Neue Roland-Berger-Studie: Nur noch 44 Prozent der führenden europäischen Energieversorger sind finanziell stark genug für die Transformation
Europas Energieversorgern fehlt zunehmend das finanzielle Fundament für die Energiewende. Während die Aktienkurse im ersten Halbjahr 2026 kräftig zulegten, zeigen die Bilanzen in die entgegengesetzte Richtung: Die Kapitalrendite der 60 führenden Versorger fiel 2025 im Median von 8 auf 6 Prozent – damit ging binnen eines Jahres ein Viertel der Ertragskraft verloren. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Roland-Berger-Studie „Timing the energy transition“.
Besonders deutlich wird die Schieflage beim Roland Berger Transformation Indicator: Die Kennzahl brach von 2,7 auf 1,8 ein. Damit rutscht die Branche unter die kritische Schwelle von 2,0. Nur noch 44 Prozent der Unternehmen verfügen über genügend Kraft, um den Umbau aus eigener Leistung und Bilanz zu finanzieren – elf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
69 Milliarden Euro Spielraum verschwinden in einem Jahr
Der zusätzliche Investitionsspielraum der untersuchten Unternehmen schrumpfte von 290 auf 221 Milliarden Euro – ein Minus von 24 Prozent oder 69 Milliarden Euro binnen eines Jahres. Damit wird die Finanzierungslücke der Energiewende noch größer: Europas Versorger können den Umbau des Energiesystems nicht allein stemmen. Beteiligungsmodelle, Partnerschaften, privates und öffentliches Kapital sowie planbare, vertraglich abgesicherte Erlöse werden zur Voraussetzung für weitere Investitionen.
„Die transformative Kraft der Versorgungsunternehmen schwindet – doch der Wandel kann nicht länger warten.“
Torsten Henzelmann, Senior Partner und Managing Director Central Europe bei Roland Berger
Portfolio statt Größenwettlauf
Die Studie fordert einen Kurswechsel weg vom reinen Ausbau, hin zu konsequenter Portfoliosteuerung. Finanzstarke Unternehmen können die Marktkorrektur für gezielte Übernahmen nutzen. Unternehmen mit Reserven sollten Investitionen gezielt steuern und bestehende flexible Kraftwerke für Kapazitätszahlungen in Stellung bringen. Hoch investierte Versorger müssen schwache oder stark marktpreisabhängige Anlagen verkaufen, finanziell eingeschränkte Unternehmen brauchen eine grundlegende Neuaufstellung.
„Der finanzielle Spielraum ist innerhalb eines Jahres um 24 Prozent gesunken. An einer Optimierung des Portfolios führt kein Weg vorbei.“
Marc Sauthoff, Senior Partner bei Roland Berger.
„Rund 80 Prozent der Versorgungsunternehmen bauen ihren Anlagenbestand weiter aus, während ihre Finanzkraft schwindet.“
David Frans, Senior Partner bei Roland Berger
Gut ausgestaltete Kapazitätsmärkte könnten den Druck mindern. Sie vergüten gesicherte Leistung statt nur gelieferter Energie und machen schwankende Markterlöse planbarer. Das senkt Finanzierungskosten und kann neue Investitionen ermöglichen. Doch Regulierung allein reicht nicht: Ohne belastbare Geschäftsmodelle, strenge Renditevorgaben und Transparenz über die Ertragsqualität einzelner Anlagen bleibt der finanzielle Spielraum eng.
Über die Studie
Für die zweite Ausgabe der Studie „Timing the energy transition“ hat Roland Berger die finanzielle Leistungs- und Transformationsfähigkeit der 60 führenden europäischen Energieversorger untersucht.
Über Roland Berger
Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München, unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung komplexer Transformationen – von strategischer Neuausrichtung über Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter, KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.
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Philipp Topitsch
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