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„Wir erfüllen als erster Gateway-Hersteller nicht nur nationale, sondern auch europäische Sicherheitsanforderungen“

EFR hat als erster Hersteller die EU-weite Cybersecuirty-Zertifizierung erhalten
EFR hat als erster Hersteller die EU-weite Cybersecuirty-Zertifizierung erhalten. (Bilder: © EFR)

„Wenn Kunden nicht wissen, auf welches System sie setzen sollen, hemmt das“

EFR hat als erster Gateway-Hersteller eine europäische Cybersecurity-Zertifizierung für sein Smart Meter Gateway erhalten. Welche Auswirkungen die neue Gerätegeneration auf den laufenden Rollout hat, erläutert Stefanie Kurtz, Produktmanagerin Smart Energy bei EFR, im Gespräch mit energie.blog. Paul Halm, Bereichsleiter Produkt- und Systementwicklung, ordnet die Rolle unterschiedlicher Kommunikationstechnologien ein. Projektleiter Martin Instenberg erklärt, was es mit dem Begriff TR 2.0 ready auf sich hat und wann die nächste Zertifizierung ansteht.

Funktionale Änderungen

Stefanie Kurtz, Produktmanagerin Smart Energy bei EFR

Stefanie Kurtz, Produktmanagerin Smart Energy bei EFR

e.b: Frau Kurtz, EFR hat vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die Zertifizierung für eine neue Version seines Smart Meter Gateways erhalten. Was ändert sich damit konkret?
Stefanie Kurtz: Wir haben eine Rezertifizierung nach der bestehenden Technischen Richtlinie 1.1 durchlaufen. Neu ist vor allem, dass wir zusätzlich eine EU-weite Cybersecurity-Zertifizierung, die sogenannte EUCC, erhalten haben. Damit erfüllen wir als erster Gateway-Hersteller nicht nur nationale, sondern auch europäische Sicherheitsanforderungen.

Funktional bringt die neue Version unter anderem das Kontaktprofil für Wireless M-Bus mit sich. Damit können 15-Minuten-Werte von bis zu 50 Zählern – 40 drahtlos und 10 drahtgebunden – über ein Gateway verarbeitet werden. Das ist vor allem für größere Liegenschaften interessant, weil sich die Wirtschaftlichkeit verbessert. Neu ist außerdem die Anbindung an Netzwerkmanagementsysteme.

e.b: Wofür ist ein Netzwerkmanagementsystem wichtig?
Paul Halm: Damit können Messstellenbetreiber den Zustand ihrer Gateways im Feld besser überwachen und Probleme schneller erkennen. Denn mit zunehmender Anzahl installierter Gateways wird es für Messstellenbetreiber schwieriger, den Zustand der Geräte im Feld im Blick zu behalten. Netzwerkmanagementsysteme liefern dafür zusätzliche Informationen, etwa zur Verbindungsqualität oder zu möglichen Störungen.

Wir arbeiten hier unter anderem mit Anbietern wie dem Münchner Unternehmen Spine zusammen. Solche Systeme können Gateways verschiedener Hersteller einbinden und zentral auswerten. Das ist vor allem für größere Rollouts relevant, bei denen viele Geräte parallel betrieben werden.

„TR 2.0 ready“

Martin Instenberg ist Projektleiter bei EFR

Martin Instenberg ist Projektleiter bei EFR

 

 

e.b: Ihr Gateway ist jetzt auch „TR 2.0 ready“. Was bedeutet das konkret?
Martin Instenberg: Die aktuelle Version ist noch nicht nach der neuen Technischen Richtlinie 2.0 zertifiziert. Aber sie ist so ausgelegt, dass sich die künftigen Funktionen einfach per Software-Update nachrüsten lassen. Das betrifft auch die Steuerung aus dem Gateway.

Für Messstellenbetreiber bedeutet das: Sie können den Rollout fortsetzen, ohne auf eine neue Gerätegeneration warten zu müssen. Erste entsprechende Geräte bereiten wir derzeit vor. Eine Zertifizierung nach TR 2.0 erfolgt im kommenden Jahr.

Steuerung und Herausfofderungen

e.b: Stichwort Steuerung: Welche Rolle spielt das Gateway hier künftig?
Stefanie Kurtz: Technisch ist vieles bereits möglich oder vorbereitet. In der Praxis sehen wir aber, dass die Umsetzung noch am Anfang steht. Es gibt verschiedene Ansätze – etwa über Steuerboxen oder künftig direkt aus dem Gateway. Hinzu kommt, dass sich auch bei den Schnittstellen noch nicht alles gesetzt hat. Im Feld dominieren heute noch Relaislösungen, während digitale Schnittstellen wie EEBus erst nach und nach an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig herrscht im Markt Unsicherheit, welche Lösung sich langfristig durchsetzen wird. Wenn Kunden nicht wissen, auf welches System sie setzen sollen, hemmt das viele Entscheidungen.

e.b: Woran scheitert die Umsetzung derzeit am häufigsten?
Stefanie Kurtz: Aus den Gesprächen mit unseren Kunden höre ich vor allem eines: Es scheitert nicht an den Geräten. Die wirkliche Herausforderung liegt in der Systemlandschaft. Für die Steuerung müssen viele Systeme zusammenspielen – vom Netzbetreiber über den Messstellenbetreiber bis hin zum Gateway und zur Steuerbox. Diese Kette ist komplex und erfordert eine hohe Interoperabilität. Gleichzeitig ändern sich die regulatorischen Vorgaben häufig. Das führt zu Unsicherheit und bremst Entscheidungen.

Breitband-Powerline als Kommunikationsanbindung

e.b: Ein weiterer kritischer Punkt ist die Kommunikation der Geräte. Welche Erfahrungen machen Sie hier im Feld?
Paul Halm: Mobilfunk ist grundsätzlich attraktiv, weil er einfach umzusetzen ist. In der Praxis stößt er aber schnell an Grenzen. Zum Beispiel ist das in Kellern oder in ländlichen Regionen mit schlechter Abdeckung der Fall. Deshalb sehen wir, dass zusätzliche Technologien notwendig sind, um eine stabile Kommunikation sicherzustellen.

„Breitbandpowerline nutzt das bestehende Stromnetz zur Datenübertragung. Das ist besonders dann interessant, wenn viele Zählpunkte in einem Gebiet vorhanden sind und Mobilfunk nicht zuverlässig funktioniert.“

e.b: Sie setzen dabei auch auf Breitbandpowerline. Wann ist diese Technologie sinnvoll?
Paul Halm: Breitbandpowerline nutzt das bestehende Stromnetz zur Datenübertragung. Das ist besonders dann interessant, wenn viele Zählpunkte in einem Gebiet vorhanden sind und Mobilfunk nicht zuverlässig funktioniert. Der Vorteil ist die einfache Installation. Der Nachteil: Man muss die Infrastruktur vorbereiten, etwa durch Head-Ends und Repeater im Netz. Es lohnt sich also vor allem in Gebieten mit ausreichender Dichte an Einbaufällen.

e.b: Welche Rolle spielt dabei der G.hn-Standard?
Paul Halm: G.hn ist ein international etablierter Standard für Breitbandkommunikation über Stromleitungen. Die Daten werden dabei nicht über Mobilfunk, sondern direkt über das bestehende Stromnetz übertragen. Ursprünglich kommt der Standard aus dem Consumer-Bereich, etwa für Heimnetzwerke. Für den Einsatz im Stromnetz wurde er weiterentwickelt und an die Anforderungen im Smart-Metering angepasst.

Ein wichtiger Punkt ist die Interoperabilität. Ziel ist, dass Netzbetreiber nicht von einem Hersteller abhängig sind, sondern Geräte verschiedener Anbieter miteinander kombinieren können. Gemeinsam mit dem Bayernwerk setzen wir die Technologie derzeit in einem Projekt ein. Dort wird Breitbandpowerline unter realen Netzbedingungen erprobt, insbesondere mit Blick auf die Erreichbarkeit von Gateways im Niederspannungsnetz.

e.b: Sie haben mit Niedersachsen Ports ein größeres Projekt umgesetzt. Was waren dort die wichtigsten Erkenntnisse – insbesondere mit Blick auf Prozesse und Systemintegration?
Stefanie Kurtz: Bei Niedersachsen Ports ging es nicht nur um den Einbau intelligenter Messsysteme, sondern auch um die Anpassung der gesamten Systemlandschaft. Zu Beginn waren dort noch kaum entsprechende Systeme im Einsatz. Gleichzeitig musste die gesetzliche Rollout-Quote von 20 Prozent innerhalb kurzer Zeit erfüllt werden. Das bedeutete: Geräte einbauen, Backend-Systeme aufsetzen und die Marktkommunikation sicherstellen – alles parallel.

Das Projekt hat gezeigt, dass der eigentliche Aufwand weniger im Zählertausch liegt, sondern in der Integration der Systeme und Prozesse.

Lieferkette EMELIE

e.b: Ihre Lieferkette „EMELIE“ war außerdem ein wesentlicher Beschleuniger im Projekt. Was ist daran anders?
Stefanie Kurtz: Die klassische sichere Lieferkette für Smart Meter Gateways ist aufwendig und stark reguliert. In der Praxis ging es lange vor allem um sichere Transportverpackungen und fest definierte Prozesse.

Mit EMELIE verfolgen wir einen anderen Ansatz. Statt der Verpackung steht ein durchgängiges Sicherheits- und Prozesskonzept im Mittelpunkt. Wir richten dabei ein Lager für den Messstellenbetreiber ein. Die erste Auslieferung erfolgt noch nach den bekannten, zertifizierten Verfahren. Danach kann die weitere Verteilung deutlich flexibler und darüber hinaus kostengünstiger erfolgen.

In der Praxis bedeutet das: Geräte können auch über klassische Paketdienste verschickt werden. Die Sicherheit wird dabei auf Basis eines Anforderungskatalogs des BSI über mehrere Ebenen gewährleistet. Die Gateways sind zunächst nur vorpersonalisiert und gehen erst nach der finalen Zertifikatsinstallation durch den Gateway-Administrator in den Wirkbetrieb.

Zusätzlich werden beispielsweise Seriennummern, Lieferzeitpunkte und Siegel geprüft. Wenn Abweichungen auftreten, wird das als Sicherheitsereignis behandelt und muss geklärt werden, bevor ein Gerät in Betrieb geht. So lassen sich Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und deutlich einfachere Logistik miteinander verbinden.

Rolle als Gateway-Administrator

„Im Smart-Meter-Rollout sehen wir, dass viele Unternehmen vor einer hohen Komplexität stehen. Es geht nicht nur um die Geräte, sondern auch um Gateway-Administration, Steuerung und die Integration in bestehende Systeme.“

e.b: EFR ist außerdem besonders: Sie fertigen nicht nur Zähler, Gateways und Steuerboxen, sondern sind auch als Gateway-Administrator aktiv. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?
Paul Halm: Das hängt stark mit unserer Historie zusammen. EFR war lange Zeit vor allem als Serviceanbieter im Netzbetrieb aktiv, insbesondere im Bereich Kommunikation. Dieser Ansatz prägt uns bis heute. Im Smart-Meter-Rollout sehen wir, dass viele Unternehmen vor einer hohen Komplexität stehen. Es geht nicht nur um die Geräte, sondern auch um Gateway-Administration, Steuerung und die Integration in bestehende Systeme.

Deshalb bieten wir diese Bausteine gebündelt an. Gerade für kleinere und mittlere Messstellenbetreiber kann das den Aufwand reduzieren, weil sie nicht alle Komponenten selbst integrieren müssen. Und es gibt natürlich auch Kunden, die nur auf einzelne Bausteine unseres Angebots zurückgreifen.

 

Über EFR GmbH

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