Studie bemängelt fehlende Transparenz, Effizienz und hohe Kosten der Grundversorgung
In einer Studie im Auftrag von Octopus Energy hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) Optionen zur Reform der Strom-Grundversorgung erforscht. Vor dem Hintergrund hoher Preise und mangelnder Transparenz verdeutlicht die Studie, wie groß der Reformbedarf in Deutschland ist und identifiziert drei konkrete Hebel: mehr Wettbewerb, eine Trennung von Markt und sozialer Absicherung und mehr Transparenz. Besonders wirksam wäre aus Sicht der Forschenden ein Ausschreibungssystem, bei dem sich Energieversorger regelmäßig um die Grundversorgung bewerben müssen.
Ineffizient, teuer und intransparent – die Probleme der deutschen Grundversorgung
Die deutsche Grundversorgung war ursprünglich als Absicherung im Ausnahmefall gedacht, steht aber heute zunehmend in der Kritik, auch von Seiten des Bundesverbands Verbraucherzentrale (vzbv). Der Grund: Viele Haushalte zahlen dort deutlich höhere Preise. Im Rahmen der Studie waren Grundversorgungstarife um bis zu 12,9 ct/kWh teurer als die Normaltarife beim gleichen Versorger. Die Differenz ist im Vergleich zum günstigsten wettbewerblichen Anbieter oft noch deutlicher.
Studie identifiziert drei Probleme:
- Fehlende Transparenz: Die Preiszusammensetzung ist für Verbraucher*innen kaum nachvollziehbar, eine wirksame Kontrolle durch die Bundesnetzagentur nur eingeschränkt möglich.
- Fehlende Effizienz: Da die Grundversorgung automatisch dem kundenstärksten Anbieter übertragen wird, fehlt echter Wettbewerbsdruck und damit Anreize für mehr Kosteneffizienz.
- Soziale Schieflage: Hohe Preise treffen besonders einkommensschwache Haushalte, die überdurchschnittlich häufig in der Grundversorgung bleiben.
Die FfE kommt daher zu dem Schluss, dass struktureller Reformbedarf besteht. Die Studie zeigt auch: Mit seinen strukturellen Problemen ist Deutschland im europäischen Vergleich eher die Ausnahme – andere Länder haben bessere Lösungen für eine Grundversorgung gefunden und können damit zum Vorbild für eine Reform in Deutschland werden.
Octopus Energy fordert entschlossenes politisches Handeln
Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Stromkosten weltweit. Das belastet Millionen Menschen und gefährdet die Akzeptanz der Energiewende. Rund 23 % aller Haushalte sind in der Grundversorgung, es geht um knapp 20 Millionen Menschen und rund 5,5 Mrd. Euro pro Jahr, die jährlich zu viel für Strom bezahlt werden. Branchenexpert*innen zufolge sind die Margen in der Grundversorgung teils bis zu doppelt so hoch wie in Sondertarifen. Octopus Energy fordert daher einen verbindlichen Reformfahrplan:
- Wettbewerb statt Monopol: Die Grundversorgung sollte alle vier Jahre ausgeschrieben werden. Den Zuschlag erhält, wer den besten Preis und Service bietet – so profitieren Haushalte von echtem Wettbewerb.
- Verpflichtende Preistransparenz: Energieversorger müssen ihre Kalkulation gegenüber der Bundesnetzagentur offenlegen. Nur so ist eine wirksame Preiskontrolle möglich.
- Direktzahlung wie bei Heizkosten: Stromkosten bei Leistungsbezug sollten direkt vom Jobcenter an den Versorger gehen. Das senkt Zahlungsausfälle und entlastet alle Kundinnen und Kunden.
Mehr Wettbewerb und mehr Transparenz können die Stromkosten für Millionen Haushalte senken – ohne zusätzliche Belastungen für den Staatshaushalt.
Stimmen dazu
“Die deutsche Grundversorgung ist untragbar. Während das bestehende System mit den immer gleichen Scheinargumenten verteidigt wird, fahren die Monopolisten Jahr für Jahr riesige Margen ein. Finanziert wird das von den Haushalten, die es sich am wenigsten leisten können. Gerade Menschen in finanziellen Schwierigkeiten, zum Beispiel Rentner oder Menschen mit Migrationshintergrund, wissen oft gar nicht, dass sie zu viel zahlen. Das sind keine Einzelfälle, es betrifft Millionen von Haushalte in Deutschland. Deshalb brauchen wir eine Reform!”
Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany
“Unsere Analyse zeigt: Ein effizienter und zukunftsfähiger Strommarkt kann von einer Reform der Grundversorgung profitieren. Auch andere Länder haben Wege gefunden, ihre Verbraucher*innen abzusichern, ohne den Wettbewerb einzuschränken oder große Preisunterschiede hinzunehmen. Wir als FfE würden uns freuen, Reformoptionen im Rahmen eines Pilotprojekts wissenschaftlich begleiten zu dürfen und so eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen.”
Serafin von Roon, Geschäftsführer der FfE
Die Studie und Octopus Energys politische Forderungen finden Sie hier.
Über FfE
Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. (FfE e.V.) gehört seit 1949 zu den führenden Institutionen der Energieforschung und -beratung in Deutschland. Mit einem interdisziplinären Team von mehr als 70 Expert:innen entwickeln wir praxisnahe Lösungen für die Herausforderungen der Energiewirtschaft. Unsere nicht gewinnorientierte Organisation mit Standorten in München und Berlin liefert wissenschaftlich fundierte, unabhängige und neutrale Antworten zur Gestaltung des Energiesystems der Zukunft. Unsere Arbeit basiert auf quantitativen, technoökonomischen Analysen und wissenschaftlichen Methoden. Unser Ziel ist es, unabhängige Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, die Unternehmen und Gesellschaft unterstützen, die Chancen der Energietransformation zu nutzen. Unser Motto „Forschung schafft Wissen – Wissen schafft Praxis“ bildet die Grundlage unserer Philosophie und spiegelt sich in unserer Arbeit wider. Mit Freude und Leidenschaft fördern wir innovative Lösungen, die die Transformation der Energiewirtschaft vorantreiben, und engagieren uns zugleich für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.



