinsamer Vor-Ort-Termin mit Vertretern aller Projektbeteiligten statt. Dabei wurden die Weichen für die anstehende Umsetzung gestellt. Der Start des Echtbetriebs ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Über die Stromversorgung Greding und die Stadtwerke Hemau
Die Stromversorgung Greding ist ein Nebenbetrieb der Raiffeisenbank Altmühl-Jura und versorgt rund 1.900 Abnehmer im Kernort der mittelfränkischen Stadt Greding im Landkreis Roth mit Strom. Die Ursprünge der Gredinger Stromversorgung reichen bis ins Jahr 1899 zurück, als die damalige Raiffeisenbank mithilfe von Wasserkraft in der Achmühle die erste Stromerzeugung aufbaute – damit ist die Raiffeisenbank Altmühl-Jura die einzige Genossenschaftsbank in Bayern, die zugleich als Stromnetzbetreiber tätig ist.
Die Stadtwerke Hemau sind ein Eigenbetrieb der über 700 Jahre alten Stadt Hemau im Oberpfälzer Landkreis Regensburg, die rund 9.400 Einwohner zählt. Seit der Gründung im Jahr 1921 versorgen die Stadtwerke die Kommune mit Strom und Wasser. Darüber hinaus betreiben sie ein Hackschnitzel-Heizkraftwerk. Dieses beliefert öffentliche Gebäude und Privathaushalte mit Nahwärme. Zudem bauen die Stadtwerke das kommunale Wärmenetz kontinuierlich aus.
Über Kraftwerk Software Holding
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