Der EEBUS Relais Converter übersetzt digitale EEBUS-Steuerungssignale aus dem SMGWplus in analoge Relaisschaltungen. (Bilder: © PPC)
Steuerung scheitert nicht an Standards – sondern am Bestand
Digitale Steuerung trifft auf analoge Realität: Die Power Plus Communications AG und Weidmüller zeigen auf der E-world 2026, wie sich mit einer pragmatischen Lösung neue Spielräume für Messstellenbetreiber beim Steuern aus dem SMGW (SMGWplus) im Rahmen des § 14a EnWG und §9 EEG schaffen lassen.
Problemfall Bestandsanlagen
Die Energiewirtschaft favorisiert den Einsatz von digitalen Schnittstellen, Protokolle und Standard. EEBUS gilt als Schlüssel für eine sichere, interoperable Steuerung im Smart Grid. Was dabei oft zu kurz kommt: Ein großer Teil der Anlagen im Bestand ist noch nicht digital anbindbar.
Genau hier liegt derzeit eine große Herausforderung im Steuerungsrollout. Die Umsetzung der Vorgaben aus § 14a EnWG und § 9 EEG steht unter Zeitdruck. Netzbetreiber sollen steuerbare Flexibilitäten schnell, zuverlässig und wirtschaftlich erschließen. In der Theorie funktioniert das über digitale Kommunikation und standardisierte Prozesse. In der Praxis treffen diese Konzepte jedoch auf einen heterogenen Anlagenbestand – mit Wärmepumpen, Erzeugungsanlagen und Verbrauchern, die häufig nur über klassische Relaisschalteingänge verfügen.
Der FNN empfiehlt für neue Steuerungsfälle digitale Schnittstellen. Gleichzeitig sollen Millionen bestehender Geräte erschlossen werden. Eine Umrüstung bestehender Anlagen auf digitale Interfaces ist wirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll umsetzbar.. Wer Steuerung ausschließlich idealtypisch denkt, riskiert Verzögerungen im Rollout.
Wenn digitale Steuerung auf analoge Realität trifft
Vor diesem Hintergrund hat sich PPC mit der Frage beschäftigt, wie sich effiziente digitale Steuerungskonzepte mit dem SMGWplus an den bestehenden Anlagenbestand anbinden lassen. Gemeinsam mit Weidmüller hat PPC mit dem EEBUS Relais Converter ERC einen Ansatz entwickelt, der genau diese Lücke schließt. Auf der E-world energy & water haben die Unternehmen die Lösung erstmals öffentlich vorgestellt und live demonstriert.
Die Idee ist bewusst pragmatisch. Digitale Steuersignale aus dem SMGWplus werden in klassische Relaisschaltungen übersetzt. Aus dem digitalen Steuerbefehl wird eine physische Schalthandlung im Feld – robust, nachvollziehbar und kompatibel mit bestehender Technik. So lassen sich auch Anlagen ohne native EEBUS-Schnittstelle in Steuerungskonzepte einbinden. Stufensteuerungen ebenso wie Einzelkontaktlösungen können umgesetzt werden, ohne dass Kunden ihre Anlagen nachrüsten müssen.

Ein EEBUS Relais Converter nimmt die Steuerbefehle des Verteilnetzbetreibers über das PPC SMGWplus entgegen und transformiert EEBUS in analoge Schaltsignale auf vier Ausgangsrelais (S1, S2, W3, W4). Über diese kann sowohl die Stufensteuerung (100 Prozent, 60 Prozent, 30 Prozent, 0 Prozent) von Erzeugungsanlagen umgesetzt werden, als auch die „Einzelkontakt“-Steuerung für Erzeuger und Verbraucher.
Übergangslösung mit klarer Funktion
Natürlich bietet ein Relais nicht die Vorteile einer interaktiven digitalen Steuerung. PPC sieht den ERC nicht als Ersatz für durchgängig digital vernetzte Anlagen, sondern als Add-on zum SMGWplus für Bestandsanlagen im Steuerungsrollout. Genau solche Brücken fehlen derzeit an vielen Stellen.
Der Steuerungsrollout braucht Lösungen, die heute funktionieren – nicht erst nach vollständiger Erneuerung des Anlagenbestands. Der ERC adressiert primär Bestandsanlagen, die nicht direkt über das SMGWplus digital angebunden werden können.
Fazit: Steuerung braucht praktikable Antworten für Bestandsanlagen
Für den Erfolg des Steuerungsrollouts werden zwei Lösungsansätze benötigt, eine effiziente und bidirektionale digitale Steuerung und eine praktikable Lösung für die Einbindung bestehender Anlagen ohne digitale Schnittstelle. PPC zeigt mit dem SMGWplus und dem ERC konkrete Lösungen für einen standardisierten und effizienten Steuerungsrollout. Manchmal reicht es, zwischen digitalem Optimum und analoger Realität eine Brücke zu bauen .
Für Netz- und Messstellenbetreiber ist genau dieser Pragmatismus aktuell entscheidend. Denn das Netz braucht steuerbare Flexibilität – jetzt, nicht irgendwann.
EEBUS Relais Converter – Steuerung im Bestand
Worum geht es?
Der EEBUS Relais Converter übersetzt digitale EEBUS-Steuerungssignale aus dem SMGWplus in analoge Relaisschaltungen. Damit lassen sich auch Bestandsanlagen ohne digitale Schnittstelle netzdienlich steuern und ein auf digitale Steuerung ausgelegtes Konzept leicht erweitern.
Wer steht dahinter?
Die Lösung wurde von PPC gemeinsam mit Weidmüller entwickelt.
Was kann das Gerät?
- Umsetzung digitaler EEBUS-Steuerbefehle in Relais-Schaltsignale
- Vier Relaisausgänge für
o Stufensteuerung (100 / 60 / 30 / 0 Prozent)
o Einzelkontakt-Steuerung von Erzeugern und Verbrauchern - Firmware-Updates lokal oder remote, auch über CLS-Kommunikation
Warum ist das relevant?
Aufgrund der grundsätzlich Vorteile einer bidirektionalen digitalen Steuerung ist diese der Königsweg für Markt und Netzbetrieb. Aber viele steuerbare Anlagen im Feld verfügen über keine digitale Schnittstelle. Der ERC ermöglicht für diese den Steuerungsrollout nach § 14a EnWG und § 9 EEG, ohne Bestandsanlagen vorzeitig ersetzen zu müssen.
Einordnung
Der EEBUS Relais Converter schafft zusätzlichen Handlungsspielraum für Netz- und Messstellenbetreiber, bis digitale Schnittstellen flächendeckend verfügbar sind.




