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Mieterstrom ab drei Wohneinheiten: Warum sich PV auf kleinen Mehrfamilienhäusern plötzlich rechnet

Leonhard John, Geschäftsführer von Dach für Dach, erklärt, Was Direktmessung, Summenzähler und Lastmanagement für kleine Mehrfamilienhäuser verändern
Leonhard John, Geschäftsführer von Dach für Dach, erklärt, Was Direktmessung, Summenzähler und Lastmanagement für kleine Mehrfamilienhäuser verändern. (Bild: © Dach für Dach)

Mieterstrom auch im Kleinen wirtschaftlich

Ein Standpunkt von Leonard John, Geschäftsführer, Dach für Dach

Technische Neuerungen und Standardisierung lassen nun auch kleine Mehrfamilienhäuser zu Energieproduzenten werden – mit dem Ergebnis, dass Mieter und Vermieter gleichermaßen von günstiger, grüner Energie profitieren.

Wenn in den letzten Jahren über Mieterstrom gesprochen wurde, herrschte oft die einhellige Meinung: Das lohnt sich nur für die große Wohnungswirtschaft oder ab mindestens 20 Wohneinheiten. Hinzu kamen die Angst vor komplexen IT-Plattformen, monatelanger Bürokratie und Excel-Abrechnungschaos.

Dass das jetzt nicht mehr stimmt, konnten wir mit unseren Partnern seit 2025 mehrfach zeigen: Mieterstrom ist heute selbst ab 3 Wohneinheiten wirtschaftlich umsetzbar. Das ist entscheidend für den Klimaschutz, denn über 2,9 Millionen Bestandsgebäude in Deutschland fallen genau in das Segment von 3 bis 12 Wohneinheiten. Hier schlummert ein riesiges, bislang ungenutztes Potenzial für die Energiewende.

Dass sich dieses Segment jetzt plötzlich rechnet, liegt vor allem an der Kombination aus Innovation und Standardprozessen: etablierte Messkonzepte beim Netzbetreiber setzen wir mit innovativer Messtechnik und einer schlanken Abrechnungslösung um.

Keine Marktkommunikation, keine Wartezeiten: Die Stärke des physischen Zählers

Wie schaffen wir es, Mieterstrom teilweise in wenigen Wochen umzusetzen? Indem wir auf Standard-Messkonzepte beim Netzbetreiber und den physischen Summenzähler setzen. Dadurch vermeiden wir lange Wartezeiten, die derzeit durch den schleppenden Smart-Meter-Rollout, zähe Wechselprozesse im Messwesen (WiM) und langwierige Abstimmungen bei den Marktkommunikations-Prozessen (MaKo) entstehen. Stattdessen wechseln wir einfach die Zähler und starten das Projekt direkt.

Der physische Summenzähler umgeht das bürokratische Nadelöhr der Marktkommunikation:
Etablierte Standardprozesse: Für Netzbetreiber und Messstellenbetreiber (MSB) ist der physische Hauptzähler ein bekanntes Standardprodukt. An- und Abmeldungen laufen über gewohnte, hochgradig automatisierte Wege.

Keine WiM-Schleifen: Man ist nicht darauf angewiesen, dass die IT-Systeme verschiedener Marktpartner fehlerfrei miteinander sprechen.
Schneller Verkaufsstart: Sobald die Zähler gesetzt sind, läuft die Anlage und generiert Einnahmen, statt Wochen- oder Monatelang auf mehrere Marktpartner zu warten.

Der Haken beim physischen Zähler: Ab bestimmten Lasten wird im Mehrfamilienhaus eine Wandlermessung erforderlich, die die Investitionskosten erhöht. Damit sich das Projekt trotzdem rechnet, muss vorab exakt geprüft werden, wie der Zählerplatz ausgelegt wird und ob sich eine Wandlermessung womöglich sogar umgehen lässt.

Die Praxis: Wann brauche ich eine Wandlermessung für den Hauptzähler?

Der größte Hebel für die Wirtschaftlichkeit in kleinen Mehrfamilienhäusern liegt in der Dimensionierung des Zählerplatzes. Hier muss die Frage beantwortet werden: Reicht eine Direktmessung oder brauche ich eine Wandlermessung?

Wir arbeiten in der Praxis mit einer dreistufigen Logik:

  1. Der Normalfall (Direktmessung bis 63 Ampere): Bei kleineren Objekten (z. B. 3 bis 6 Wohneinheiten ohne Großverbraucher) reicht eine klassische Direktmessung aus. Zusatzkosten für Wandlerschränke entfallen komplett – das Projekt startet extrem günstig und schnell.
  2. Der „Wandler-Kniff“ durch intelligentes Lastmanagement: Kommen in einem Objekt zusätzlich größere Verbraucher wie Wallboxen oder Wärmepumpen ins Spiel, droht die Spitzenlast über die Grenze der Direktmessung zu rutschen. Normalerweise würde das eine teure Wandlermessung erzwingen. Unsere Praxis-Lösung: Durch dynamisches Lastmanagement deckeln wir die Leistungsspitzen gezielt. So verhindern wir das Überschreiten der Schwelle, sparen dem Eigentümer die Investition in einen Wandlerschrank (oft 3.000 bis 7.000 Euro) und halten das System schlank.
  3. Größere Objekte & die neue VDE-AR-N 4100: Wird das Gebäude größer oder ist die Last schlicht zu hoch, kommt man um die Wandlermessung nicht herum. Dann geht es um die richtige Dimensionierung: Reicht ein 100-A-Kleinwandler oder sind 200 bzw. 250 A nötig? Die neue VDE-AR-N 4100 regelt die halbindirekte Messung (Kleinwandler bis 100 Ampere) nun bundesweit einheitlich. Diese Anlagen schließen die Lücke zwischen Direktmessung und teuren Großwandlern: Sie sind kompakter, passen in beengte Bestandskeller und verursachen spürbar geringere Kosten. Das ist ein großer Vorteil für kleinere Mehrfamilienhäuser.

Wichtig bleibt dabei: Die zukünftigen Bedarfe des Gebäudes müssen bei der Dimensionierung der Messtechnik und des Wandlerschranks von Anfang an berücksichtigt werden. Werden in den kommenden Jahren eine Wärmepumpe oder mehrere Wallboxen nachgerüstet, steigt die Last und eine Wandlermessung kann nachträglich nötig werden. Deshalb ermitteln wir bereits bei der Erstaufnahme und Projektierung exakt den zukünftigen Bedarf. So planen und setzen wir das Projekt von Tag 1 an zukunftssicher um.

Fazit: Pragmatismus schlägt Bürokratie

Wer Solarstrom im Mehrfamilienhaus ohne längere Verzögerungen nutzen will, fährt aktuell noch mit dem physischen Summenzähler am sichersten. Für Bestandshalter mit hoher Fluktuation entwickeln wir parallel den virtuellen Summenzähler weiter. Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) bleibt dagegen ein Nischenmodell: Sie rechnet sich aufgrund der geringeren Wirtschaftlichkeit (höhere Zählergebühren & Netzentgelte bei fehlendem Mieterstromzuschlag) nur in Ausnahmefällen, bspw. bei Großverbrauchern wie Gewerbeeinheiten mit hohem Direktverbrauch.

Über den Autor

Leonard John ist Co-Founder und Geschäftsführer von Dach für Dach, dem Energie-Betriebspartner fürs Mehrfamilienhaus. Das EnBW-Startup begleitet Vermieter und Immobilienunternehmen von der schlüsselfertigen Mieterstrom-Anlage über Messtechnik bis hin zur Abrechnung. Dach für Dach setzt Mieterstrom und GGV unkompliziert, nachhaltig und wirtschaftlich um. https://dachfuerdach.de/