Hintergrund zum CIVITAS/CORE-Dienstleistertreffen am 12. Oktober 2026
Wenn Kommunen und Unternehmen auf eine gemeinsame Software setzen, müssen sie sich darauf verlassen können, dass diese auch in einigen Jahren noch gepflegt, sicher und weiterentwickelbar ist. Offener Quellcode schafft dafür wichtige Voraussetzungen. Die Verantwortung für diese Arbeit, ihre Organisation und ihre Finanzierung müssen aber dauerhaft getragen werden.
Viele öffentlich finanzierte Softwareprojekte stehen vor dieser Herausforderung. Förderung und Projektaufträge ermöglichen Entwicklung und neue Funktionen. Wartung, Sicherheitsupdates, Tests und die Pflege technischer Abhängigkeiten laufen jedoch kontinuierlich weiter. Zudem stellt sich die Frage, wie vorhandene Software funktional weiterentwickelt werden kann, um auf einer bestehenden Basis aufzubauen. Sie brauchen eine verlässliche Grundlage über einzelne Projekte und Förderzeiträume hinaus.
Je mehr Kommunen und Unternehmen CORE nutzen, desto wichtiger ist es, auch die laufende Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Mit ihrer Mitgliedschaft und Beteiligung an der CORE-Community tragen Kommunen zur verlässlichen Pflege der gemeinsamen Softwarebasis bei und gestalten deren Weiterentwicklung mit. Die freie Nachnutzung bleibt dabei ausdrücklich gewollt.
Mit Civitas Connect arbeiten wir daran, diese Verantwortung gemeinsam zu organisieren. Als Verein übernehmen wir dabei eine Rolle, wie sie international häufig Open-Source-Foundations ausfüllen: Wir tragen und koordinieren ein gemeinsames Softwareprojekt, halten die Entwicklung zusammen und schaffen einen Rahmen, in dem öffentliche Anwender und Unternehmen dauerhaft zusammenarbeiten können.
CIVITAS/CORE ist dafür unser konkretes Beispiel. Die offene Datenplattform soll Kommunen, kommunalen Unternehmen und weiteren öffentlichen Institutionen eine gemeinsame technische Basis bieten. Auf ihr können unterschiedliche Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen entstehen. Dafür braucht es eine stabile Software und ein Ökosystem, das diese Grundlage gemeinsam trägt.
Öffentliche Steuerung und wirtschaftliche Perspektiven
Die Mitglieder der CIVITAS/CORE-Community entscheiden im Rahmen der Vereins- und Abteilungsgovernance über die Ausrichtung der Software, die Roadmap, Prioritäten und das gemeinsame Budget. Civitas Connect organisiert den Produkt- und Entwicklungsprozess, die Maintainer-Rollen sowie die Abläufe für Qualitätssicherung, Releases und Sicherheit. Wir bringen dafür auch selbst Ressourcen ein.
Gleichzeitig öffnen wir die Mitarbeit für Dienstleistende und weitere Organisationen, die CORE nutzen, betreiben oder eigene Angebote darauf aufbauen. Sie bringen praktische Erfahrung, technische Kompetenzen und Anforderungen aus ihren Projekten mit. Diese Perspektiven brauchen wir für die Weiterentwicklung ebenso wie konkrete Beiträge zu Pflege, Fehlerbehebung, Tests und Dokumentation.
Die Unternehmen sind damit eine tragende Säule des Modells. Auf der gemeinsamen Softwarebasis können sie eigenständig Leistungen anbieten, vom Betrieb über Integration und Beratung bis zu Erweiterungen und Fachanwendungen. Civitas Connect bleibt dabei der neutrale Träger der gemeinsamen Produktentwicklung und tritt selbst nicht als Anbieter solcher Kundenleistungen in den Wettbewerb ein.
Aus unserer Sicht lassen sich so öffentliche Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung gut miteinander verbinden. Kommunen erhalten mehr Wahlmöglichkeiten und eine gemeinsame Grundlage für ihre Digitalisierung. Unternehmen können darauf eigene Angebote entwickeln und von Verbesserungen profitieren, die andere zur Software beitragen.
Das Dienstleistertreffen am 12. Oktober
Am 12. Oktober kamen 40 Personen aus 24 Unternehmen zum Dienstleistertreffen von CIVITAS/CORE zusammen. Das Treffen fand im CityLAB Berlin mit digitaler Teilnahmemöglichkeit statt. Wir haben unsere Überlegungen zur neuen Governance und zur Öffnung der Mitarbeit vorgestellt und die Herausforderungen einer dauerhaften Pflege und Weiterentwicklung offen angesprochen.
Dass so viele Unternehmen bereit sind, über die Organisation und Verstetigung derselben Software zu sprechen, ist bereits ein wichtiger Schritt. Sie kooperieren in Projekten und stehen zugleich im Wettbewerb. Eine stabile, sichere und verfügbare
Softwarebasis liegt dabei in ihrem gemeinsamen Interesse.
Wir verstehen den Termin als Auftakt einer weiterführenden Diskussion. Bereits im ersten Austausch wurden konkrete operative Bedarfe und Rahmenbedingungen benannt und mögliche Lösungen diskutiert. In den kommenden Wochen wollen wir daraus Prozesse entwickeln, die für die Beteiligten passen und die gemeinsame Arbeit verlässlich organisieren.
„Der größte Erfolg des Treffens ist für uns, dass wir offen und lösungsorientiert über diese Herausforderungen sprechen konnten. Die Beteiligten haben ein klares eigenes Interesse am Erfolg von CIVITAS/CORE und die Bereitschaft, daran gemeinsam mitzuarbeiten. Auf dieser Grundlage können wir jetzt eine nachhaltige Lösung entwickeln“, sagt Ralf Leufkes, Geschäftsleiter von Civitas Connect.
Mit dem Letter of Intent zur Verstetigung von CIVITAS/CORE können Organisationen erklären, dass sie sich an dieser gemeinsamen Arbeit beteiligen möchten. Vorgesehen sind fachliche und technische Beiträge sowie personelle oder finanzielle Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Benannte Ansprechpersonen sollen anschließend mit Civitas Connect geeignete, möglichst wiederkehrende Beiträge und einen realistischen zeitlichen Rahmen abstimmen.
Ein wesentlicher Grundsatz ist „Upstream first“: Verbesserungen, die auch anderen nutzen, sollen möglichst in die gemeinsame offizielle Codebasis zurückfließen. So bleibt Entwicklungsarbeit über den einzelnen Auftrag hinaus verfügbar und kann von weiteren Kommunen und Unternehmen nachgenutzt werden.
15 Unternehmen haben den LOI direkt beim Treffen unterzeichnet. Weitere haben zugesagt, die Unterzeichnung in den kommenden Tagen nachzuholen. Auch Unternehmen, die beim Treffen nicht dabei waren, können sich beteiligen. Der LOI ist online verfügbar und kann dort unterzeichnet werden: https://civitasconnect.digital/letter-of-intent/
Der LOI dokumentiert zunächst die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Welche Aufgaben, Ressourcen oder finanziellen Beiträge daraus entstehen, wird gesondert besprochen.
Software als gemeinsame Grundlage
Mit diesem Ansatz können wir uns auch auf Software als gemeinsame, wiederverwendbare Grundlage verständigen. Standards und Schnittstellen werden damit in einer konkreten Implementierung nutzbar, die gemeinsam gepflegt und weiterentwickelt wird.
Das reicht deutlich unter die Oberfläche einer Fachanwendung oder eines Dashboards. Es betrifft beispielsweise die Anbindung von Systemen, Datenmodelle, Berechtigungen und die Bereitstellung von Daten für unterschiedliche Anwendungen. Wenn solche Grundlagen gemeinsam entwickelt werden, muss sie nicht jedes Projekt erneut lösen. Auch Verbesserungen und Fehlerbehebungen können vielen Nachnutzenden gleichzeitig zugutekommen.
Darin liegt ein erheblicher Hebel für Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit: Gemeinsame Basisaufgaben werden gebündelt, während unterschiedliche Unternehmen darauf spezialisierte Lösungen anbieten können. Gute Ergebnisse lassen sich leichter übertragen, und Investitionen wirken über einzelne Projekte hinaus.
Wir wollen mit CIVITAS/CORE zeigen, wie eine solche Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor in Deutschland dauerhaft organisiert werden kann. Dafür müssen wir als Verein und unsere Mitglieder selbst einen wesentlichen Beitrag leisten. Ebenso brauchen wir Unternehmen, die in der gemeinsamen Pflege der Software einen Wert für ihre eigenen Angebote erkennen und sich entsprechend einbringen.
In den kommenden Wochen werden wir die Ergebnisse der Diskussion in unsere Überlegungen einarbeiten und die Prozesse zur gemeinsamen Pflege konkretisieren. Dabei öffnen wir die Beteiligung auch für Unternehmen, die beim ersten Treffen nicht dabei waren. Wir wollen diese Prozesse gemeinsam gestalten und als Civitas Connect moderieren.
Der nächste Abstimmungstermin findet am 9. November 2026 von 14 bis 16 Uhr online statt. Unser Ziel ist, bis zum Jahreswechsel zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen und mit Blick auf das kommende Release einen geordneten Übergang in die neuen Strukturen zu schaffen.
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