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Der Weg zum Stromsparen führt in erster Linie über den Geldbeutel

Der Weg zum Stromsparen
Der Weg zum Stromsparen wird nicht durch Klimaschutzargumente geebnet, sondern führt meist über den Geldbeutel, haben Wirtschaftsforscher an der Universität Kassel herausgefunden. (Bild: Gerhard Großjohann)

Der Weg zum Stromsparen: Betonung wirtschaftlicher und finanzieller Aspekte erfolgversprechender

Bei umweltbewussten Personen ist der Stromkonsum nicht geringer als bei weniger umweltbewussten Personen. Das ist ein überraschendes Ergebnis einer Studie von Wirtschaftsforschern der Universität Kassel zu verschiedenen Einflussfaktoren auf den Stromverbrauch von Haushalten in Deutschland. Die Reduktion des individuellen Energieverbrauchs und damit der Treibhausgasemissionen ist jedoch ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Aktuell berät auch die Weltgemeinschaft über die Reduktion von Treibhausgasemissionen bei der jährlichen Klimakonferenz in Glasgow. Wichtig zu wissen: Welcher Weg zum Stromsparen ist der vielversprechendste?

„Das bedeutet, dass Haushalte in Deutschland Stromsparen offensichtlich nicht als einen wichtigen eigenen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz ansehen“, kommentiert Elke D. Groh aus dem Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung die Ergebnisse. Dabei macht der Stromkonsum von Haushalten in Deutschland mit knapp 20 % (2018) einen großen Anteil an deren Endenergieverbrauch aus. Aufgrund hoher Strompreise kann dies gerade in Haushalten mit geringem Einkommen zu starken finanziellen Belastungen führen. Die Bundesregierung bietet deshalb unter anderem auch Informationskampagnen und Beratungsangebote zum Stromsparen in Haushalten an.

Was beineinflusst tatsächlich den Stromverbrauch in Haushalten?

Was wirklich den Stromverbrauch von Haushalten in Deutschland maßgeblich beeinflusst, das haben die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Andreas Ziegler, Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung, und Elke D. Groh in einer Studie mit Daten aus einer repräsentativen Befragung, die gerade in der Fachzeitschrift Ecological Economics erschienen ist, empirisch untersucht. Sie analysierten den Stromkonsum in Abhängigkeit von soziodemografischen und -ökonomischen sowie wohn- und wohnungsspezifischen Eigenschaften. Erstmals betrachteten sie gleichzeitig zwei weitere Gruppen erklärender Variablen: Zum einen individuelle Werte und Einstellungen wie zum Beispiel Umweltbewusstsein oder politische Orientierung und zum anderen sogenannte ökonomische Präferenzen, d.h. Persönlichkeitsmerkmale wie Altruismus, Risikobereitschaft oder Geduld.

Strom wird nicht aus Umweltschutzgründen eingespart

Das wohl auffälligste Ergebnis ist, dass weder umweltbezogene Werte wie die Identifizierung mit Umweltpolitik und Umweltbewusstsein noch umweltbezogene Normen einen signifikanten Einfluss auf den Stromkonsum haben. „Sich also argumentativ allein auf den Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und Umweltschutz zu beziehen, ist in Deutschland offensichtlich keine effektive Strategie, um Bürgerinnen und Bürger zum Stromsparen zu motivieren“, schlussfolgert Ziegler. Vielmehr scheint für die Forschenden die Betonung wirtschaftlicher und finanzieller Aspekte wie niedrigere Kosten durch Stromsparen erfolgversprechender zu sein.

Als wichtigste Faktoren für den Stromkonsum zeigt die Studie wohn- und wohnungsspezifische sowie vor allem soziodemografische und -ökonomische Merkmale auf. Zum Beispiel verbrauchen Männer, ältere Menschen sowie Personen mit geringerer Bildung und schlechterer Gesundheit signifikant mehr Strom. Aus diesen Ergebnissen ziehen die Autoren den Schluss, dass öffentliche Stromsparinitiativen gezielt auf spezifische Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sein sollten.

„Zeitspanne zwischen Stromverbrauch und Stromabrechnung verkürzen“

Die Studie zeigt zudem, dass Geduld mit einem geringeren Stromverbrauch einhergeht. Eine mögliche Erklärung für dieses Ergebnis besteht laut Groh und Ziegler darin, dass generell geduldigere Menschen häufiger in Energiesparmaßnahmen investieren, die erst langfristig zu finanziellen Vorteilen durch niedrigere Energiekosten, in der Gegenwart aber zu unmittelbaren Kosten führen. „Eine praktische Empfehlung aus dem ermittelten Zusammenhang zwischen Geduld und Stromkonsum ist, die Zeitspanne zwischen Stromverbrauch und Stromabrechnung zu verkürzen, so dass Verbrauch und Kosten in einem direkteren Zusammenhang stehen“, fügt Ziegler hinzu.

Publikation: > Groh, Elke D. und Andreas Ziegler (2022), On the relevance of values, norms, and economic preferences for electricity consumption, Ecological Economics 192, 107264

www.uni-kassel.de

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