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„Klarheit ist kein Luxus. Sie ist Voraussetzung für Handlungsfähigkeit“

„Viele Stadtwerke haben heute mehr Daten und Kompetenz als je zuvor und genau darauf lässt sich aufbauen
„Viele Stadtwerke haben heute mehr Daten und Kompetenz als je zuvor und genau darauf lässt sich aufbauen", sagen Jürgen Winschiers und Ruben Repas von DIMATER.“ (Bild: © DIMATER)

„Wir schaffen Klarheit in Daten und Prozessen und geben Stadtwerken damit die Steuerungsfähigkeit zurück“

Volatile Märkte, steigender regulatorischer Druck und wachsende Anforderungen an Transparenz fordern Stadtwerke und Energieversorger täglich heraus. Der Energiemarkt verlangt Klarheit, Geschwindigkeit und belastbare Entscheidungen. Im Gespräch erklären Jürgen Winschiers, Geschäftsführer, und Ruben Repas, Mitglied der Geschäftsführung der DIMATER GmbH, wie Stadtwerke und Energieversorger trotz dieser Dynamik handlungsfähig bleiben und weshalb Klarheit, Struktur und integrierte Systeme zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.

Energiemarkt aktuell

e.b: Jürgen, wie bewertet ihr die aktuelle Situation im Energiemarkt?
Jürgen Winschiers: Der Energiemarkt ist heute hochdynamisch. Preise, Regulierung und Kundenanforderungen verändern sich parallel. Aber genau da liegt neben allen Herausforderungen, die dieser Umbruch mit sich bringt auch eine riesen Chance. Wer Klarheit in Daten und Prozessen schafft, kann schneller entscheiden und Wettbewerbsvorteile realisieren. Die Herausforderung entsteht dort, wo Organisationen diese Dynamik noch mit gewachsenen Strukturen und fragmentierten Systemen steuern. Dann wird aus Geschwindigkeit Unsicherheit und Unsicherheit kostet Effizienz im operativen Tagesgeschäft.

Aktuell nimmt diese spürbar zu. Das erleben wir im Energiemarkt sehr deutlich. Denn Unsicherheit wirkt sich nicht nur auf Margen und die Risikobewertung aus, sondern auch auf das, was Stadtwerke im Kern ausmacht: verlässlich beraten, schnell handeln und Kunden sicher durch die Marktdynamik begleiten. Genau hier setzen wir an: Wir schaffen Klarheit in Daten und Prozessen und geben Stadtwerken damit die Steuerungsfähigkeit zurück, die sie heute und morgen noch stärker brauchen.

 

„Viele Stadtwerke haben heute mehr Daten und Kompetenz als je zuvor und genau darauf lässt sich aufbauen“

Jürgen Winschiers, Geschäftsführer DIMATER

Die größten Herausforderungen für Stadtwerke und Energieversorger

e.b: Der Energiemarkt steht unter enormem Druck. Ihr seid bei DIMATER sehr nah an der operativen Realität der Kunden. Was ist aus eurer Sicht aktuell die größte Herausforderung für Stadtwerke und Energieversorger?
Jürgen Winschiers: Viele Stadtwerke haben heute mehr Daten und Kompetenz als je zuvor und genau darauf lässt sich aufbauen. Entscheidend ist, daraus Übersicht und Steuerungsfähigkeit zu machen, weil sich Preisbewegungen, Regulatorik und Entscheidungsfenster gleichzeitig beschleunigen. Wo Systemlandschaften fragmentiert sind, bleibt Wirkung liegen: Daten sind vorhanden, aber nicht entscheidungsreif. Wer hier integriert, gewinnt Zeit, Marge und vor allem Vertrauen in Entscheidungen zurück.

Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck spürbar: Es drängen neue Marktteilnehmer in den Energiemarkt, oft deutlich dynamischer in ihren Strukturen, schneller in der Umsetzung und näher an den gestiegenen Kundenerwartungen. Damit verändert sich auch die Vergleichbarkeit: Kunden erwarten zunehmend Geschwindigkeit, Transparenz und passgenaue Angebot, so, wie sie es aus anderen Branchen gewohnt sind.

Und genau hier haben Stadtwerke eigentlich hervorragende Voraussetzungen: Sie kennen ihre Kunden, sie haben historisch gewachsene Kompetenz und sehr wertvolle Daten. Aber wenn diese Stärke nicht systemisch wirksam wird, bleibt Potenzial liegen. Umso entscheidender ist es, diese vorhandenen Karten durch integrierte Prozesse und Systeme auch wirklich ausspielen zu können.

Klarheit bedeutet belastbare Daten

e.b: Ihr sprecht häufig von Klarheit und Handlungsfähigkeit. Was meint das konkret?
Ruben Repas: Klarheit heißt, jederzeit zu wissen, wo ich stehe, wenn Entscheidungen nicht mehr auf Annahmen beruhen, sondern auf belastbaren Daten. Handlungsfähigkeit heißt, auf dieser Basis Entscheidungen treffen zu können, ohne Umwege oder manuelle Korrekturschleifen. Genau dafür entwickeln wir bei DIMATER inhouse unsere EnergyCLOUD, bestehend aus Power CPQ und Power PFM. Prozesse sind so aufgesetzt, dass sie nicht ausbremsen, sondern tragen. Unsere cloudbasierte SaaS-Lösungen verbinden Vertrieb und Beschaffung über eine gemeinsame Datenbasis. Ohne Medienbrüche. Ohne Excel-Logik.

Ein einfaches Beispiel ist die automatische Übergabe von Vertriebsabschlüssen aus unserem Power CPQ in das PFM-Modul: Mit der Annahme eines Vertrags im CPQ werden die relevanten Vertragsdaten automatisch an Power PFM übergeben und stehen dort unmittelbar zur Bewirtschaftung zur Verfügung.

Dadurch lassen sich Preisänderungsrisiken minimieren – und Fehler durch manuelle Datenübertragung werden konsequent ausgeschlossen. So entsteht ein nachvollziehbarer, skalierbarer Prozess und dauerhaft mehr Handlungsfähigkeit und Sicherheit für unsere Kunden.

So entsteht echte Steuerungsfähigkeit für unsere Kunden. Man merkt diese Klarheit ganz praktisch im Alltag: Wenn ein Team Entscheidungen nicht mehr ‘absichern’ muss, weil jeder weiß, dass Datenlage und Logik stimmen. Dann entstehen weniger Diskussionen über Zahlen und mehr Fokus auf das, worum es eigentlich geht: Risiko- und Chancenbewertung, Timing und Strategie.

Woran scheitern Digitalisierungsinitiativen?

e.b: DIMATER begleitet Energieunternehmen stark in der Umsetzung. Wo scheitern Digitalisierungsinitiativen aus eurer Sicht am häufigsten?
Jürgen Winschiers: Technologisch ist sehr viel möglich und viele Häuser haben bereits gute Bausteine. Wirklich wirksam wird Digitalisierung dann, wenn Organisation, Prozesse und Systeme sauber verzahnt sind und ein gemeinsames Zielbild existiert. Sobald Lösungen integrierend statt additiv gedacht werden, entsteht Entlastung im Alltag, Akzeptanz im Team und am Ende echte Wirkung.

Additiv bedeutet oft: ‘Wir setzen noch ein Tool oben drauf.’ Integrierend bedeutet: ‘Wir schaffen ein System, das den Prozess Ende-zu-Ende trägt.’ Und genau dieser Unterschied entscheidet, ob Digitalisierung später als Entlastung empfunden wird oder als zusätzliche Komplexität.

„Vertrieb und Beschaffung wirken heute unmittelbar aufeinander: Angebote beeinflussen das Portfolio, Beschaffung wirkt direkt auf Marge und Risiko. Wer das systemisch abbildet, kann ruhiger, strategischer und sicherer handeln.“

Ruben Repas, Mitglied der Geschäftsführung DIMATER

Gesamtansatz macht Zusammenhänge sichtbar

e.b: Du sprichst von einem Gesamtansatz. Warum ist dieser im aktuellen Marktumfeld so relevant?
Jürgen Winschiers: Ein Gesamtansatz macht Zusammenhänge sichtbar und genau das schafft Steuerung. Vertrieb und Beschaffung wirken heute unmittelbar aufeinander: Angebote beeinflussen das Portfolio, Beschaffung wirkt direkt auf Marge und Risiko. Wer das systemisch abbildet, kann ruhiger, strategischer und sicherer handeln. Deshalb verbinden wir diese Ebenen modular, cloudbasiert und offen integrierbar, damit Prozesse nicht nur digital werden, sondern wirklich vernetzt. Gerade in volatilen Phasen ist diese Vernetzung entscheidend, denn wenn Vertrieb und Beschaffung nicht synchron laufen, entstehen Unschärfen in der Kalkulation, im Risikobild oder bei der Frage, wie konsequent eine Beschaffungsstrategie tatsächlich in der Produktwelt ankommt. Vernetzung macht das transparent und reduziert ‘blind spots’.

Automatisierung und Transparenz

e.b: Welche Rolle spielen Automatisierung und Transparenz in diesem Kontext?
Ruben Repas
: Eine zentrale. Automatisierung entlastet Fachbereiche und reduziert operative Risiken. Transparenz wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen.

Teams gewinnen Sicherheit und wenn Sicherheit steigt, sinkt der Bedarf an manuellen Kontrollen. Automatisierung und Transparenz verstärken sich dann gegenseitig: Je klarer das System ist, desto mehr kann automatisiert werden. Und
je mehr automatisiert wird, desto stabiler wird das Tagesgeschäft.

Wenn Marktbewegungen, Mengenrisiken und Auswirkungen auf ein Portfolio jederzeit sichtbar sind, verändert sich das Entscheidungsverhalten. Es wird ruhiger, fundierter und strategischer. Genau das brauchen Stadtwerke heute, um handlungsfähig zu bleiben.

Software hilft, Pflichten nicht nur zu erfüllen sondern ein sicheres Fundament zu bauen

e.b: Viele Stadtwerke stehen unter massivem regulatorischem Druck. Wie kann Software hier konkret unterstützen?
Jürgen Winschiers: Regulatorik kann ein Stabilitätsanker sein, wenn sie sauber strukturiert und digital unterstützt wird. Digitale Systeme dokumentieren revisionssicher, schaffen Nachvollziehbarkeit und reduzieren Fehleranfälligkeit. Das entlastet Teams und gibt Führungskräften Sicherheit. Am Ende gewinnen Stadtwerke Zeit zurück: fürs Kerngeschäft und für strategische Entscheidungen.

Und diese Zeit ist heute ein strategischer Faktor. Denn regulatorische Anforderungen werden nicht weniger, sie werden detaillierter. Software hilft dabei, Pflichten nicht nur zu erfüllen, sondern daraus ein nachvollziehbares, wiederholbares und audit-sicheres Fundament zu machen:. Genau das schafft Ruhe in einer zunehmend komplexen Welt.

„Damit Stadtwerke diese Rolle ausfüllen können, braucht es heute drei Dinge“

Jürgen Winschiers, Geschäftsführer DIMATER

Vorausblick: Welche Rolle spielt das Stadtwerk in der Zukunft

e.b: Wenn ihr zehn Jahre nach vorne schaut: Welche Rolle spielt das Stadtwerk in der Zukunft – und was muss heute passieren, damit es diese Rolle ausfüllen kann?
Jürgen Winschiers: Das Stadtwerk ist für mich die Institution, die Zukunft vor Ort konkret macht: Es hält für Bürger, Kommune und Unternehmen Versorgung bezahlbar, macht das System resilient und übersetzt Energiewende in Alltagstauglichkeit. In den nächsten Jahren wird die Aufgabe komplexer: Dezentralität, volatile Erzeugung und neue Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Mobilität erhöhen den Bedarf an Flexibilität. Wer Flexibilität steuern kann, gewinnt wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Damit Stadtwerke diese Rolle ausfüllen können, braucht es heute drei Dinge. Zum einen ein belastbares Datenfundament, das Vertrieb, Beschaffung und Portfolio zusammenbringt. Zweitens, Prozesse, die Entscheidungen schneller und nachvollziehbar machen. Und schließlich Systeme, die mitwachsen, weil Technologie und Märkte sich weiter beschleunigen.

Ich glaube, genau hier liegt der Kern: Das Stadtwerk der Zukunft ist nicht nur Lieferant, sondern Orchestrator eines lokalen Energiesystems. Es bringt Erzeugung, Verbrauch, Flexibilität und Versorgungssicherheit zusammen und macht daraus eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Region. Das ist nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Wer Flexibilität intelligent managen kann, kann Kosten senken, Risiken reduzieren und gleichzeitig die Energiewende vor Ort möglich machen.
Dann entsteht nicht nur Effizienz, sondern Sinn, weil das Stadtwerk zum Möglichmacher einer sicheren und klimafesten Energiezukunft wird.

„Wer seine Prozesse und Schnittstellen im Griff hat, kann vorausschauend steuern“

Ruben Repas: Zukunftsforscher beschreiben, dass KI-gestützte Systeme immer mehr Entscheidungen vorbereiten oder automatisch anstoßen. Für Stadtwerke heißt das: Wer seine Daten, Prozesse und Schnittstellen im Griff hat, kann Preis-, Mengen- und Portfoliorisiken vorausschauend steuern, statt nur zu reagieren. Sinnstiftend wird das dort, wo Technologie nicht Selbstzweck ist: Wenn ein Stadtwerk durch bessere Steuerung für faire Tarife, stabile Ergebnisse, Investitionen in Netze, Erneuerbare und lokale Infrastruktur mehr Handlungsspielraum gewinnt. Und genau diese Vorausschau ist der entscheidende Punkt: KI ist kein Ersatz für Verantwortung, aber sie kann Verantwortung besser machbar machen. Wenn Systeme Zusammenhänge früher sichtbar machen, können Stadtwerke früher handeln. Das verändert nicht nur Prozesse, sondern auch die Rolle der Menschen: weg von reiner Kontrolle, hin zu Steuerung, Strategie und aktiver Gestaltung,

DIMATER auf der E-World

e.b: Mit Blick auf die E-world: Was dürfen Besucher von DIMATER erwarten?
Ruben Repas: Es wird immer offensichtlicher, dass Transformation kein abstraktes Zukunftsthema ist, sondern heute entschieden wird. Wir zeigen, wie moderne Energieorganisationen heute datenbasiert, integriert und zukunftsorientiert arbeiten können. Keine Vision auf Folien, sondern Systeme, die im Alltag funktionieren. Wer jetzt in klare Strukturen, integrierte Systeme und saubere Prozesse investiert, gewinnt Handlungsspielraum. Und genau darüber sprechen wir auf der E-world. Und wir sprechen bewusst nicht nur über Funktionen, sondern über Resultate: weniger Reibung, mehr Transparenz, schnellere Entscheidungen und vor allem ein Arbeitsalltag, der sich wieder steuerbar anfühlt. Denn genau das ist aktuell für viele Teams der zentrale Hebel um wieder Gestaltungsspielraum zu gewinnen.

„Wir denken nicht in schnellen Lösungen, sondern in Systemen, die mitwachsen. Die Komplexität nicht verdrängen, sondern ordnen.“

Ruben Repas, Mitglied der Geschäftsführung DIMATER

„Klarheit ist eine Frage von Verantwortung“

e.b: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was treibt euch ganz persönlich an, euch jeden Tag mit dieser Komplexität des Energiemarktes auseinanderzusetzen?
Jürgen Winschiers: Zukunft ist für mich kein abstrakter Begriff. Ich bin Familienvater und erlebe jeden Tag, wie wichtig Verlässlichkeit, Stabilität und Verantwortung sind. Im Persönlichen und auch im gesellschaftlichen Kontext. Ich bin Senator im Senat der Wirtschaft und sehe als solcher Energieversorgung als ein Fundament unserer Gesellschaft. Stadtwerke tragen diese Verantwortung ganz konkret vor Ort. Mich treibt der Gedanke an, Strukturen zu schaffen, die auch morgen noch tragen, klar, transparent und belastbar. Das ist kein kurzfristiges Ziel, sondern meine Haltung. Und genau deshalb ist Klarheit für mich keine technische Kategorie, sondern eine Frage von Verantwortung: Wenn Entscheidungen belastbar sind, entsteht Stabilität für das Unternehmen, für die Region und für die Menschen, die sich jeden Tag auf Energieversorgung verlassen.

Ruben Repas: Ich bin vor gut einem Jahr Vater geworden. Das verändert den Blick auf Zeit und Zukunft. Entscheidungen bekommen eine andere Tiefe. Man fragt sich automatisch: Was bleibt? Was ist tragfähig? Genau diesen Anspruch bringen wir bei DIMATER in unsere Arbeit ein. Wir denken nicht in schnellen Lösungen, sondern in Systemen, die mitwachsen. Die Komplexität nicht verdrängen, sondern ordnen. Damit Energieorganisationen heute handlungsfähig sind und es auch morgen noch bleiben. Und ich glaube, das ist ein gutes Bild für die Branche: Nicht alles wird einfacher, aber es kann geordneter, transparenter und damit beherrschbarer werden. Genau das ist für mich der Unterschied zwischen ‘wir müssen irgendwie durchkommen’ und ‘wir gestalten aktiv’.

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