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„Geschäftskunden können ihre Tranchen künftig selbst bestellen“

Mit ihrem neuen Geschäftskundenportal will SOPTIM die Beschaffung von Tranchen für Geschäftskunden weitgehend automatisieren.
Carolin Jansen ist Senior Managerin Marktscouting bei der SOPTIM AG. (Bild: © SOPTIM)

„Unsere Lösung ermöglicht Energieversorgern, Tranchenverträge auch kleineren Geschäftskunden anzubieten“

Preise anfragen, auf Rückmeldung warten, bestellen und bestätigen: Die Tranchenbeschaffung für Geschäftskunden ist bei vielen Energievertrieben noch mit zahlreichen manuellen Schritten verbunden. Mit ihrem neuen Geschäftskundenportal will SOPTIM diesen Prozess weitgehend automatisieren. Geschäftskunden können aktuelle Preise einsehen und Tranchen direkt selbst bestellen. Carolin Jansen, Senior Managerin Marktscouting bei der SOPTIM AG, erklärt im Interview mit energie.blog, wie das funktioniert, was im Hintergrund passiert – und warum Tranchenmodelle dadurch künftig auch für kleinere Geschäftskunden interessant werden könnten.

e.b: Frau Jansen, Tranchenverträge sollen Geschäftskunden mehr Flexibilität bei der Energiebeschaffung geben. Warum machen sie Energievertrieben gleichzeitig so viel Arbeit?
Carolin Jansen: Bei der Tranchenbeschaffung gibt es heute noch viel direkten Austausch zwischen Geschäftskunden und Stadtwerken. Geschäftskunden fragen aktuelle Preise telefonisch oder per E-Mail an, prüfen diese und entscheiden gegebenenfalls erst zu einem späteren Zeitpunkt über den Abschluss. Für den Vertrieb bedeutet das, wiederholt Preise bereitzustellen, Bestellungen entgegenzunehmen, einzubuchen und zu bestätigen.
Wenn dieser Prozess manuell abläuft, ist er zeitintensiv. Diese Zeit fehlt den Mitarbeitern beispielsweise für die eigentliche Beratung ihrer Geschäftskunden.

e.b: Können Sie kurz erklären, wie eine solche Tranchenbeschaffung abläuft?
Carolin Jansen: Bei einem Tranchenvertrag wird die benötigte Strom- oder Gasmenge nicht zu einem einzigen Zeitpunkt für mehrere Jahre beschafft. Stattdessen erfolgt der Einkauf schrittweise in mehreren Teilmengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Aus diesen einzelnen Beschaffungsvorgängen ergibt sich über den vereinbarten Zeitraum hinweg ein Mischpreis. Damit verteilt sich das Preisrisiko auf mehrere Beschaffungszeitpunkte, statt von einem einzigen Einkaufszeitpunkt abzuhängen. Dies kann insbesondere in Zeiten volatiler Märkte und einer erhöhten Unsicherheit einen strategischen Vorteil bedeuten.

Vom Preisabruf bis zur Bestellung

e.b: Was verändert sich mit dem Geschäftskundenportal konkret für den Kunden und für den Vertrieb?
Carolin Jansen: Im Portal sieht der Geschäftskunde direkt, zu welchem Preis er eine Tranche aktuell abschließen kann. Die separate Preisabfrage beim Energieversorger entfällt. Entscheidet er sich für den Abschluss, kann er die Bestellung unmittelbar im Portal auslösen.
Die Bestellung wird anschließend automatisch an die Strom- beziehungsweise Gasbeschaffung weitergeleitet. Für den Vertrieb entfallen damit manuelle Bearbeitungsschritte und es bleibt mehr Zeit für die Beratung der Geschäftskunden.

e.b: Wie weit ist der Prozess tatsächlich automatisiert? Muss ein Mitarbeiter die Bestellung irgendwann noch freigeben?
Carolin Jansen: Nein, der Prozess läuft vollständig automatisiert. Nach der Bestellung erhält der Geschäftskunde automatisch eine Bestätigung per E-Mail mit Menge und Preis.
Auch die Mitarbeiter des Stadtwerks werden über den Abschluss informiert und behalten damit den Überblick über die Aktivitäten ihrer Geschäftskunden. Eine zusätzliche Freigabe oder ein weiterer manueller Schritt ist jedoch nicht erforderlich.

„Geschäftskunden können die Preise jetzt selbst abrufen, statt dafür beim Vertrieb anzufragen zu müssen.“

Was hinter dem angezeigten Preis steckt

e.b: Preise an den Energiemärkten können sich innerhalb weniger Minuten verändern. Wie entsteht der Preis, den der Geschäftskunde im Portal sieht?
Carolin Jansen: Die Preise können sich tatsächlich alle fünf Minuten verändern. Ausgangspunkt ist in der Regel eine Price Forward Curve, kurz PFC, die der Vertrieb des Stadtwerks von seiner Beschaffungsabteilung erhält. Dazu kommen die individuellen Aufschläge des jeweiligen Vertriebs. Dabei spielen beispielsweise Risikoaufschlag und Bindefrist eine Rolle.

Diese Preisbildung gibt es beim Stadtwerk schon heute. Sie ist in unserem EDM-System hinterlegt. Das Portal verändert die Preislogik also nicht, sondern greift auf die Preise aus dem bestehenden System zu. Der Unterschied ist, dass der Geschäftskunde sie jetzt selbst abrufen kann, statt dafür beim Vertrieb anzufragen.

e.b: Welche technischen Voraussetzungen muss ein Energielieferant mitbringen, um das Portal einsetzen zu können?
Carolin Jansen: Im ersten Schritt ist das Portal direkt an unsere SOPTIM-Lösung angeschlossen. Für unsere Anwender ist deshalb kein separates Integrationsprojekt erforderlich. Das Portal ist als White-Label-Plattform ausgelegt. Der Energieversorger kann also sein eigenes Logo und seine eigenen Farben verwenden.

Geschäftskunden erhalten eine Einladung und melden sich anschließend über die Webseite an. Da über das Portal verbindliche Bestellungen ausgelöst werden, ist der Zugang zusätzlich über einen zweiten Faktor abgesichert. Aktuell liegt unser Fokus auf der Anbindung an unsere eigene Lösung. Perspektivisch denken wir darüber nach, das Portal auch mit anderen Energiemanagementsystemen zu verbinden.

„Unser Ziel ist, dass sich Tranchenverträge durch das Portal einfacher skalieren lassen.“

e.b: Könnte die Automatisierung dazu führen, dass Energieversorger Tranchenprodukte künftig auch kleineren Geschäftskunden anbieten?
Carolin Jansen: Tranchenverträge sind gerade in Zeiten mit stark schwankenden Preisen für Geschäftskunden interessant. Gleichzeitig verursachen sie für Stadtwerke bislang relativ viel Personalaufwand. Für Energieversorger stellt sich deshalb die Frage, in welchem Umfang sie ein solches Produkt überhaupt anbieten können.

Unser Ziel ist, dass sich Tranchenverträge durch das Portal einfacher skalieren lassen. Ein Energieversorger kann sie damit entweder insgesamt häufiger anbieten oder eben auch kleineren Geschäftskunden zugänglich machen, für die der manuelle Aufwand bislang möglicherweise zu hoch gewesen wäre.

e.b: Die Lösung ist gemeinsam mit Anwendern entstanden. Welche Anforderungen kamen direkt aus der Praxis – und welche Funktionen sollen als Nächstes folgen?
Carolin Jansen: Ausgangspunkt war unser Anwendertreffen im November vergangenen Jahres. Dort haben wir unsere Kunden gefragt: Was sollte ein Geschäftskundenportal aus eurer Sicht als Erstes können? Das Feedback kam sehr schnell: Es sollte Tranchen abbilden können – und zwar nicht nur zur Ansicht, sondern auch zur Bestellung.

Auf diese Aufgaben haben wir uns im ersten Schritt konzentriert. Bei einem Geschäftskundenportal denkt man sonst schnell an Funktionen wie Lastgänge oder Rechnungen. Wir wollten zunächst aber genau das Thema lösen, bei dem unsere Anwender den größten Bedarf gesehen haben.

Im November findet unser nächstes Anwendertreffen statt. Dort werden wir zeigen, was inzwischen entstanden ist, und wieder gemeinsam diskutieren, welche Ausbaustufen als Nächstes sinnvoll sind. Themen, die wir bereits im Kopf haben, sind beispielsweise Lastgänge und Rechnungen, aber auch dynamische Tarife oder künftig dynamische Netzentgelte. Entscheidend wird wieder sein: Wo ist bei unseren Anwendern der größte Schmerz?

 

 

„Der Markt hat sich zunehmend von monolithischen Systemen abgewandt und verlangt heute agile Lösungen, die regulatorische Änderungen unmittelbar unterstützen.“

Frank Bremen, Head of Sales Product Solutions.

Lösungen für kritische Infrastrukturen

Als etablierter Anbieter für Lösungen in kritischen Infrastrukturen ist Soptim seit vielen Jahren insbesondere bei europäischen Übertragungsnetzbetreibern und RCCs (Regional Coordination Centers) im Einsatz. Die Schwerpunkte liegen unter anderem auf Leitsystemen und leitsystemnahen Anwendungen, Fahrplanmanagement, Redispatch, Freischaltplanung, Regelenergie sowie komplexen Abrechnungen.

Zudem schätzen auch namhafte Handelshäuser und Dienstleister die Expertise von Soptim für einen ausfallsicheren 24/7-Betrieb in kritischen Prozessen des Kurzfristhandels – einschließlich der technischen Marktkommunikation über AS4.
Auf der E-world 2026 bietet Soptim Raum für den persönlichen Austausch mit allen Marktteilnehmern über aktuelle technische Trends und kommende fachliche Herausforderungen. Anhand ausgewählter Standardlösungen für Fahrplanmanagement (NomT), Kurzfristhandel (iTrade) und AS4-Marktkommunikation (SAGA) erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in konkrete Anwendungsfälle.

„Soptim-Lösungen haben sich in den anspruchsvollsten Umgebungen bewährt. Unser langjähriger Erfolg basiert jedoch weniger auf bestimmten Technologien oder Methoden, sondern begründet sich in der partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, ergänzt Judith Kießner, Head of Sales Project Solutions.

Ganzheitliches Produktportfolio durch Zusammenarbeit mit spezialisierten Tochterunternehmen

2026 positioniert sich Soptim stärker denn je als strategischer Partner entlang der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit den Tochterunternehmen ergänzt Soptim sein Portfolio gezielt: enprout bietet umfassende Business-Process-Outsourcing-Services für operative und wirtschaftliche Prozesse im Strom- und Gasmarkt und entlastet Unternehmen durch digitalisierte und automatisierte Abläufe. esterion entwickelt KI-basierte Prognosen, prozessorientierte Lastganganalysen und datengetriebene Lösungen zur verlässlichen Steuerung energiewirtschaftlicher Prozesse. sbc berät bei Smart Metering, Digitalisierung sowie der Entwicklung von Prozessen, Strategien und Geschäftsmodellen für die Energiewende.

Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, Soptim auf der E-world 2026 in Halle 1, Stand 1E130, zu besuchen. Dort präsentiert sich das Unternehmen mit einem neu konzipierten Messestand, der Raum für persönliche Gespräche bietet. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Terminvereinbarung finden sich unter www.soptim.de/e-world

 

Über SOPTIM

Informationen zum Unternehmen finden Sie in der Company-Box.

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