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Das Smart Meter Gateway als Smartphone der Energiewirtschaft

Der eigentliche Mehrwert beim Smart Metering entsteht jedoch erst dann, wenn das Gateway nicht nur als Messpunkt, sondern als Plattform für Anwendungen verstanden wird.
Der Mehrwert für das Smart Meter Gateway entsteht erst dann, wenn das Gerät nicht nur als Messpunkt, sondern als Plattform für Anwendungen verstanden wird. (Bild: © generiert mit ChatGPT)

Vom Pflichtgerät zur strategischen Infrastruktur

Warum Stadtwerke den nächsten Schritt vom Rollout zur Nutzung gehen müssen

Das Smart Meter Gateway (SMGW) ist in der Energiewirtschaft angekommen. Über 3 Millionen intelligente Messsysteme sind heute in Deutschland im produktiven Betrieb. Der gesetzliche Rahmen steht, der Rollout läuft, intelligente Messsysteme werden mit zunehmender Geschwindigkeit in die Fläche gebracht. In vielen Organisationen wird das Gateway dabei vor allem als notwendige Infrastruktur für Messung, Abrechnung und regulatorische Pflichten betrachtet.
Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz.

Denn mit dem SMGW wird nicht nur ein neuer Zähler installiert. Es entsteht eine sichere, standardisierte digitale Infrastruktur, die Messung, Kommunikation und auch Steuerung miteinander verbindet. Damit verändert sich die Rolle des Messwesens grundlegend: vom reinen Abwicklungsprozess hin zu einem zentralen Baustein der digitalen Energiewirtschaft.

Eine hilfreiche Metapher: Vom Telefon zur Plattform

Um diese Veränderung einzuordnen, hilft eine Analogie aus der digitalen Welt:

2007 war das iPhone zunächst „nur ein Telefon“. Erst als Anwendungen (App Store Logik) das Gerät zur Plattform gemacht haben, wurden ganze Branchen neu sortiert. Genau diese Schwelle sehen wir aktuell auch beim Smart Metering. Die Hardware ist vorhanden, die Infrastruktur etabliert, die Sicherheitsarchitektur hoch. Genutzt wird dieses Potenzial bislang jedoch häufig nur für einen sehr begrenzten Zweck: Zählerstandserfassung und Abrechnung.

Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst dann, wenn das Gateway nicht nur als Messpunkt, sondern als Plattform für Anwendungen verstanden wird.

Der Rollout ist Voraussetzung – nicht das Ziel

Der Fortschritt beim Rollout intelligenter Messsysteme ist sichtbar. Gleichzeitig zeigt sich: Mit der reinen Installation von Geräten ist die digitale Transformation nicht abgeschlossen. Sie beginnt dort erst.

Mit zunehmender Durchdringung stellen sich neue Fragen:

  • Welche zusätzlichen Funktionen lassen sich auf Basis der vorhandenen Infrastruktur realisieren?
  • Wie lassen sich Messdaten, Zeitauflösung und sichere Kommunikation sinnvoll nutzen?
  • Welche Rolle wollen Stadtwerke künftig in Haushalten, Quartieren und Netzen einnehmen?

Damit verschiebt sich der Fokus von der Frage „Wie viele Geräte sind verbaut?“ hin zu „Was machen wir mit der Infrastruktur, die wir haben?“.

Vier „Apps“, die das SMGW zum Smartphone für Stadtwerke machen

Aus heutiger Sicht lassen sich mehrere Anwendungsfelder identifizieren, die auf dem SMGW aufbauen und für Stadtwerke relevant werden können. Sie unterscheiden sich im Reifegrad, zeigen aber gemeinsam, welches strategische Potenzial im intelligenten Messwesen liegt.

App #1. Dynamische Tarife und zeitvariable Netzentgelte

Dynamische Tarife sind regulatorisch vorgesehen. Ihre tatsächliche Wirkung entfalten sie jedoch erst dann, wenn Kundinnen und Kunden Preissignale verstehen und ihr Verbrauch automatisiert darauf reagieren kann.

Das SMGW liefert dafür die notwendige Datenbasis und die Voraussetzung für zeitnahe Abrechnung, Transparenz und – perspektivisch – automatische Lastverschiebung. Damit wird aus einer regulatorischen Vorgabe ein Instrument zur aktiven Steuerung und Kundenbeteiligung.

App #2. Energiemanagement und Steuerung im Haushalt

Mit dem Zuwachs an Photovoltaik, Wärmepumpen, Speichern und Ladeinfrastruktur entstehen immer mehr steuerbare Elemente auf der Niederspannungsebene. Das SMGW wird zur verbindenden Instanz, über die sich Verbrauch, Erzeugung und Flexibilität koordinieren lassen.

Für Stadtwerke eröffnet sich damit die Möglichkeit, über reine Belieferung hinauszugehen und Haushalte beim Energiemanagement zu unterstützen – technisch sicher, standardisiert und ohne zusätzliche proprietäre Hardware.

App #3. Mehrsparten-Services und Submetering

Der Smart Meter Rollout passiert in der Sparte Strom. Das SMGW ist aber seit der initialen Konzeption als Mehrsparten Gateway gedacht – Strom, Gas, Wasser, Wärme. Wenn die erforderlichen Prozesse und Systeme hierfür weiterentwickelt werden, ergeben sich Möglichkeiten, Submetering, Abrechnung und Serviceangebote für Wohnungswirtschaft und Quartiere stärker zu integrieren.

Für Stadtwerke bedeutet das: bestehende Kundenbeziehungen lassen sich vertiefen, zusätzliche Leistungen bündeln und neue Erlösmodelle jenseits des klassischen Stromvertriebs entwickeln.

App #4. Datenbasierte Planung und Benchmarking

Mit wachsender Anzahl intelligenter Messsysteme entstehen umfangreiche Datenbestände. Anonymisiert und aggregiert können sie wertvolle Erkenntnisse für Netzplanung, Prognosen und Investitionsentscheidungen liefern.

Der Nutzen entsteht dabei weniger auf Einzelzählerebene als durch Vergleichbarkeit und Skalierung: Reale Lastgänge ermöglichen bessere Entscheidungen als pauschale Annahmen und Standardprofile.

Technik allein reicht nicht

So groß das Potenzial ist, so klar ist auch: Die Umsetzung ist keine rein technische Frage. Datenschutz, Rollenabgrenzung im Messstellenbetrieb, Interoperabilität und interne Zuständigkeiten sind sauber zu klären. Der Standardisierungs-Grad ist in vielen IT-Systemen noch nicht hoch genug.

Das SMGW zwingt Stadtwerke dazu, Schnittstellen zwischen Netz, Vertrieb, IT, Messwesen und Management neu zu denken. Wer diese Fragen nicht aktiv adressiert, riskiert Stillstand – oder dass andere Akteure die entstehenden Spielräume besetzen.

Wie es weitergeht: Am besten gemeinsam

Die Auseinandersetzung mit dem SMGW zeigt, dass viele Fragestellungen inzwischen weniger technischer Natur sind. Die entscheidenden Herausforderungen liegen heute in der praktischen Umsetzung, in der Organisation und in der Frage, wie sich intelligente Messsysteme sinnvoll in bestehende Netz , Vertriebs und Betriebsprozesse integrieren lassen.

Diese Fragen beschäftigen Stadtwerke überall in Deutschland – und die Antworten liegen selten in Einzellösungen, sondern im gemeinsamen Lernen. Wer den nächsten Schritt gehen will, braucht den Blick über den eigenen Tellerrand. Genau hier setzt das smartOPTIMO Forum Netz & Vertrieb an, das am 09. September in Osnabrück stattfindet. Unter dem Titel „Flexibel, digital, steuerbar – Wie Stadtwerke Netz & Vertrieb neu denken“ stehen dort konkrete Best Practices und Erfahrungsberichte im Fokus. Stadtwerke, die sich bereits intensiv mit dem Smart Meter Rollout, dem intelligenten Messwesen und den daraus entstehenden Anwendungsfällen beschäftigen, berichten aus ihren Projekten. Das Forum ist bewusst als praxisnahe Netzwerkveranstaltung konzipiert: nicht als Produktshow, sondern als Ort, an dem reale Umsetzungsansätze, funktionierende Lösungen – und ebenso bestehende Hürden – offen diskutiert werden.

Die Veranstaltung bringt Entscheiderinnen und Entscheider aus Stadtwerken, Verantwortliche aus Messwesen und Netz sowie die Lieferantenseite zusammen. Ziel ist es, voneinander zu lernen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, welche Wege sich im Betrieb bewähren – und welche weniger.

Forum Netz & Vertrieb

Ein zentraler Bestandteil des Forums sind dabei Fachforen, die zeigen, wie Stadtwerke den Schritt vom Rollout zur aktiven Nutzung des SMGWs gestalten. Genau dieser Blick auf das „Was funktioniert wirklich?“ schafft Orientierung in einem Themenfeld, das stark von regulatorischen Vorgaben, aber ebenso von individuellen Rahmenbedingungen geprägt ist. Denn der Mehrwert entsteht nicht durch abstrakte Konzepte, sondern durch den Abgleich von Best Practices mit der eigenen Realität.

Klar ist: Das SMGW wird ein zentraler Baustein der Energiewirtschaft. Wie groß der daraus entstehende Nutzen für Stadtwerke tatsächlich wird, entscheidet sich weniger im Gesetzestext als im gemeinsamen Lernen aus der Praxis.

Weitere Informationen zum smartOPTIMO Forum Netz & Vertrieb:

forum.smartoptimo.de

smartOPTIMO GmbH & Co. KG

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