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„Die Abrechnung entscheidet mit, ob sich Direktvermarktung auch für kleine Anlagen rechnet“

Herbert Hellmann (meingrünstrom, links) und Lukas Böhm (Solarize) sprechen über die wachsende Bedeutung der Direktvermarktung.
Herbert Hellmann (meingrünstrom, links) und Lukas Böhm (Solarize) sprechen über die wachsende Bedeutung der Direktvermarktung. (Bild: © meingrünstrom/Solarize).

„Für ein wachsendes Portfolio sind skalierbare Prozesse von Tag eins an essenziell.“

Die Direktvermarktung wird breiter: Immer mehr Anlagen fallen aus der EEG-Förderung, und laut Regierungsentwurf zur EEG-Novelle 2027 sollen auch neue PV-Anlagen unter 25 kWp schrittweise einbezogen werden, wenn sie Überschüsse vergütet einspeisen wollen. Für Direktvermarkter bedeutet das mehr Anlagen, Belege und Rechnungspositionen. Herbert Hellmann, Gründer und Geschäftsführer von meingrünstrom, sowie Lukas Böhm, Geschäftsführer bei Solarize, erklären im Interview mit energie.blog, warum gerade junge Direktvermarkter eine skalierbare Abrechnung brauchen und was die Einspeiseabrechnung so anspruchsvoll macht.

Die Direktvermarktung wächst in die Breite

e.b: Herr Hellmann, Herr Böhm, die Direktvermarktung galt lange als Geschäft für große Wind- und Solarparks. Ändert sich das gerade?
Herbert Hellmann: Ja, und zwar deutlich. Wir sehen das von zwei Seiten: Immer mehr Anlagen laufen aus der EEG-Förderung und brauchen einen Weg, ihren Strom wirtschaftlich weiter zu vermarkten. Gleichzeitig sollen mit der geplanten EEG-Novelle auch kleinere Anlagen in die Direktvermarktung kommen. Für Anlagenbetreiber heißt das: Die Frage, wer meinen Strom vermarktet und zu welchen Konditionen, stellt sich künftig für deutlich mehr Anlagen als heute.

Lukas Böhm: In einer im September veröffentlichten Umfrage des Stadtwerkenetzwerks ASEW gaben rund 17 Prozent der Stadtwerke an, den Einstieg in die Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen konkret zu planen; weitere 49 Prozent prüfen ihn noch. Interessant ist, dass die Befragten neben den Kosten auch die Abrechnungsprozesse als wesentliche Herausforderung nennen. Das deckt sich mit dem, was wir in Gesprächen hören.

Unser Preismodell ist darauf ausgelegt, dass der Anlagenbetreiber maximal profitiert.

Wirtschaftlichkeit jenseits der Förderung

e.b: Herr Hellmann, meingrünstrom ist seit 2024 am Markt. Mit welcher Idee sind Sie gestartet?
Herbert Hellmann: Ich bin seit mehr als 20 Jahren in der Erneuerbaren-Branche unterwegs. Eine zentrale Motivation für die Gründung war, Erneuerbare-Energien-Anlagen auch abseits von Förderung wirtschaftlich zu betreiben. Unser Preismodell ist darauf ausgelegt, dass der Anlagenbetreiber maximal profitiert: Die Erlöse fließen an ihn, wir werden über eine Dienstleistungsgebühr vergütet. Bei negativen Preisen regeln wir die Anlagen ab, damit der Kunde keine Verluste macht.

e.b: Wer sind Ihre Kunden?
Herbert Hellmann: Wir vermarkten Aufdach-PV und Solarparks unterschiedlichster Größe, bis in den Multi-Megawatt-Bereich, darunter auch Anlagen nach dem Ende der EEG-Förderung. Neben der Direktvermarktung sind wir als Stromlieferant mit dynamischen Tarifen aktiv und an Unternehmen mit eigener Erzeugung beteiligt. Wir wollen deutlich wachsen, auch im Segment unter 100 kWp.

e.b: Was unterscheidet Sie von etablierten Direktvermarktern?
Herbert Hellmann: Wir legen großen Wert auf Transparenz. Ein Anlagenbetreiber soll auf seinem Beleg nachvollziehen können, wie sich seine Erlöse zusammensetzen. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber oft nicht.

Warum die Einspeiseabrechnung so anspruchsvoll ist

e.b: Was macht die Abrechnung in der Direktvermarktung eigentlich so komplex? Am Ende ist es doch ein Einspeisezähler pro Anlage.
Lukas Böhm: Physisch ja, abrechnungsseitig nein. Über den einen Zähler werden mehrere Preisbestandteile auf Basis viertelstündlicher Zeitreihen abgerechnet: die Ist-Einspeisung zum Börsenstrompreis der jeweiligen Viertelstunde, Erlöskorrekturen bei fehlerhafter Abregelung durch den Direktvermarkter und die Dienstleistungsgebühr je Kilowattstunde auf Basis der Prognose. Dazu kommen informatorische Angaben wie die marktbedingte Abregelung und die Redispatch-Mengen. Aus diesen Zeitreihen entstehen bis zu sieben Rechnungspositionen pro Anlage und Monat.

Herbert Hellmann: Und weil wir die Erlöse auszahlen und gleichzeitig unsere Gebühr in Rechnung stellen, ist es uns wichtig, alle Rechnungspositionen transparent in einem Rechnungsdokument darzustellen und abzurechnen.

Eine Abrechnung muss Änderungen flexibel abbilden können, ohne dass jedes Mal ein IT-Projekt daraus wird.

Direkte Abrechnung des finanziellen Ausgleichs

e.b: Beim Redispatch hat sich zuletzt einiges geändert.
Lukas Böhm: Ja. Seit der EnWG-Novelle Ende 2025 rechnen die Netzbetreiber den finanziellen Ausgleich für Redispatch-Maßnahmen direkt mit den Anlagenbetreibern ab. Weil das in der Praxis noch nicht durchgängig zuverlässig und mit den korrekten Mengen funktioniert, werden die betroffenen Mengen weiterhin informatorisch auf der Rechnung aufgeführt. So kann der Anlagenbetreiber seine Erträge nachvollziehen. Solche Änderungen zeigen, wie schnell sich Rechnungspositionen verschieben. Eine Abrechnung muss das flexibel abbilden können, ohne dass jedes Mal ein IT-Projekt daraus wird.

e.b: Hellmann, wie hätten Sie das ohne spezialisierte Software gelöst?
Herbert Hellmann: Eine manuelle oder Excel-basierte Abrechnung hätte schon für unser bestehendes Portfolio erhebliche personelle Ressourcen gebunden. Mit jedem neuen Solarpark wäre der Aufwand gewachsen. Das skaliert nicht, und es passt nicht zu unserem Anspruch, attraktive Konditionen anzubieten.

e.b: Wie ist das Setup heute aufgebaut?
Herbert Hellmann: Wir arbeiten mit einer klaren Rollenverteilung. Ein Bilanzkreismanager übernimmt die Marktkommunikation und bildet die Schnittstelle zum Handel. Ein weiterer Dienstleister ist für die Fernsteuerung der Anlagen zuständig und liefert die Zeitreihen. Die Solarize-Plattform übernimmt die Abrechnung und die kaufmännischen Prozesse.

Lukas Böhm: Wir empfangen die Zeitreihen über Schnittstellen, ordnen sie den Verträgen zu und berechnen über unsere Pricing-Engine die Rechnungspositionen. Am Ende steht ein Beleg pro Erzeugungsanlage und Abrechnungsperiode. Vermarktung und Bilanzkreis bleiben bei meingrünstrom und den Partnern. Diese Arbeitsteilung macht das Setup schlank, und jeder konzentriert sich auf das, was er am besten kann.

Die Logik der Direktvermarktung mit Prognose, Korrekturen und Gebühren auf einem Beleg haben wir gemeinsam mit meingrünstrom erarbeitet.

Neuer Anwendungsfall Direktvermarktung

e.b: Lief das Projekt reibungslos?
Herbert Hellmann: Wo man außerhalb bestehender Prozesse arbeitet, ist nicht immer alles einfach. Für die Abrechnung der Direktvermarktung in unserer Größenordnung gab es keine Lösung von der Stange, die wir hätten übernehmen können. Viele Details mussten wir gemeinsam klären: welche Zeitreihen wir brauchen, wie wir die einzelnen Positionen sauber darstellen und wie der Beleg am Ende für unsere Anlagenbetreiber verständlich wird. Solarize hat uns mit fachlicher Kompetenz und Kreativität bei der Lösungsfindung überzeugt.

Lukas Böhm: Für uns war es ein neuer Anwendungsfall. Zeitreihen rechnen wir im Mieterstromkontext seit 2022 automatisiert ab. Die Logik der Direktvermarktung mit Prognose, Korrekturen und Gebühren auf einem Beleg haben wir gemeinsam mit meingrünstrom erarbeitet. Gerade die Stellen, an denen es noch keine fertigen Antworten gab, haben das Projekt für uns besonders wertvoll gemacht.

Vom ersten Rechnungslauf zum Wachstum

e.b: Wo stehen Sie heute und was kommt als Nächstes?
Herbert Hellmann: Unser monatlicher Rechnungslauf für alle Erzeugungsanlagen ist in wenigen Minuten erstellt, ohne dass wir dafür wesentliche Personalressourcen brauchen. Die Abrechnung wächst dabei nicht im selben Maß wie das Portfolio. Wir nehmen weitere Solarparks in unser Portfolio auf und bereiten den Einstieg in das Segment unter 100 kWp vor. Gerade dort entscheidet die Kostenstruktur. Heute sind wir bei kleinen Anlagen noch nicht ganz am gewünschten Preispunkt. Dafür brauchen wir weitere Prozessautomatisierung, denn das Ziel bleibt, dass der Anlagenbetreiber maximal profitiert.

Wer auf Automatisierung setzt, kann attraktive Preise anbieten, und nur so bleibt die Direktvermarktung für die Kunden wirtschaftlich.

e.b: Was raten Sie anderen Direktvermarktern, die gerade ihre Prozesse aufbauen?
Herbert Hellmann: Für ein wachsendes Portfolio sind skalierbare Prozesse von Tag eins an essenziell. Wer auf Automatisierung setzt, kann attraktive Preise anbieten, und nur so bleibt die Direktvermarktung für die Kunden wirtschaftlich.

Lukas Böhm: Ergänzend halte ich es für wichtig, von Beginn an auf ein starkes Zusammenspiel aller Beteiligten zu achten und die Skalierbarkeit der Lösungen – insbesondere bei der Abrechnung – nicht außer Acht zu lassen.

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Über meingrünstrom

Das Unternehmen aus Ulm ist seit 2024 am Markt. Gründer und Geschäftsführer Herbert Hellmann bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der Erneuerbaren-Branche mit. Eine zentrale Motivation für die Gründung: Erneuerbare-Energien-Anlagen auch abseits von Förderung wirtschaftlich zu betreiben. Die Erlöse fließen an die Anlagenbetreiber, meingrünstrom wird über eine Dienstleistungsgebühr vergütet. Maximale Transparenz in der Abrechnung gehört dabei zum Selbstverständnis des Unternehmens.

Weitere Informationen: www.meingruenstrom.de

Über Solarize Energy Solutions GmbH

Informationen zum Unternehmen finden Sie in der Company-Box.

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