SMI-Mitglieder haben eine Geschäftsführer-Beschwerde an den Netzbetreiber Westnetz verschickt
Die vier Gründungsmitglieder der Smart-Meter-Initiative (SMI) Rabot Energy, Tibber, Octopus Energy und Ostrom beklagen massive Probleme bei der Installation von Smart Metern im Netzgebiet von Deutschlands größtem Netzbetreiber Westnetz. Bei sogenannten Klärfällen sei die ausbleibende Kommunikation mit allen vier digitalen Ökostromanbietern so auffällig, dass sich die Unternehmen zu einer gemeinsamen Geschäftsführer-Beschwerde entschieden haben. Dabei handele es sich nach Darstellung der SMI um ein informelles Eskalationsmittel, bei dem sich Kund:innen oder Geschäftspartner mit einem ungelösten Problem direkt an die Geschäftsleitung eines Stromanbieters oder Netzbetreibers wenden.
Systemische Probleme bei Datenübermittlung von Smart Metern
Auch wenn das Problem nicht alleine den größten deutschen Netzbetreiber betrifft, zeige die Häufung der ungelösten Klärfälle bei Westnetz das systemische Problem besonders deutlich. Bei Rabot Energy können nach eigenen Angaben Stromrechnungen von mehr als 1.500 Kund:innen im Westnetz-Gebiet bei 6,8 Prozent seit über einem Jahr nicht mit Smart-Meter-Daten abgerechnet werden, obwohl alle erforderlichen Daten nach Angaben von Rabot vorliegen.
Der Hamburger Stromanbieter versuchte nach eigenen Angaben bereits zehn Mal seit Dezember letzten Jahres per E-Mail und telefonisch Kontakt mit der fachlichen Ansprechperson aufzunehmen – bislang ohne Erfolg. Bei 119 Smart-Meter-Geräten würde zusätzlich die Umstellung auf den aktuellen Smart-Meter-Standard TAF 7 fehlen. Dabei ist dieser seit dem 6. Juni 2025 verpflichtend. Dadurch können betroffene Haushalte trotz installierter Hardware nicht nach dem tatsächlichen Stromverbrauch abgerechnet werden, sondern nach wie vor nur über das Standardlastprofil (SLP) – der pauschal über typische Verbrauchskurven geschätzte Stromverbrauch. Stromkund:innen mit Smart Meter können dadurch nicht von dynamischen Stromtarifen profitieren, heißt es bei der SMI
Stimmen
„Natürlich gibt es mit fast allen Netzbetreibern Herausforderungen beim Thema Smart-Meter-Betrieb, aber die Probleme bei Westnetz sind systematischer Natur.“
Konrad Schade, CCO bei Rabot Energy
Tibber bestätigt das. Nach der Darstellung des Unternehmens werden die Lastgänge – also der zeitliche Verlauf des Stromverbrauchs – und Zählerstände bei Westenetz organisatorisch getrennt erfasst. Dadurch werden widersprüchliche Werte (Lastgang vs. Zählerstand) gesendet und für die Korrektur müssen Stromanbieter beide Fachbereiche parallel kontaktieren. Tibber meldet Bearbeitungszeiträume von mehr als drei Monaten, wobei das Anliegen meist ungelöst bleibt.
„In der Säumnis-Auswertung unserer Kund:innen-Daten steht Westnetz auf Platz 1 mit fast 10 Prozent ausbleibender TAF-7-Umstellungen“.
Göran Kügler, Sprecher bei Tibber
Auch bei Ostrom gebe es aktuell 47 offene Fälle, in denen keine Daten geliefert werden oder das Profil noch nicht umgestellt wurde – ohne erkennbaren Grund.
Schnelle Klärung der Fälle gefordert
Die vier Mitgliedsunternehmen der SMI fordern bei den betroffenen Haushalten und auch künftig bei Neukund:innen von Smart Metern eine zuverlässige Umstellung der Stromzähler auf Smart-Meter-Geräte und einen zügigen Wechsel auf das Format TAF 7 zur Übermittlung des Zählerstands alle 15 Minuten.
„Der Smart-Meter-Rollout sollte nicht an der Anzahl an eingebauten Geräten im Keller gemessen werden, sondern daran, ob sie Daten zuverlässig senden. Wir fordern von Westnetz, dass sie ihrer Verantwortung eines ordnungsgemäßen Messstellenbetriebs als größter Verteilnetzbetreiber Deutschlands nachkommt und im Sinne der Kund:innen zeitnah zur Klärung der Fälle beiträgt.”
Konrad Schade
Über die Smart-Meter-Initiative
Die im Januar 2024 gegründete Smart-Meter-Initiative (SMI) besteht aus den digitalen Ökostromanbietern Octopus Energy, Rabot Energy, Tibber und Ostrom. Gemeinsam wollen die Unternehmen den Smart-Meter-Rollout in Deutschland begleiten und beschleunigen. Als Pioniere dynamischer Tarife setzen sie sich gemeinsam mit Messstellen- und Verteilnetzbetreibern für den flächendeckenden Einbau von intelligenten Stromzählern ein. Die Vision: Verbraucher:innen die Möglichkeit bieten, den eigenen Stromverbrauch flexibel an das Stromangebot anzupassen. So können sie von günstigeren Preisen profitieren. Die SMI veröffentlicht außerdem regelmäßig den Smart-Meter-Atlas, der den Stand des Smart-Meter-Rollouts in Deutschland zeigt.
Pressekontakt
Stephan Dörner, Geschäftsführer fph GmbH
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