Home > Magazin > Vom Durchleiter zum Gestalter

Vom Durchleiter zum Gestalter

Franz Süberkrüb ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtnetze Münster.
„Die neue Aufgabe ist nicht, ersetzt zu werden, sondern Systeme zu überwachen, weiterzuentwickeln und Qualität zu sichern.“ Das sagt Franz Süberkrüb, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtnetze Münster. (Bild: © Stadtnetze Münster)

Das stille Netz wird laut

Das Netz war lange eine stille Infrastruktur. Es funktionierte im Hintergrund, zuverlässig und weitgehend unbeachtet. Strom kam aus der Steckdose, Planung folgte festen Mustern, Engpässe waren im Verteilnetz die Ausnahme. Diese Ausgangslage ändert sich – schrittweise, aber eindeutig.

„Wir kommen immer mehr dahin, dass Kunden vom Consumer zum Prosumer werden“, sagt Franz Süberkrüb, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtnetze Münster. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektromobilität verändern das System grundlegend. Energie wird nicht mehr nur verbraucht, sondern dezentral erzeugt, gespeichert und zeitlich verschoben. Noch sind die Netze vielerorts leistungsfähig genug. „Heute haben wir in der Regel noch genug Kupfer in der Erde“, so Süberkrüb. Engpässe sind im Verteilnetz bislang meist kein akutes Problem. Doch die Entwicklung zeigt sehr deutlich: Mit weiter steigender Elektrifizierung wird der Handlungsbedarf wachsen.

Intelligente Messsysteme als Basisinfrastruktur

Eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielen intelligente Messsysteme. Sie sind weit mehr als digitale Zähler – sie bilden die Basisinfrastruktur für das Messen, Verstehen und perspektivisch auch für das Steuern in den Verteilnetzen. „Die Zähler werden immer digitaler. Intelligente Messsysteme sind fernauslesbar und perspektivisch auch fernsteuerbar“, beschreibt Süberkrüb ihre Bedeutung. Erst durch diese Infrastruktur wird es möglich, Netzzustände transparent abzubilden – nicht nur auf der Mittel- und Hochspannungsebene, sondern auch dort, wo die Dynamik zunimmt: in der Niederspannung.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um flächendeckende Eingriffe im Hier und Jetzt. Vielmehr schaffen intelligente Messsysteme die Grundlage, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und vorbereitet zu sein, wenn Steuerung künftig notwendig wird.

Steuerung in der Niederspannung: anders, kleinteiliger, komplexer

Die Diskussion um Steuerung greift deshalb zu kurz, wenn sie allein technisch geführt wird. Steuerung in der Niederspannung unterscheidet sich grundlegend von bekannten Mechanismen in der Mittelspannung.

„Das können wir nicht eins zu eins so machen wie in der Mittelspannung“, betont Süberkrüb. Die Niederspannung ist kleinteiliger, dezentraler und deutlich heterogener. Die Anzahl der Datenpunkte ist um den Faktor 500 bis 1000 größer in der Niederspannung. All diese Haushalte und Ladepunkte wirken gleichzeitig auf das Netz ein. Klassische Top-down-Logiken stoßen hier an ihre Grenzen.

Gerade deshalb braucht es neue Ansätze: feinere Messung, bessere Prognosen und intelligente Unterstützung bei Entscheidungen. Die Aufgabe des Netzbetreibers verschiebt sich – vom rein reagierenden Betreiber hin zum aktiven Systemmanager, der Entwicklungen antizipiert und moderiert.

Daten verstehen – nicht nur sammeln

Mit der Digitalisierung der Netze wachsen die Datenmengen rasant. Messwerte aus intelligenten Zählern, Sensorik in Ortsnetzstationen und Informationen aus dezentralen Erzeugungsanlagen erzeugen eine neue Komplexität. „Es geht nicht mehr nur darum, die Daten zu haben, sondern sie so zu verarbeiten, dass sie uns in der täglichen Arbeit unterstützen“, sagt Süberkrüb. Genau hier wird Künstliche Intelligenz perspektivisch an Bedeutung gewinnen – nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug.

„Ohne smarte Algorithmen und KI könnten wir diese Informationsflut gar nicht mehr effizient auswerten“, ergänzt Süberkrüb. KI kann helfen, Muster zu erkennen, Prognosen zu erstellen und frühzeitig Hinweise auf mögliche Engpässe zu liefern. Gerade für die kleinteilige Niederspannung wird das ein zentraler Enabler – nicht heute in der Breite, aber künftig unverzichtbar.

Die eigentliche Transformation: Organisation und Menschen

So wichtig Technik und Daten sind – die tiefgreifendste Veränderung findet innerhalb der Organisationen statt. Neue Rollen entstehen, Aufgaben verschieben sich, Berufsbilder verändern sich.

„Die beste digitale Infrastruktur bringt uns nichts, wenn die Menschen sie nicht bedienen können oder wollen“, bringt es Süberkrüb auf den Punkt. Erfahrungen aus früheren Transformationsprojekten zeigen: Automatisierung und Digitalisierung lösen zunächst Unsicherheit aus. Entscheidend ist, wie Führung und Organisation damit umgehen.

„Die neue Aufgabe ist nicht, ersetzt zu werden, sondern Systeme zu überwachen, weiterzuentwickeln und Qualität zu sichern“, so Süberkrüb weiter. Digitalisierung wird damit zum Kulturthema. Transparenz, Beteiligung, Qualifizierung und offene Kommunikation sind keine Begleiterscheinungen – sie sind Voraussetzung dafür, dass Transformation gelingt.

Gestalten statt abwarten

Noch sind die Netze vielerorts stabil. Noch lassen sich steigende Anforderungen abfedern. Doch die Richtung ist klar. Intelligente Messsysteme schaffen heute die Grundlage, um morgen handlungsfähig zu bleiben. Steuerung in der Nieder-spannung wird kommen – differenziert, datenbasiert und unterstützt durch neue Technologien wie KI.

„Die größte Transformation passiert nicht im Netz – sie passiert in den Köpfen“, sagt Franz Süberkrüb. Genau darüber spricht er auch in seinem Vortrag „Vom Durchleiter zum Gestalter – die neue Rolle des Netzbetreibers“ beim Forum Netz & Vertrieb am 08. & 09. September 2026 in Osnabrück (https://forum.smartoptimo.de). Dort teilt er praxisnah, wie Netzbetreiber sich technisch, organisatorisch und kulturell auf diese Entwicklung vorbereiten können – und welche Fragen jetzt offen diskutiert werden sollten.

 

smartOPTIMO GmbH & Co. KG

Informationen zum Unternehmen finden Sie in der Company-Box.

Company-Box
Das könnte Sie auch interessieren
Von links: Dietmar Benkert (Geschäftsführer Frankenmetering), Dr. Fritz Wengeler (Geschäftsführer smartOPTIMO), Mathias Reznik (Geschäftsführer Frankenmetering).
smartOPTIMO und Frankenmetering bekräftigen strategische Partnerschaft
Mit einer durchschnittlichen Quote von 20 Prozent beim Smart-Meter-Rollout liegt das smartOPTIMO-Netzwerk rund vier Prozentpunkte über den Schnitt aller Messstellenbetreiber.
smartOPTIMO-Netzwerk übertrifft Marktdurchschnitt deutlich
Mit den Stadtwerken Ostmünsterland hat smartOPTIMO einen neuen Gesellschafter für sein Netzwerk gewonnen.
smartOPTIMO erweitert Gesellschafterkreis mit den Stadtwerken Ostmünsterland
Beim smartOPTIMO Forum Netz & Vertrieb dreht sich alles um das Thema Smart Metering und darüber hinaus.
Diese Köpfe bringen die Energiebranche zusammen: Erste Speaker für Forum Netz & Vertrieb 2026