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Digitalisierung beschleunigen – Bestehende Lösungen nutzen statt neue Parallelstrukturen schaffen

Warum der Smart Meter light nicht einfach nur ein neuer Zähler ist, erläutert PPC-Chef Ingo Schönberg in seinem Kommentar.

Warum der Smart Meter light maher als nur ein neuer Zähler ist, erläutert PPC-Chef Ingo Schönberg in seinem Kommentar. (Bild: © PPC)

Warum ein Smart Meter Light nicht nötig ist

Die Debatte um ein „Smart Meter Light“ nimmt Fahrt auf. Befürworter versprechen sich davon einen schnelleren und günstigeren Zugang zu digitalen Messwerten. Kritiker warnen dagegen vor neuen Parallelstrukturen, zusätzlichen Schnittstellen und einem Rückschritt bei Datenschutz und Cybersicherheit. Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender von Power Plus Communications, erklärt, warum aus seiner Sicht nicht ein neues System gebraucht wird, sondern eine konsequentere Nutzung der bestehenden Lösungen.

Die Forderungen nach einem „Smart Meter Light“ unterstellen, dass Endnutzer von günstiger, grüner Energie durch einen Mangel an Smart Metern ausgeschlossen werden und dies nur mit einem neuen parallelen System behoben werden kann.

Dieser Argumentation kann ich nicht folgen.

Der Gesetzgeber hat Ende 2025 im MsbG mit dem verpflichtenden Einbau auf Kundenwunsch und mit der „1:n“-Lösung für Mehrfamilienhäuser bereits zentrale Antworten auf die Forderung „Smart Meter für alle“ gegeben. Für Mieter in MFH können zahlreiche Zähler über ein SMGW kostengünstig erschlossen werden. Diese Lösung ist in die bestehende Systemarchitekturen für iMSys integriert, gesetzlich verankert und sofort verfügbar, ohne neue Parallelprozesse. Jeder Kunden hat zudem einen Rechtsanspruch auf ein iMSys.

Wo genau soll die Lücke liegen, die eine neue „Light“-Parallelwelt rechtfertigt? Wenn es um 15-Minuten-Zählerdaten ohne Steuerung für Mieter und Mieterinnen geht, dann bedarf es keiner neuen Geräteklasse, sondern der konsequenten Anwendung von „1:n“ unter Nutzung vorhandener Strukturen. Dabei entsteht im MFH zudem mit der Energiewende sukzessive eine Möglichkeit für einfache Synergien, wenn bspw. für Ladesäulen oder Wärmepumpen ein SMGW-Pflichteinbau erfolgt und dabei alle Zähler über dieses SMGW angebunden werden.

Der Rollout skaliert und kann beschleunigt werden

Deutschland hat die Hochlaufphase des Smart-Meter-Rollouts bereits hinter sich. Nahezu vier Millionen Gebäude – rund 20 Prozent des Gebäudebestands – sind heute mit intelligenten Messsystemen erschlossen. Der Rollout wächst inzwischen um mehr als zwei Millionen Einbauten pro Jahr.

Wie überall in Europa braucht ein Rollout dieser Größenordnung Zeit. Sechs bis neun Jahre sind keine Ausnahme, sondern eher die Untergrenze und Verzögerungen leider Normalität. Deutschland ist später gestartet, weil hier nicht nur Metering, sondern von Beginn an ein cybersicherer Steuerungsansatz verfolgt wurde. Jetzt ist der Rollout jedoch in der Skalierung angekommen.

Gerade deshalb braucht der Markt Kontinuität, regulatorische Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Mit jedem zusätzlichen Einbau sinken Prozesskosten, Automatisierung nimmt zu und Investitionen in Marktkommunikation, Backend-Systeme und Betriebsprozesse entfalten ihre Wirkung. Ein erneuter Richtungswechsel oder gar Parallelsysteme würde diese Skaleneffekte zunichtemachen. Darüber hinaus sind Stranded Investments und verlorene Skaleneffekte durch Alternativsysteme vorprogrammiert (Bsp. Späterer Pflichteinbau durch WP oder Ladesäule im MFH).

Ein Smart Meter Light würde ineffiziente Doppelstrukturen schaffen

Der Engpass liegt heute nicht in der Technik im Keller. Entscheidend sind standardisierte Ende-zu-Ende-Prozesse für viele Millionen Endkunden: Marktkommunikation, ERP-Integration, Gateway-Administration, Backend-Prozesse, Zertifizierung, Standards und automatisierte Massendatenverarbeitung. Hiermit verbunden sind auch Themen wie Lieferantenwechsel und Mako, die nur mit einer homogenen Plattform effizient und ohne Umrüstung ablaufen können.

Ein neues „Smart Meter Light“ wäre nicht einfach nur ein neuer Zähler. Es müsste eine zusätzliche Prozessstruktur mitbringen – mit neuen Schnittstellen, neuen Standards, neuen Integrationsaufwänden in Mako/ERP und zusätzlicher Automatisierung und Zeithaltung für Messwerte. Diese Parallelwelt wäre erst in Jahren systemisch verfügbar und würde im Aufbau genau die Ressourcen binden, die heute für den bestehenden Rollout gebraucht werden.

Damit würde ein Light-System den Rollout nicht beschleunigen, sondern massiv einbremsen. Und das für alle Kundinnen und Kunden, die sich zudem ohne Zutun in einer systemischen Zweiklassengesellschaft wiederfinden würden.

Cybersicherheit bleibt Grundlage der Energiewende

Deutschland hat sich bewusst für eine einheitliche, interoperable und cybersichere Smart-Grid-Plattform entschieden. Das intelligente Messsystem ist nicht nur ein digitaler Zähler, sondern die Grundlage für Flexibilitätsmärkte, variable Tarife, sichere Steuerung, Netzstabilität und die Integration von Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Speichern und Photovoltaik.

Auch 15-Minuten-Messwerte sind keine belanglosen Daten. Deshalb dürfen Datenschutz und Cybersicherheit nicht vom Wohnort, vom Gebäudetyp oder von Entscheidungen eines MSB oder Vermieters abhängen. Keine Zweiklassengesellschaft für Sicherheit & Datenschutz.

Fazit: Skalierung statt Fragmentierung

Smart Metering für alle ist mit dem bestehenden Rechtsrahmen bereits möglich: mit intelligentem Messsystem, dem Einbau auf Kundenwunsch und „1:n“-Lösung für Mehrfamilienhäuser.

Ein zusätzliches „Smart Meter Light“ würde dagegen neue Parallelprozesse schaffen, Ressourcen binden, regulatorische Unsicherheit erzeugen, den Rollout verzögern und bräuchte systemisch bis zur Verfügbarkeit einige Jahre. Die richtige Antwort ist deshalb nicht eine zweite Systemwelt, sondern die forcierte Skalierung der vorhandenen Lösungen.

Jetzt ist die Zeit, den bestehenden Rollout konsequent zu skalieren, Mehrfamilienhäuser gezielt zu beschleunigen und die sichere, standardisierte Plattform für die Digitalisierung der Energiewende mit iMSys weiter auszubauen.

Deutschland hat sich bewusst für eine einheitliche, interoperable und cybersichere Smart-Grid-Plattform entschieden. (Bild mit KI generiert)

Deutschland hat sich bewusst für eine einheitliche, interoperable und cybersichere Smart-Grid-Plattform entschieden. (Bild mit KI generiert)

 

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