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edna-Rundgang: Drei Hebel für mehr Tempo in der Energiewende

Auf der E-world 2026 führte der diesjährige Rundgang von edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation zu drei Stationen mit Praxisbezug.
Der edna-Presserundgang auf der E-world am 11. Februar 2026 startete bei Fraunhofer IOSB/AST. Dort stellten wir Neues aus der angewandten Energieforschung vor. Weitere Stationen waren die Messestände von enevelio und Decision Trees, wo wir neue Lösungen wie die spannungsebenenübergreifende Anschlussprüfung vom PV-Endkunden in der Niederspannung bis zum Projektierer eines Großspeichers in der Hochspannung oder die Vermarktung von Flexibilitäten von Batterie- und erneuerbare Energieportfolios durch mathematische Optimierung im Praxiseinsatz vorstellen. (Bild: © MESSE ESSEN)

Von Wärmenetzen über Netzanschlüsse bis zur Vermarktung von Batteriespeichern

Auf der E-world 2026 führte der diesjährige Rundgang von edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation zu drei Stationen mit Praxisbezug. Fraunhofer IOSB-AST, envelio und Decision Trees zeigten, wie sich Wärmenetze flexibler gestallten lassen, Anschlussprozesse digitalisiert und Batteriespeicher marktübergreifend optimiert werden. Der Rundgang machte deutlich, wo derzeit die entscheidenden operativen Hebel liegen.

Die Energiewende entscheidet sich nicht nur auf Podien, sondern im Betrieb. Beim edna-Rundgang auf der E-world 2026 ging es deshalb nicht um Visionen, sondern um konkrete Werkzeuge. Drei Stationen standen exemplarisch für drei Engpässe: Systemflexibilität, Anschlussgeschwindigkeit und wirtschaftliche Nutzung von Flexibilität.

Was die Unternehmen zeigten, reicht von der Optimierung von Wärmenetzen über digitale Anschlussprüfungen bis zur Cross-Market-Vermarktung von Batteriespeichern. Zusammengenommen ergibt sich ein Bild, das vom Infrastrukturbetrieb bis zum Strommarkt reicht.

Station 1: Fraunhofer IOSB-AST zeigt Wärmenetze als Speicher

Der Rundgang startet bei Fraunhofer IOSB-AST. Dort wird Fernwärme als mehr verstanden als Verteilung. Die Botschaft lautet: Fernwärmenetze können selbst Speicher sein.

Im Projekt Agent4Heat hat Fraunhofer gemeinsam mit Iqony Energies untersucht, wie sich dieses Speicherpotenzial betrieblich nutzen lässt. Im Mittelpunkt steht ein Einsatzplanungstool. Es funktioniert wie ein Fahrdienstleiter für das Wärmenetz. Es plant den Betrieb der Erzeuger so, dass Kosten sinken und das Netz stabil bleibt.

Ein Punkt ist dabei zentral: Das Netz speichert Wärme. Zeitweise wird mehr Wärme eingespeist als gerade gebraucht wird. Später kann sie genutzt werden, etwa in Übergangszeiten wie Frühjahr oder Herbst. Damit wird Fernwärme zu einem flexibleren Baustein im Gesamtsystem.

Fraunhofer betont außerdem die Umsetzbarkeit. Der Ansatz ist agentenbasiert. Simulation und Optimierung sind gekoppelt. So entstehen nicht nur rechnerisch ideale Fahrpläne, sondern solche, die im realen Netz technisch funktionieren. Wichtig ist auch die Integration. Das Tool soll in bestehende Prozessketten und Datenströme passen, damit Stadtwerke nicht bei Null starten.

AD Net Heat als physikalische Basis

Im Kontext der Fernwärme spielt auch AD Net Heat eine Rolle. Dabei handelt es sich um einen dynamischen Simulator für thermo-hydraulische Prozesse in Fernwärmenetzen. Die Software berechnet und visualisiert Wärmeströme, Druckverluste und Temperaturen in Echtzeit. Damit werden komplexe Netze transparenter und steuerbarer, auch bei dezentraler Einspeisung und variablen Verbräuchen.

Das System kann reale Netze als Modell abbilden. Feldwerte fließen in die Simulation ein. Daraus lassen sich Führungsgrößen ableiten, etwa für Pumpen. Zusätzlich sind Kopplungen zu Prognosen und Regelungskonzepten möglich. Für Agent4Heat liefert das die physikalische Grundlage, auf der Optimierung sinnvoll aufsetzen kann.

Station 2: envelio digitalisiert Anschlussprüfungen von der Niederspannung bis zur Hochspannung

Als Nächstes ging es zu envelio. Der Anschluss neuer Anlagen wird zum Flaschenhals, vom Einfamilienhaus bis zum Großprojekt. Genau hier setzt der Ansatz an.

envelio zeigt eine durchgängige digitale Anschlussprüfung über alle Spannungsebenen. Vorgestellt wird der Online Connection Check, umgesetzt gemeinsam mit Avacon. Die Idee: Interessenten erhalten eine schnelle, automatisierte Indikation, ob ein Anschluss grundsätzlich möglich ist. Das ist unverbindlich, aber hilfreich für die frühe Standortwahl.

Der Nutzen ist zweigeteilt. Projektierer und Kunden können Standorte vergleichen und sich fokussieren. Netzbetreiber werden entlastet, weil weniger Anfragen ins Leere laufen. Gleichzeitig wird der Prozess reproduzierbarer. Was früher viele Abstimmungen und individuelle Studien bedeutete, wird stärker standardisiert.

Spannend ist die Ausweitung auf die Hochspannung. Damit entfällt das Pingpong zwischen Spannungsebenen. Alles läuft in einem Workflow. Für Netzbetreiber ist das eine Antwort auf den Anschlussboom bei PV, Speichern und E-Mobilität.

Station 3: Decision Trees optimiert die Vermarktung von Flexibilität über mehrere Märkte

Zum Abschluss führt der Rundgang zu Decision Trees. Der Fokus wechselt von Netz und Infrastruktur zur Wertschöpfung. Es geht um die Frage, wie Flexibilität am Markt wirtschaftlich genutzt wird.

Geschäftsführer Georg Ostermaier zeigt Cross-Market-Optimierung für Erneuerbare und Batteriespeicher. Optimiert wird über Day-Ahead, Intraday und Regelenergiemärkte. Statt starr einem Markt zu folgen, sucht der Algorithmus laufend die beste Kombination. Gleichzeitig berücksichtigt er technische Grenzen, etwa Ladezustand, Zykluslimits und Degradation.

Als Praxisbeispiel nennt Ostermeier die Zusammenarbeit mit EP Commodities. Seit 2023 wird dort das System DT.Energy genutzt. Damit werden Windanlagen und Großbatterien vollautomatisiert bewirtschaftet, rund um die Uhr. Ein Baustein ist das automatisierte Abregeln bei negativen Intraday-Preisen. Ein anderer ist das Nutzen von Preis-Spreads zwischen Regelenergie und Intraday.

Technisch basiert der Ansatz auf mathematischer Optimierung. Modelle und Zeitreihen werden zu Optimierungsproblemen übersetzt und mit einem Solver gelöst. Ein Auto-Trading-Setup setzt die Fahrpläne am kontinuierlichen Intraday-Markt um und spielt Ergebnisse zurück.

Gesamtbild: Drei Ebenen, ein roter Faden

Im Rückblick greifen die Stationen ineinander. Fraunhofer zeigt, wie Wärmenetze flexibler werden und als Speicher wirken können. envelio beschleunigt und automatisiert Anschlussprozesse, von der Niederspannung bis zur Hochspannung. Decision Trees adressiert die Vermarktungsseite und macht aus Flexibilität Erlöse.

Begriffe kurz erklärt

Agent4Heat
Forschungsprojekt von Fraunhofer IOSB-AST und Iqony Energies zur optimalen Einsatzplanung von Wärmenetzen. Ziel sind umsetzbare Fahrpläne und die Nutzung des Netzes als thermischer Speicher.

AD Net Heat
Dynamischer Simulator für thermo-hydraulische Vorgänge in Fernwärmenetzen. Visualisiert und berechnet Netzzustände in Echtzeit und unterstützt Planung und Betrieb.

Online Connection Check (OCC)
Digitales Self-Service-Tool für eine unverbindliche Anschlussindikation. In der Avacon engevelio-Variante spannungsebenenübergreifend ausgelegt.
DT.Energy

Optimierungs- und Bewertungssystem von Decision Trees für Portfolios aus Erzeugung, Verbrauch und Speichern. Optimiert die Vermarktung über mehrere Märkte hinweg, inklusive Regelenergie und Intraday.

 

Über edna
Der edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V. ist die Vereinigung von Softwareherstellern, Unternehmensberatern, IT-Dienstleistern und Unternehmen aus der Energiewirtschaft. Ziel von edna ist es, die Unternehmen bei der Transformation der Energiemärkte hin zu „Energie 4.0″ zu unterstützen. Dabei stehen die Bereiche Strukturierung, Standardisierung und Information im Vordergrund. Gleichzeitig unterstützt edna auch weiterhin die Automatisierung der Kommunikation sowie die Interoperabilität der Geschäftsprozesse zwischen den Marktpartnern in der Energiewirtschaft. Vor diesem Hintergrund agiert der edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V. auch als Interessenvertreter seiner Mitglieder gegenüber anderen Verbänden sowie den politischen Institutionen. Hier steht zudem die aktive Mitarbeit in den entsprechenden Gremien im Fokus.Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e. V. (VWB) vertritt die Interessen der bayerischen Wasserkraft.
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