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„Ein Smart-Meter-Rollout in dieser Größenordnung ist manuell nicht mehr zu bewältigen“

AVSystems bietet im Rahmen des Smart-Meter-Rollouts eine NMS-Plattform, die agnostisch gegenüber der Hardware ist, sagen Jarosław Dzierżęga und Dominik Fryc.

AVSystems bietet im Rahmen des Smart-Meter-Rollouts eine NMS-Plattform, die agnostisch gegenüber der Hardware ist, sagen Jarosław Dzierżęga und Dominik Fryc. (Bild: © AVSystem)

Wer auf offene Standards setzt, baut eine zukunftssichere Infrastruktur auf

Der deutsche Markt für Smart Grid und Smart Metering nimmt Fahrt auf: Bis 2036 sollen 15 bis 16 Millionen intelligente Messsysteme installiert werden. Das Messstellenbetriebsgesetz und die Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellen Gateway-Administratoren und Messstellenbetreiber dabei vor enorme technologische und wirtschaftliche Herausforderungen. Im Interview mit energie.blog erklären Jarosław Dzierżęga, Produktexperte bei AVSystem, und Dominik Fryc, Vertriebsmanager, warum klassisches Geräte-Management nicht mehr ausreicht, warum Herstellerunabhängigkeit jetzt zur Überlebensfrage wird und wie offene Standards den Rollout absichern.

e.b: Herr Fryc, viele Leserinnen und Leser aus der deutschen Energiewirtschaft kennen AVSystem vielleicht noch nicht im Detail. Wer steckt hinter dem Unternehmen?

Dominik Fryc: AVSystem ist ein Softwareanbieter, der sich voll und ganz auf Lösungen und Dienstleistungen für die smarte Gerätekonnektivität spezialisiert hat. Wir wurden 2006 gegründet und haben unseren Hauptsitz in Krakau, Polen, mit einer starken Präsenz in vielen globalen Märkten. Mit über 250 Kunden weltweit, von Telekommunikationsanbietern bis hin zu großen Versorgern, verwalten wir aktuell mehr als 150 Millionen Geräte. Unsere geschäftliche Mission ist es, komplexe IoT-Infrastrukturen durch skalierbare Software für unsere Kunden beherrschbar und vor allem profitabel zu machen.

Die Marktrealität in Deutschland

e.b: Der deutsche Markt ist durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik reguliert. Wie blicken Sie aus Vertriebssicht auf den Rollout der Smart-Meter-Gateways?

Dominik Fryc: Wir blicken auf einen sehr ambitionierten, nationalen Plan, der riesiges Potenzial, aber auch enorme Risiken für die Betreiber birgt. Die Installation von 15 bis 16 Millionen intelligenten Messsystemen bis zum Jahr 2036 ist ein Kraftakt. Ab 2025 greift der verpflichtende Rollout für Verbraucher mit einem Jahresstromverbrauch von über 6.000 kWh und für Erzeuger ab 7 kW Anlagenleistung. Bis 2030 müssen bereits 95 % dieser Pflichteinbauten abgeschlossen sein. Nehmen wir die größten Akteure: Hier geht es um den Einsatz von rund 6 Millionen Intelligenten Messysteme bis 2030.

Ein Rollout in dieser Größenordnung und Geschwindigkeit ist manuell schlichtweg nicht mehr zu bewältigen. Das gilt in unseren Gesprächen mit Kunden als Konsens, besonders wenn man die strengen Preisobergrenzen des MsbG beachtet, die genau vorschreiben, was für den Messstellenbetrieb in Rechnung gestellt werden darf. Effizienz in der Verwaltung ist hier kein Luxus, sondern die absolute Voraussetzung für ein profitables Geschäft.

Technologische Hürden für Messstellenbetreiber

e.b: Herr Dzierżęga, Sie verantworten das Produkt. Welche konkreten technologischen Hürden ergeben sich aus dem Messstellenbetriebsgesetz für die Betreiber?

Jarosław Dzierżęga: Eine der größten Herausforderungen ist die in § 25 MsbG festgelegte Überwachungspflicht. Der Gateway-Administrator ist gesetzlich verpflichtet, den absolut zuverlässigen technischen Betrieb zu gewährleisten. Das umfasst die Installation, Konfiguration, Überwachung und fortlaufende Wartung des Smart-Meter-Gateways. Zudem erlegt § 11 MsbG den Messstellenbetreibern die Pflicht, Störungen unverzüglich zu beheben.

In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Gateway offline geht, können Betreiber im Backend oft nicht erkennen, ob es sich um einen simplen Stromausfall, einen Netzwerkfehler des Mobilfunkanbieters oder ein echtes Hardwareproblem handelt. Ohne ein leistungsfähiges Netzwerkmanagementsystem mit tiefgreifender, detaillierter Echtzeit-Diagnostik müssen Techniker oft buchstäblich auf Verdacht losgeschickt werden.

„Wer sich heute in proprietäre Silos begibt, verliert langfristig die Kontrolle über seine eigene Infrastruktur.“

Herstellerunabhängigkeit als strategischer Imperativ

e.b: In der Praxis haben Messstellenbetreiber und GWA oft Geräte verschiedener Hardware-Hersteller im Feld. Wie wichtig ist es, alle diese verschiedenen Hersteller zu unterstützen?

Jarosław Dzierżęga: Technologisch ergänzt sich das perfekt: Wenn der Rollout skaliert, verwalten Smart-Meter-Gateway-Admins zwangsläufig heterogene Flotten mit Geräten von Herstellern wie PPC, EMH, Sagemcom, EFR, Theben und anderen. Wir bei der Produktentwicklung von AVSystem fokussieren uns genau auf diesen Punkt: Wir bieten eine NMS-Plattform, die agnostisch gegenüber der Hardware ist. Egal von welchem Hersteller das Gateway stammt, der LwM2M Client führt eine Normalisierungsschicht ein, welche die physischen Gerätespezifika abstrahiert. Auf dem Bildschirm des Administrators im System sieht alles einheitlich aus – einschließlich der zusätzlichen Mehrwerte-Features eingeführt von Herstellern, die den Basisbetrieb erweitern. Das sorgt für immense Flexibilität in der Lieferkette.

Der offene Weg: Warum Standards wie LwM2M die Zukunft sind

e.b: Herr Dzierżęga, Sie betonen dabei immer wieder die Bedeutung offener Standards für Ihre Smart-Meter-Gateway-Dienstleistungen. Warum ist dieser „offene Weg“ aus Ihrer Sicht alternativlos?

Jarosław Dzierżęga: Weil proprietäre Protokolle in modernen, massiv skalierenden IoT-Szenarien schlicht an ihre Grenzen stoßen. Wir setzen bei unseren Dienstleistungen und unserer Plattform Coiote IoT Device Management ganz bewusst auf Lightweight Machine-to-Machine (LwM2M). Dieser offene Standard wurde speziell für ressourcenbeschränkte Geräte in Mobilfunknetzen entwickelt.

Als Ergebnis, das garantiert eine nahtlose Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen. Er ermöglicht es Betreibern, konsistente Sicherheitsrichtlinien oder Massenoperationen wie Firmware-Updates für die gesamte, bunt gemischte Flotte gleichzeitig und sicher durchzusetzen. Wir stimmen damit völlig zu, dass die deutsche Energiewirtschaft von den globalen IoT-Innovationen profitiert, anstatt in isolierten Datensilos gefangen zu bleiben. Wer auf offene Standards setzt, baut eine zukunftssichere Infrastruktur auf.

„Jede fehlgeschlagene Installation, die eine zweite Anfahrt erfordert, zerstört die operative Marge für diesen Zählpunkt.“

Installation, First-Time-Right und BSI-Sicherheit

e.b: Wie kann dieser offene Software-Ansatz konkret bei der Installation vor Ort helfen?

Dominik Fryc: Aus Vertriebs- und Operations-Sicht ist bei Massen-Rollouts die „First-Time-Right“-Rate der wichtigste Key Performance Indicator. Derzeit müssen Techniker häufig Entscheidungen auf der Grundlage unvollständiger Informationen treffen. Sie wissen beim Verlassen des Kellers nicht zu 100 %, ob sich das Gateway im Backend erfolgreich registriert hat oder ob die Mobilfunk-Signalqualität auch bei geschlossener Schaltschranktür ausreicht. Das führt zu „Geisterinstallationen“ – Geräte, die zwar an der Wand hängen, aber operativ nutzlos sind. Und wie Jarosław vorhin sagte: Jeder unnötige Truck-Roll vernichtet die Marge dieses Zählpunkts auf Jahre.

Jarosław Dzierżęga: Genau, und hier liefert unser NMS die technische Lösung: Wir bieten den Technikern tiefgehende Konnektivitäts- und Signaldiagnosen in Echtzeit. Sie können Netzwerkparameter wie Signalstärke (RSRP/RSRQ) direkt vor Ort über unsere Systeme validieren.

e.b: Und wie gewährleisten Sie bei all dieser Offenheit die vom BSI geforderten extrem hohen Sicherheitsstandards (TR-03109)?

Jarosław Dzierżęga: Offenheit und höchste Sicherheit schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Offene Standards werden global von tausenden Experten geprüft. Gemäß § 25 MsbG dürfen Administratoren ausschließlich Gateways mit gültigen Zertifikaten verwenden. Der manuelle Umgang mit diesen Zertifikaten in heterogenen Flotten ist ein Albtraum und ein enormes Sicherheitsrisiko.

Unser System unterstützt das EST-Protokoll, externe EST-Server-Integrationen und damit automatisiert die Ausstellung, Erneuerung und Rotation von Gerätezertifikaten komplett. Durch den LwM2M-Bootstrap-Prozess stellen wir sicher, dass jedes Gerät – egal von welchem Hersteller – ab dem Moment des ersten Einschaltens automatisch mit den absolut korrekten und hochsicheren Anmeldeinformationen versehen wird. So erfüllen wir nicht nur die strengen Standards des BSI, sondern sorgen dafür, dass der GWA für jedes Audit jederzeit prüfbereit bleibt – voll automatisiert und herstellerübergreifend.

AVSystem

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