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Von der Legacy zur Autonomie: Wie Versorger das Fundament für das Stromnetz der Zukunft legen

In einer vielbeachteten Keynote haben Dr. Christian Hille von Accenture (rechts) und Robert Klaffus von PSI geschildert, wie der Wandel zum agilen, modularen Plattform-Ökosystem gelingt.
In einer vielbeachteten Keynote haben Dr. Christian Hille von Accenture (rechts) und Robert Klaffus von PSI geschildert, wie der Wandel zum agilen, modularen Plattform-Ökosystem gelingt. (Bild: © PSI Software SE)

Technologische Innovation allein genügt nicht

Die Energiewelt befindet sich im Umbruch: Zwischen Dekarbonisierung, neuen Prosumer-Modellen und strengeren KRITIS-Anforderungen jagt eine Herausforderung die nächste. Die Komplexität steigt, doch die Kernanforderungen bleiben: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Für Energieversorger bedeutet das nichts Geringeres als einen Paradigmenwechsel – weg von starren Legacy-Systemen, hin zu agilen, modularen Plattform-Ökosystemen.

Doch wie gelingt dieser fundamentale Wandel? In einer vielbeachteten Keynote auf der E-World skizzierten Dr. Christian Hille (Accenture) und Robert Klaffus (CEO von PSI) die entscheidenden Konsequenzen für Architektur, Organisation und Strategie. Ihre zentrale Botschaft ist heute relevanter denn je: Technologische Innovation allein genügt nicht. Echter Wandel entsteht erst, wenn wegweisende Plattformtechnologie, strategische Transformationskompetenz und praxiserprobte Umsetzungserfahrung zu einer schlagkräftigen Einheit verschmelzen.

1. Am Limit: Warum klassische Architekturen die Zukunft nicht mehr stemmen können

Jahrzehntelang sind die IT-Systeme der Energieversorger organisch gewachsen – und mit ihnen die Komplexität. Jede neue Anforderung wurde mit einem weiteren Modul, einer neuen Schnittstelle oder einer Sonderlösung beantwortet. Das Ergebnis: Labyrinthische Systemlandschaften, die unter der Last ihrer eigenen „technischen Schulden“ ächzen. Heute werden die Belastungsgrenzen dieser Architekturen schmerzhaft sichtbar:

  • Interoperabilitätsprobleme: Dezentrale Erzeuger und Prosumer sprengen die alten Strukturen.
  • Echtzeit-Druck: Millisekunden-Anforderungen überfordern träge Systeme.
  • Software-Dominanz: Der Fokus verschiebt sich von Hardware zu softwaredefinierten Prozessen.
  • Datenflut: Die Sensorik liefert Datenmengen, die kaum noch zu bewältigen sind.
  • Sicherheitsrisiken: Offene Schnittstellen werden zu Einfallstoren für neue Bedrohungen.

„Viele starke Anwendungen wurden sehr monolithisch aufgebaut und sind heute nur schwer auf den Stand der Technik zu bringen.“

Robert Klaffus, CEO von PSI

Die Frage ist daher längst nicht mehr, *ob* modernisiert werden muss, sondern *wie* – ohne die Stabilität unserer kritischen Infrastrukturen zu gefährden.

2. Die Lösung: Plattform-Ökosysteme als Nervensystem der neuen Energiewelt

Digitale Transformation ist kein Selbstzweck. Technologien wie KI, Cloud oder modulare Architekturen sind die Werkzeuge, um die wachsende Komplexität zu meistern. Die zukunftsfähigen Plattformen, die dabei entstehen, sind das neue Nervensystem der Branche. Sie zeichnen sich aus durch:

  • Nahtlose Integration von IT- und OT-Welten.
  • Offene, standardisierte Schnittstellen für maximale Kompatibilität.
  • Skalierbare Datenverarbeitung für die Bewältigung von Big Data.
  • Modulare Erweiterbarkeit für zukünftige Innovationen.
  • Beschleunigte Innovationszyklen, um am Puls der Zeit zu bleiben.

Hier setzen strategische Partnerschaften wie die von PSI und Accenture an. PSI bringt seine führenden Technologieplattformen und tiefes Branchen-Know-how ein, während Accenture seine Expertise in der Gestaltung und Umsetzung komplexer Transformationen beisteuert. Für Kunden wird daraus ein entscheidender Mehrwert: Technologie und Transformation werden von der ersten Minute an gemeinsam gedacht.

Das Erfolgsrezept lässt sich auf eine Formel bringen:
Plattform + Service + Umsetzungskompetenz = Beschleunigter Wandel

Offene Plattformen ermöglichen die Integration von Speziallösungen, während ergänzende Servicekompetenz Talentlücken schließt und Projektrisiken minimiert. Das Ergebnis ist kein starres Leitsystem mehr, sondern ein dynamisches „Control System of the Future“, das ganzheitliche Optimierungen in Echtzeit ermöglicht.

3. Intelligente Netze: Mit KI und Digitalen Zwillingen zur autonomen Steuerung

Bis 2035 werden KI-gestützte Systeme und digitale Zwillinge den Netzbetrieb revolutionieren. Was heute oft noch in Pilotprojekten erprobt wird, entfaltet schon bald sein volles Potenzial:

  • Predictive Maintenance: Probleme vorhersagen, bevor sie entstehen.
  • Echtzeit-Simulationen: Szenarien und Umschaltungen risikofrei im digitalen Zwilling testen.
  • KI-basierte Prognosen: Last- und Engpässe präzise vorhersagen.
  • Selbstheilende Netze: Perspektivisch werden sich Netze selbst optimieren und bei Störungen autonom reparieren.

Dabei ist KI weit mehr als ein Schlagwort – sie ist der entscheidende Hebel zur Automatisierung. Sie trifft Entscheidungen in Zeitfenstern, die für Menschen längst nicht mehr beherrschbar sind. Die Vision für 2035 ist klar: eine autonome Steuerungsebene in Echtzeit, getragen von einem starken Partner-Ökosystem.

4. Cybersecurity: Von der Schutzmauer zur adaptiven Resilienz

Wo Systeme offener werden, wächst die Angriffsfläche. Die Konvergenz von IT und OT rückt die Cybersicherheit ins Zentrum der Systemarchitektur. Diese Gefahr ist nicht theoretisch. „Wir waren vor zwei Jahren sehr direkt von einem Ransomware-Angriff betroffen“, unterstreicht Robert Klaffus die Dringlichkeit des Themas. Die Antwort darauf sind nicht höhere Mauern, sondern intelligente, adaptive Verteidigungsstrategien:

  • Zero Trust als Standard: Jede Identität, jede Schnittstelle und jeder Datenfluss wird konsequent verifiziert.
  • Security by Design: Sicherheit ist kein Add-on, sondern von Beginn an integraler Bestandteil der Architektur.
  • Automatisierte Resilienz: Echtzeitsysteme benötigen automatisierte Schutzmechanismen, die im Ernstfall sofort reagieren.

5. Der Faktor Mensch: Warum der Wandel bei den Mitarbeitern beginnt

Technologie lässt sich beherrschen – die Kultur einer Organisation zu verändern, ist die weitaus größere Herausforderung. Der Wechsel von liebgewonnenen Sonderlösungen zu standardisierten Plattformen ist ein tiefgreifender kultureller Wandel. Er erfordert:

  • Das Aufbrechen organisatorischer Silos.
  • Die Bereitschaft, auf gewohnte Insellösungen zu verzichten.
  • Neue, agile Modelle der Zusammenarbeit.
  • Veränderte Rollenprofile und neue Kompetenzen.

Change Management ist daher kein optionales Begleitprogramm, sondern der Kern jeder erfolgreichen Transformation. Ohne die Akzeptanz der operativen Teams bleibt die beste Architekturstrategie nur ein Papiertiger.

Fazit: Die Zukunft wartet nicht – stellen Sie jetzt die Weichen!

Die Energiewirtschaft steht nicht vor einem einfachen Modernisierungsprojekt, sondern vor einem historischen Sprung nach vorn. Für Entscheider ergeben sich daraus klare Handlungsfelder:

  • Zielarchitektur definieren: Entwickeln Sie eine klare Vision für Ihr zukünftiges System.
  • Modularität umsetzen: Brechen Sie Monolithen konsequent auf.
  • IT/OT-Konvergenz gestalten: Denken Sie Informations- und Betriebstechnologie strategisch zusammen.
  • Sicherheit integrieren: Machen Sie Cybersicherheit zum Fundament Ihrer Architektur.
  • Partnerschaften schmieden: Entwickeln Sie systematisch Ihr Ökosystem.
  • Wandel verankern: Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter mit auf die Reise.

Der Schlüssel liegt in einer schrittweisen, aber konsequenten Transformation. Das Stromnetz der Zukunft entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das orchestrierte Zusammenspiel von Plattformarchitektur, Automatisierung, Sicherheit und starken Partnern. Wer heute beginnt, veraltete Strukturen abzulösen, legt das Fundament für ein autonomes, resilientes und nachhaltiges Energiesystem.

 

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